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Mutmaßliche Kriegsverbrechen: Ein US-Elitesoldat soll willkürlich Zivilisten getötet haben. Wurde er auch noch gedeckt?

Ein Navy-Seal-Elitesoldat soll wahllos und willkürlich Zivilisten getötet haben. Das geht offenbar aus einem Untersuchungsbericht hervor. Vorgesetzte haben ihn womöglich gedeckt. Im Mai beginnt der Prozess.

Navy Seals: Ein US-Elitesoldat soll willkürlich Zivilisten getötet haben. Wurde er auch noch gedeckt?

Einem Soldaten der US-Navy-Seals werden zahlreiche Verbrechen vorgeworfen (Symbolbild)

Picture Alliance

Edward "Eddie" Gallagher, 39, ist ein hochdekorierter Elitesoldat. Eine "Legende", sagen manche. Gallagher, sein angeblicher Spitzname "Blade" (also Klinge), bildete als Special Operations Chief andere US-Navy Seals aus, war Scharfschütze, Bombenspezialist und Sanitäter und Kriegsveteran. Er war mehrmals im Irak und in Afghanistan im Einsatz.

Und er ist ein grausamer und gewissenloser Kriegsverbrecher, werfen ihm Soldaten aus seiner Einheit vor.

Im Mai wird Gallagher vor ein Militärgericht gestellt. Seit September 2018 befindet er sich in Untersuchungshaft. Er soll Zivilisten willkürlich getötet haben. Als seine Vorgesetzten von den Vorgängen erfahren hätten, sollen sie ihn gedeckt haben. So soll es aus einem internen Untersuchungsbericht der US-Marine hervorgehen, über den die "New York Times" (NYT) und die Fachzeitschrift "Navy Times" berichten.

Die Augenzeugenberichte scheinen erdrückend

In dem detaillierten 439-Seiten-Bericht wird ein verstörendes Bild des Soldaten gezeichnet, schreibt die "New York Times", aber auch über eine Subkultur innerhalb der Navy Seals, die Gewissenslosigkeit auszeichne und Übeltäter schütze.

Wird Gallagher für die mutmaßlichen Kriegsverbrechen verurteilt, drohe ihm eine lebenslange Haftstrafe. Der Soldat plädiert auf seine Unschuld und weist alle Vorwürfe zurück. Doch die Augenzeugenberichte scheinen erdrückend:

  • Gallagher soll 2017 im Irak ein Mädchen, das ein Hijab mit Blumenmuster getragen habe und mit anderen Mädchen unterwegs war, mit einem Scharfschützengewehr erschossen haben. Das hätten zwei Navy-Seal-Scharfschützen berichtet, wie die "NYT" aus dem Bericht zitiert. Einer der beiden angeblichen Augenzeugen habe beobachtet, wie Gallagher durch sein Zielfernrohr beobachtet habe, wie das Mädchen blutend in sich zusammensackte.
  • An einem anderen Tag soll Gallagher einen unbewaffneten, älteren Mann in einer weißen Robe erschossen haben, der Wasser holen wollte.
  • Im Mai 2017 hätten irakische Truppen einen offenbar 15-jährigen IS-Kämpfer, der im Kampf verletzt wurde, medizinisch versorgen wollen. Die Wunden seien nicht lebensgefährlich gewesen. Gallagher soll später dazugestoßen sein und habe mehrmals in Nacken und Bauch des Jungen eingestochen. Nach seinem Tod hätten Gallagher und andere über der Leiche für Fotos posiert.

Darüber hinaus soll Gallagher regelmäßig und willkürlich mit einem schweren Maschinengewehr in Wohngegenden gefeuert haben, bis das Magazin leer war. Außerdem habe er vor Kameraden geprahlt, wie viele Menschen er schon getötet habe. Regeln soll er oftmals missachtet haben.  

Andere kämpfen für die Freiheit des Navy Seals

So schildern es Augenzeugen, darunter Navy Seals, schreibt die "New York Times". Sie sollen intern auf großen Widerstand gestoßen und unter Druck gesetzt worden sein. Demnach seien erste Vorwürfe im März 2018 gegenüber Offizieren angesprochen worden, die laut "NYT" mit Gallagher befreundet waren. Sie sollen den Seals geraten haben, die Sache auf sich beruhen zu lassen – andernfalls könnte ihr Karriere in Gefahr sein. Danach sei lange nichts passiert, wenige Tage nach den Gesprächen vom März 2018 sei Gallagher sogar für seine Dienste im Irak ausgezeichnet worden. Erst später hätten die Soldaten eine Untersuchung durchsetzen können, als sie sich an eine andere Dienststelle wandten und damit drohten, an die Medien zu gehen.

Seit September 2018 sitzt Gallagher in Untersuchungshaft. Laut "New York Times" werden ihm über Dutzend Vergehen vorgeworfen, darunter vorsätzlicher Mord und versuchter Mord. Weder Gallagher noch sein Anwalt wollten gegenüber der Zeitung eine Stellungnahme abgeben. Auch den Vorgesetzten, die Gallagher womöglich gedeckt haben, drohe eine Strafe.

Der Fall ist in den USA zu einem Politikum geworden. Veteranen und Konservative stellen sich hinter Gallagher, fordern seine Freilassung und sammeln Spenden – etwa durch den Verkauf von "Free Eddie"-T-Shirts. Andrea Gallagher, seine Ehefrau, und Sean Gallagher, sein Bruder, sind mehrmals bei "Fox News" aufgetreten und haben dort seine Unschuld verteidigt, schreibt die "NYT". Sie hätten die Vorwürfe als Verschwörung abgetan, lanciert von Navy Seals, die sich an Gallagher rächen wollten.

Sogar US-Präsident Donald Trump hat sich in den Fall eingeschaltet:

"In Anerkennung seiner früheren Verdienste", so Trump auf Twitter, werde Gallagher in eine "weniger restriktive" Haft-Unterkunft bis zum Prozessbeginn verlegt.

Quellen: "New York Times"

Seehund
fs