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NAHOST: Vergeltung torpediert Friedensprozess

Die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern wird immer erbarmungsloser. Ein Palästinenser aus Ost-Jerusalem schoss vor dem Hauptquartier der israelischen Armee in Tel Aviv zehn Menschen an.

Die Gewalt zwischen Israel und den Palästinensern wird immer erbarmungsloser. Ein Palästinenser aus Ost-Jerusalem schoss vor dem Hauptquartier der israelischen Armee in Tel Aviv zehn Menschen an. Anschließend wurde er beim Versuch zu fliehen von einem Polizisten und einem Soldaten schwer verletzt. Nur wenige Stunden nach dem für viele Israelis schockierenden Anschlag »liquidierte« die israelische Armee bei einem Angriff in Tulkarem (Westjordanland) einen Aktivisten der radikal-islamischen Hamas-Organisation. Der Mann, Omar El Hadri, wurde von einer Rakete getroffen, die von einem israelischen Kampfhubschrauber abgefeuert worden war.

Neue Eskalation

Die erneute Eskalation des Konflikts folgte einem israelischen Raketenangriff, bei dem am Samstag in Ramallah der Chef der Fatah-Bewegung, Marwan Barguti, und sein Leibwächter nur knapp dem Tode entgingen. Israels Außenminister Schimon Peres kritisierte, dass das Kabinett von der umstrittenen Attacke nicht vorab informiert wurde.

Angriff aus dem Schiebedach

Der Attentäter von Tel Aviv war nach Aussagen des israelischen Polizeichefs Schlomo Aharonischki während der Mittagszeit mit seinem Auto zum Hauptquartier der Streitkräfte gefahren. Der 30-jährige Ali el Dschulani feuerte mit einem M-16 Schnellfeuergewehr offenbar von seinem geöffneten Schiebedach aus mehrere Salven auf die Soldaten, die in die Mittagspause gingen. Anschließend versuchte er, mit seinem Wagen zu fliehen, wurde jedoch im dichten Verkehr aufgehalten. Nach Aussagen Aharonischkis wurde er von einem Polizisten und einem Soldaten durch Schüsse lebensgefährlich verletzt. Keine der radikalen Palästinenser-Organisationen bekannte sich zunächst zu dem Anschlag. Acht der Verletzten waren junge Soldaten. Sie erlitten überwiegend leichte bis mittelschwere Verletzungen.

Polizei in Alarmbereitschaft

Die Polizei in Tel Aviv und Jerusalem war am Sonntag in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden, weil den Geheimdiensten Informationen über bevorstehende Terroranschläge vorlagen. Fahrzeugkontrollen an den Einfallstraßen nach Tel Aviv führten am Morgen zu Verkehrsstaus. Dennoch konnten sie den Anschlag nicht verhindern. »Dies ist eine symbolische Angelegenheit,« meinte Armeesprecher Ron Kitri zu dem Zwischenfall. »Die Palästinenser tragen ihre Angriffe ins Herz von Tel Aviv, Israels größte Stadt, und ganz dicht an die Zäune seiner wichtigsten militärischen Einrichtung.« Der geistige Führer der radikal-islamischen Hamas-Organisation meinte nach dem Zwischenfall nach Angaben des Armeesenders: »Dies hat bewiesen, dass palästinensisches Blut nicht weniger wertvoll ist, als jüdisches.«

Sicherheitsgespräche abgesagt

Die palästinensische Führung sagte daraufhin die regelmäßigen Sicherheitsgespräche mit Israel bis auf weiteres ab. Sie reagierte damit auf den israelischen Raketen-Angriff auf den Fatah-Chef Barguti. Sein Leibwächter Muhind Diria (Abu Alaue) wurde leicht verletzt. Israel machte inzwischen deutlich, dass Abu Alaue und nicht Barguti Ziel des Angriffs gewesen sei. Israel beschuldigt den Mann, der der »Force 17« Polizeigruppe angehört, mehrere tödliche Anschläge auf jüdische Siedler verübt und andere geplant zu haben.

Zur Absage der Sicherheitstreffen sagte der palästinensische Sicherheitschef Mohammed El Hindi, die Gespräche seien »nutzlos, solange Israel seine Aggression gegen unser Volk fortsetzt.« Barguti hatte sich in den vergangenen Wochen deutlich gegen eine Waffenruhe mit Israel ausgesprochen. Nach palästinensischen Angaben verschärfte die israelische Armee am Sonntag die Abriegelung der Stadt Ramallah aus Furcht vor Vergeltungsanschlägen.