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Österreichischer Polit-Star Stronach: Magna cum Fränk

Seine Partei ist kein Jahr alt und erobert Österreich im Sturm. Jetzt legt Gründer und Selfmademilliardär Frank Stronach seine Biografie vor - ein Buch, das seinen Erfolg erst Recht nicht erklärt.

Von Niels Kruse

Man muss sich das steirische Ein-Mann-Wunder äußerlich als eine Mischung aus Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp und dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann vorstellen: ein älterer, freundlicher Onkel, der auf Wahlplakaten trotz seiner 80 Jahre geradezu bubihaft in die Kamera blickt. Wer immer für das Bild verantwortlich war, er hat ganze Arbeit geleistet. Was man von den Leuten, die Frank Stronach sonst beraten, nicht immer behaupten kann.

Erst jetzt wieder legte er eine seiner typischen Einlassungen hin, von denen man nie weiß, ob man ihn deswegen fürchten oder auslachen sollte: 6000 Problemlehrer solle der Staat feuern, fordert er lautstark, denn "warum soll sich Österreich ungeeignetes Personal leisten? Das würde doch keine Firma der Welt machen." Da kichert der Fachmann, doch das Volk applaudiert. Solche Sätze sind das Kondensat seiner politischen Agenda, mit ihnen eilt seine nicht einmal ein Jahr alte Partei von Wahlerfolg zu Wahlerfolg. Und mit dem Selfmademilliardär und Überösterreicher gesellt sich ein weiteres würdiges Mitglied in die an skurrilen Gestalten ohnehin nicht arme Wiener Politik.

Bizarrer Schlagwort-Dialogstreit zur besten Sendezeit

Legendär ist etwa sein Auftritt in der wichtigsten Nachrichtensendung des Landes, ZiB 2. Ohne überhaupt irgendeine Frage zu stellen, verwickelt Stronach Moderatorin Lou Lorenz-Dittelbacher in einen bizarren Schlagwort-Dialogstreit, in dessen Verlauf Fränk, wie sie ihn nennen, wahlweise darum bittet, ihn ausreden zu lassen, beklagt, dass man so wenig Zeit habe und er "als Steuerzahler" das Recht einforderte, sich "hier auszudrücken". Zehn Minuten dauert dieser Auftritt im Sommer des vergangenen Jahres. Da gab es das Team Stronach noch gar nicht, doch das ganze Land gierte förmlich darauf, dass der Frank es endlich mal der Politik zeigt.

Das ganze Land? Nicht ganz. Aber gelinde gesagt, kann der Österreicher nicht so gut mit seinen Politikern. Da kommt Frank Stronach gerade Recht. Er erzählt jedem, dass er mit diesen Politikern nichts zu tun haben will. Und dann steht der Mann für einen sagenhaften Aufstieg, für Erfolge und Reichtum. Vom Garagenbastler zum Multimilliardär – diese Geschichte zieht immer und natürlich auch in der Alpenrepublik.

Vom Garagenbastler zum Multimilliardär

Mit 22 Jahren zog er als Frank Strohsack aus dem Örtchen Kleinsemmering ins wilde Kanada, änderte seinen Nachnamen und gründete mit Magna einen der größten Automobilzulieferer der Welt. Die meisten Deutschen werden den Namen das erste Mal 2009 gehört haben, als das Unternehmen kurz davor war, Opel zu kaufen.

Seine Firma machte Stronach zum Multimilliardär und zu jemandem, der auf möglichst vielen Hochzeiten tanzen möchte. Er züchtet nicht nur erfolgreich Pferde, sondern versuchte sich auch als Fußball-Mäzen bei Austria Wien und dem SC Schwanenstadt. Daneben fördert er die Wiener Staatsoper, die Uni Graz, und weil so das Engagement immer noch nicht genug ist, stieg er in die Politik ein. "Darin liegt nicht mein Glück, sondern das Glück der Österreicher, wenn wir die Mehrheit haben"; sagte er der Zeitschrift "Woman".

