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Nahost: Terroranschläge erschüttern den Friedenprozess

Zu den Anschlägen bekannten sich die Al-Aksa-Brigaden und die radikal-islamische Hamas. Israel stoppte nach den Attentaten die Freilassung von 69 palästinensischen Häftlingen.

Die erst vor sechs Wochen ausgerufene Waffenruhe wurde damit in Frage gestellt. Die Explosionen ereigneten sich in einem Supermarkt in Rosch Ha’Ain östlich von Tel Aviv und an einer Bushaltestelle nahe der Siedlerstadt Ariel. Neben den beiden Attentätern wurden zwei Israelis getötet und dreizehn Personen verletzt.

Ein Sprecher in Jerusalem kündigte das vorläufige Ende aller Erleichterungen für die palästinensische Bevölkerung an. Es waren die ersten gezielten Selbstmordanschläge gegen Israelis seit der Ausrufung einer einseitigen Waffenruhe durch palästinensische Extremistengruppen am 29. Juni. Die Anschläge standen auch im Mittelpunkt der Gespräche von US-Nahostvermittler William Burns, der am Dienstag zu Sondierungen in Israel erwartet wurden.

Die Bombe im Rucksack

Am Morgen hatte sich zunächst ein junger Palästinenser in einem Supermarkt der Stadt Rosch Ha’Ain nahe dem Westjordanland mit einer in seinem Rucksack versteckten Bombe in die Luft gesprengt. Er riss einen 42-jährigen Israeli mit sich in den Tod und verletzte zehn weitere. Mehrere Geschäfte in dem Einkaufszentrum gerieten durch die Explosion in Brand. Eine Stunde später zündete ein 21-jähriger Palästinenser einen Sprengsatz an einer Bushaltestelle am Eingang der Siedlerstadt Ariel im palästinensischen Westjordanland. Ein junger Israeli kam dabei ums Leben und drei weitere wurden verletzt.

Der Sprecher der radikalen Hamas-Organisation, Abdel Asis Rantisi, begründete die Anschläge mit der "militärischen Eskalation Israels gegen die Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen". Hamas hatte Vergeltung geschworen, nachdem bei einer israelischen Kommandoaktion in Nablus am vergangenen Freitag vier Palästinenser getötet worden waren.

Abbas verurteilt die Anschläge

Der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas verurteilte die neuen Anschläge und brach eine Reise durch arabische Staaten ab. Sein Sicherheitschef Mohammed Dachlan warnte, man werde keine weiteren Verstöße von palästinensischer Seite gegen die Waffenruhe dulden. Er bekräftigte die palästinensische Unterstützung des Friedensplans. Dachlan betonte allerdings, die Autonomiebehörde könne nicht für die Anschläge verantwortlich gemacht werden, weil die meisten Palästinensergebiete weiterhin von der israelischen Armee besetzt seien.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon sagte nach den Anschlägen, eine Fortsetzung des Friedensprozesses sei unmöglich, solange die palästinensischen Terroranschläge andauern. Scharon bekräftigte seine Forderung nach einem energischen Kampf der Autonomiebehörde gegen die Extremistengruppen. "Leider nimmt die Autonomiebehörde diese Aufgaben nicht ernst", betonte Scharon. Israel werde daher den Kampf gegen den Terror selbst fortsetzen.

Fischer warnt

Bundesaußenminister Joschka Fischer warnte nach den neuen Anschlägen vor einem Scheitern der Friedensbemühungen zwischen Israel und den Palästinensern. In den vergangenen Wochen seien beide Seiten "entscheidende und mutige Schritte auf dem Weg des Friedens gegangen", erklärte Fischer am Dienstag. "Diese dürfen auf keinen Fall scheitern und müssen entschlossen fortgesetzt werden." Auch der ägyptische Außenminister Ahmed Maher verurteilte die Attentate energisch.

DPA