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Nationalratswahl in Österreich: Große Koalition kann weitermachen

Wahlsieg mit fahlem Beigeschmack. Die große Koalition in Österreich wird ihre Arbeit wohl fortsetzen können. Doch auch die Rechten jubeln: Sie sind so stark wie einst unter Jörg Haider.

Die Luft wird dünn für die fast schon traditionelle große Koalition in Österreich. Zwar retten die sozialdemokratische SPÖ von Bundeskanzler Werner Faymann und die konservative ÖVP mit etwas mehr als 50 Prozent nach ersten Prognosen ganz knapp ihre Mehrheit und wollen weitermachen. Doch die von Korruptionsskandalen und Stillstand genervten Wähler haben ihnen einen Denkzettel verpasst: Die beiden Parteien liegen mit 27 und 23 Prozent auf ihrem historischen Tiefstand. Die Hälfte der Österreicher wünscht sich damit Alternativen zum Bestehenden - sei es der Euro oder das Bildungssystem.

Den Regierungsparteien dicht auf den Fersen ist mit starken Zugewinnen die rechte FPÖ, für die mehr als jeder fünfte Österreicher stimmte. Sie ist deutlicher Wahlsieger des Abends: Mit mehr als 20 Prozent sind die Rechten aktuell wieder so stark, wie sie zuletzt Mitte der 1990er Jahre unter Jörg Haider waren. Das Konzept, bei gleichen Botschaften weniger aggressiv und staatsmännischer - und damit für mehr Menschen wählbar - aufzutreten, ging für Spitzenkandidat Heinz-Christian Strache auf. Die Fremdenfeindlichkeit kaschierte auf Plakaten der Slogan "Liebe deinen Nächsten". Erst der Nachsatz "Für mich sind das unsere Österreicher", machte die Stoßrichtung klar.

Trotz Rekordausgaben für den Wahlkampf blieb der 81-jährige Milliardär Frank Stronach unter den Erwartungen. Seine neue Partei Team Stronach kommt zwar nach den Prognosen knapp in den Nationalrat. Anfangs gute Zustimmungswerte verspielte der Gründer des Autoteilezulieferers Magna jedoch mit konfusen und selbstherrlichen Auftritten im Wahlkampf. Seine Anhänger ließ der erfolgverwöhnte Milliardär am Sonntag kurzerhand alleine feiern.

Liberale Neos ziehen aus dem Stand ins Parlament

Stronach und die Rechten eint eine sehr Euro-kritische Haltung, wovon sich nach dem Ergebnis fast 30 Prozent der Österreicher angesprochen fühlten. Mit der Euro-Krise begründete die SPÖ in ihrer ersten Reaktion auch ihr historisch schlechtestes Ergebnis, das sie in einen Erfolg umzudeuten versuchte: "Es überwiegt die Freude, dass wir Erster sind", sagte Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos. Während der Krise seien in Europa 20 von 24 Regierungen abgewählt worden, doch die Sozialdemokraten in Österreich hätten sich behauptet.

Für die Überraschung des Abends sorgten die erstmals angetretenen liberalen Neos, die aus dem Stand über die Vier-Prozent-Hürde kamen. Das Bündnis setzt sich aus enttäuschten ÖVPlern, aber auch ehemaligen Grünen und Sozialdemokraten zusammen. Sie versprachen, als Sprachrohr der Bürger längst überfällige Reformen bei den Renten oder der Bildung endlich durchzusetzen. Unterstützt wurde die Bewegung auch vom ehemaligen Strabag-Gründer und Ex-Topmanager Hans-Peter Haselsteiner. "Wir wollten Erneuerung in Österreich, wir wollten ins Parlament - wir sind jetzt da", freute sich der Vorsitzende Matthias Strolz. Er kündigte an, endlich Lebendigkeit ins Hohe Haus zu bringen.

Miriam Bandar, DPA / DPA