Aus dem Stand in drei Länderparlamente

Noch sind die Österreicher weit von einem kollektiven Glückstaumel entfernt. Aber immerhin: Das Team Stronach (das auf den Wahlzetteln unter "Frank" firmiert) hat es aus dem Stand geschafft, in drei Landesparlamente einzuziehen – stets mit um die zehn Prozent. Nur die bockigen Tiroler wollten ihn nicht, dafür sitzen fünf seiner Leute bereits im Nationalrat, dem österreichischen Parlament. Fünf Abgeordnete der rechtspopulistischen BZÖ waren ins Stronach-Lager gewechselt, weshalb schnell der Vorwurf aufkam, der Magna-Mann habe sich ein paar Parlamentarier gekauft. Mit seinem vielen Geld jedenfalls will Stronach nicht geizen. Obwohl es eigentlich eine Ausgabengrenze für den Wahlkampf zur Nationalratswahl Ende September gibt, hat der Polit-Mäzen bereits angekündigt, darauf keine Rücksicht nehmen zu wollen. Dann zahl ich eben danach die fällige Strafe, sagte er sinngemäß dazu.

"Mann mit Gold sucht Programm mit Inhalt", ätzte anschließend Hannes Rauch von der konservativen ÖVP. Und trifft damit Stronachs eben nicht kleines Problem: Denn bis auf ein paar liberale Floskeln, etwas Wut über das System und einer manchmal sogar charmanten Verwirrtheit, hat er nicht viel zu bieten. Besonders deutlich wird das beim Blick in seine Biografie "Der Magna-Mann", die jetzt erschienen ist. Das Buch, eine Mischung aus Tellerwäscher-Romantik, Manager-Ratgeber und politischem "Programm" strotzt nur so vor platten Kalenderweisheiten: "Das Leben ist wirklich eine Frage des Schicksals und der Umstände." "Wenn ich vor einer Situation stehe, die mir nicht ganz recht ist, mache ich einfach das Beste daraus." Und so jemand will Bundeskanzler werden?

Er plündert fröhlich den Bestand der anderen Parteien

Nein, will er ja gar nicht. Er strebe kein Amt an, sagte er im "Woman"-Interview. Doof nur, dass der Frank dazu neigt, vieles von dem, was er so sagt, doch nicht so zu meinen. Etwa als er gefragt wurde, mit viel Prozent er bei den nächsten Wahlen rechne und er antwortete: "Solche Zahlen werden Sie von mir nicht hören." Und im gleichen Atemzug: "30 Prozent!" Oder die Sache mit diesen Politikern, die er nicht mag. Für die Führung von Magna Steyr "gewann" er gleich zwei Profis aus dem Volksvertretergewerbe: Den Ex-Bundeskanzler Vranitzky und den Ex-Finanzminister Grasser. Auch für sein Team plündert er fröhlich den Bestand anderer Parteien.

Aber was will man auch machen gegen einen erfolgsverwöhnten, rüstigen Senioren, der wahlweise als beratungsresistenter Rechthaber oder als Original gilt? Ein Wutbürger, der lieber Mutbürger genannt werden will. Ein selbsterklärter Revolutionär. Der Gewerkschaften verachtet, und seine Angestellten an den Gewinnen beteiligt. Der den Bundeshaushalt sanieren will, indem er die Steuern senkt. In den aktuellen Umfragen liegt das "Team Stronach" zwischen acht und zehn Prozent. Das reicht locker für den Einzug ins Parlament. Als jemand, der weiterhin auch in Kanada zu Hause ist, wird der Abgeordnete Stronach nur leider nicht immer da sein können, wo die Entscheidungen fallen. Aber das macht nichts, denn der Fränk weiß: "Wer das Gold hat, macht die Regel. Und ich habe das Gold."