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Attacke in Privathaus Gericht veröffentlicht erschreckende Details: Eindringling wollte Nancy Pelosi die Kniescheiben brechen

Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi (Kalifornien), und ihr Ehemann Paul Pelosi
Opfer politisch motivierter Gewalt: Paul Pelosi mit seiner Ehefrau Nancy Pelosi, der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses
© Kevin Wolf / AP / DPA
Nach dem Angriff auf den Ehemann von Nancy Pelosi, der eigentlich die US-Spitzenpolitikerin selbst treffen sollte, sind schaurige Einzelheiten zum Ablauf der Tat in dem Haus des Paares bekannt geworden.

Wenige Tage nachdem ein Angreifer in das Haus der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, eingedrungen ist und dort ihren Ehemann Paul schwer verletzte, ist am Montag (Ortszeit) ein Gerichtsdokument zu dem Fall veröffentlicht worden. In der eidesstattlichen Erklärung beschreibt FBI-Sonderermittlerin Stephanie Minor detailliert die Abläufe der Tat in der Nacht zu Freitag in San Francisco. Ihre Schilderungen stützen sich auf die Aussagen des Opfers Paul Pelosi, der Polizeibeamten am Tatort und des mutmaßlichen Täters David D.

Demnach war D. ganz in schwarz gekleidet zur Rückseite des dreistöckigen Hauses gegangen, hatte dort mit einem Hammer die Glasscheibe einer Hintertür zerbrochen und das Gebäude betreten. In einem Rucksack habe der 42-Jährige Kabelbinder, eine Rolle Klebeband, ein Seil und Handschuhe mit sich geführt. D. sei mit dem Hammer die Treppe hoch zum Schlafzimmer der Pelosis gegangen und habe den dort schlafenden Paul Pelosi geweckt und erklärt, er wolle mit "Nancy" sprechen.

Paul Pelosi wählt vom Bad aus den Notruf

Paul Pelosi, der den Mann nach eigenen Angaben noch nie zuvor gesehen hatte, habe geantwortet, dass seine Frau nicht zu Hause sei, woraufhin der Eindringling erklärt habe, er werde sich hinsetzen und auf sie warten. Selbst als Pelosi dem Mann mitgeteilt habe, dass seine Frau erst in einigen Tagen nach Hause käme, habe dieser darauf bestanden zu warten und angekündigt, er werde den 82-Jährigen fesseln, damit er während des Wartens etwas schlafen könne, da er vom Tragen des Rucksacks zum Haus der Pelosis müde geworden sei.

Pelosi habe versucht, vom Schlafzimmer aus in einen anderen Teil des Hauses zu gehen, aber D. habe ihn aufgehalten und zurückgebracht. Während die beiden sich unterhalten hätten, sei der Ehemann der US-Spitzenpolitikerin dann in ein Badezimmer gegangen, von wo aus es ihm gelungen sei, den Notruf zu wählen. Um 2.23 Uhr habe er der Disponentin berichten können, dass ein ihm unbekannter Mann in seinem Haus auf seine Frau warte. Obwohl der Angreifer das Telefonat gehört und gewusst habe, dass die Polizei kommen würde, sei er vor Ort geblieben, denn "ähnlich wie die amerikanischen Gründungsväter gegen die Briten kämpfte er gegen die Tyrannei, ohne die Möglichkeit zu haben, sich zu ergeben", berichtet Minor in ihrer Erklärung über die Aussagen des 42-Jährigen in seiner Vernehmung.

Acht Minuten nach dem Notruf kamen dem Gerichtsdokument zufolge zwei Beamte des San Francisco Police Department am Wohnhaus der Pelosis an und klopften an die Haustür. Zu diesem Zeitpunkt waren Pelosi und der Eindringling bereits die Treppe hinunter in den Eingangsbereich gegangen. Pelosi "lief hinüber und öffnete" die Tür, und die beiden Männer begannen, um den Hammer zu ringen. Die Beamten hätten die beiden aufgefordert, das Werkzeug fallen zu lassen, aber D. habe Pelosi den Hammer entrissen und ihm damit auf den Kopf geschlagen. Während Pelosi zusammengebrochen sei, seien die Beamten hereingestürmt und hätten den Angreifer festgehalten.

Angreifer wollte Nancy Pelosi die Kniescheiben brechen

Laut der eidesstattlichen Erklärung gab David D. später bei seiner Vernehmung an, er habe Nancy Pelosi als Geisel festhalten und mit ihr reden wollen. Wenn sie die "Wahrheit" gesagt hätte, hätte er sie freigelassen; wenn sie "gelogen" hätte – wovon er ausgegangen sei – hätte er ihr die Kniescheiben gebrochen. Er habe sich vorgestellt, dass sie dann in einem Rollstuhl in den Kongress gerollt werden müsste – und andere Abgeordnete daraus lernen würden, dass Handlungen Konsequenzen haben. Die 82-Jährige, so der Angreifer gegenüber den Ermittlern, sei die "Anführerin des Rudels" der Lügner in der Demokratischen Partei.

Nancy Pelosi ist ständiges Ziel verbaler Attacken der politischen Rechten. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump nennt sie immer wieder "Crazy Nancy" ("Verrückte Nancy") und machte sie über die Jahre zu einer Hassfigur für seine Anhänger. Pelosi ist in der politischen Rangfolge der USA nach Präsident Joe Biden und Vizepräsidentin Kamala Harris die Nummer drei. Die Demokratin wird rund um die Uhr von Leibwächtern bewacht – für Familien von Kongressmitgliedern ist bislang kein Schutz vorgesehen.

David D. muss sich nun auf Bundesebene wegen versuchter Entführung einer Amtsperson und Körperverletzung eines Familienmitgliedes einer Amtsperson vor Gericht verantworten. Auf lokaler Ebene werden ihm unter anderem versuchter Mord, Einbruch, Misshandlung und Freiheitsberaubung eines älteren Menschen sowie die Bedrohung einer Amtsperson zur Last gelegt. Dem 42-Jährigen drohen mehrere Jahrzehnte Haft.

Paul Pelosi musste nach dem Angriff wegen eines Schädelbruchs und ernster Verletzungen am rechten Arm und den Händen operiert werden. Die Ärzte erwarten aber, dass er sich vollständig erholen wird.

Quellen: Eidesstattliche Erklärung Stephanie Minor, "San Francisco Chronicle", DPA

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