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Neue Kabinettsmitglieder für zweite Amtszeit: Obama sucht seine Superminister

Für seine zweite Amtszeit muss Barack Obama neue Mitarbeiter rekrutieren. Einige Minister ziehen das Privatleben der Politik vor. Wirtschafts- und Verteidigungsminister könnten Frauen werden.

Hillary Clinton bleibt bei ihrem Nein. Ein Nein zu einer zweiten Amtszeit als Außenministerin. Mehrfach hatte sie schon lange vor der Wahl betont, dass sie sich ins Privatleben zurückziehen will. Und daran ändert auch die Wiederwahl von Barack Obama nichts, bestätigte ihre Sprecherin.

Zieht sich hier etwa jemand zurück, um nach zwei Jahren gestärkt aus der Versenkung zu kommen und nach acht Jahren Obama für die Demokraten zu kandidieren? Jegliche Spekulationen, die in diese Richtung gehen, hat Hillary Clinton energisch zurückgewiesen. Sie wäre dann 69 und es wäre ihr zweiter Versuch. Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten war Clinton 2008 knapp gegen Obama unterlegen. Nach seinem Wahlsieg holte er die Frau des früheren Präsidenten Bill Clinton als Außenministerin in sein Kabinett.

Die Kandidaten für das Außenamt

Obama muss bis zum Ende seiner ersten Amtszeit im Januar einen Ersatz für Clinton finden. Lange wurden der US-Botschafterin bei der UNO, Susan Rice, große Chancen auf den Posten eingeräumt. Allerdings büßte sie im Zusammenhang mit dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi am 11. September an Ansehen ein, als sie die Attacke als Reaktion auf ein in den USA produziertes islamfeindliches Video deutete, was sich als falsch herausstellte. Ein anderer Name, der immer wieder fällt, ist John Kerry: Der einflussreiche Senator ist ein Außenpolitikexperte. Bei der Präsidentschaftswahl 2004 kandidierte er für die Demokraten, unterlag aber Amtsinhaber George W. Bush. Als dritter Kandidat wird Thomas Donilon genannt. Er ist seit zwei Jahren Nationaler Sicherheitsberater des Präsidenten.

Auch noch gesucht: Der Herr der Schulden

Auch der Posten des Finanzministers muss neu besetzt werden. Und zwar möglichst schnell, denn die USA sind hoch verschuldet. Mit einem Schuldenberg von 16 Billionen Dollar geht Obama in seine zweite Amtszeit. Timothy Geithner will nicht mehr. Ganz oben auf der Liste der gehandelten Kandidaten steht Jack Lew, der schon unter Bill Clinton als Direktor für die Aufstellung des Haushaltes verantwortlich war. Als Obamas Stabschef hat er gute Kontakte zu Kongressabgeordneten. Allerdings ist Lew kein Diplomat. Aber den braucht es. Denn nur zusammen mit den Republikanern wird ein Schuldenabbau gelingen. Sie besitzen weiterhin die Mehrheit im Repräsentantenhaus. "Es muss jemand sein, der auch die Partei des Präsidenten angeht", so Jim Kessler, Experte der Denkfabrik "Third Way".

Mit Verhandlungsgeschick hat sich Erskine Bowles für den Posten empfohlen. Zusammen mit dem Republikaner Alan Simpson hat er die Kommission zur Eindämmung des Defizits geleitet. Allerdings: Die Kommission scheiterte, weil Obama den erarbeiteten Vorschlag ablehnte. Ein weiteres Kriterium für das Amt ist ein guter Draht zur Wirtschaft. Banker und Börsianer an der Wall Street müssen besänftigt werden. Sie beschweren sich über eine zu harte Regulierung der Märkte nach der Finanzkrise und sind gegen Obamas Gesundheitsreform.

Und da kommt eine weibliche Kandidatin ins Spiel: Sheryl Sandberg. Sie ist derzeit Facebook-Geschäftsführerin, arbeitete unter Clinton bereits im Finanzministerium, war bei der Weltbank tätig und zuvor bei Google. Aber auch Roger Altmann, Staatssekretär unter Clinton und Mitbegründer der Investmentfirma Evercore Partners, ist ein Kandidat. Altman war früher bei der Pleitebank Lehman Brothers beschäftigt und bei dem Finanzinvestor Blackstone. Er hat damit sowohl mit der Finanzbranche als auch mit der Politik langjährige Erfahrung. Allerdings hatte er in der Affäre über den privaten Immobilienbesitz der Clintons keine gute Figur abgegeben.

Panetta bleibt - vorerst

Sein Verteidigungsminister bleibt Obama erhalten. Allerdings hat sich Leon Panetta ein Hintertürchen geöffnet. Die Verhandlungen über den Militäretat will der 74-Jährige noch durchziehen, dann lockt ihn seine Walnussfarm in Kalifornien. Auch wenn er erst vor einem Jahr vom Geheimdienst CIA ins Pentagon wechselte. Nachfolgerin könnte Michèle Flournoy werden, die in den vergangenen Monaten für Obama im Wahlkampfteam arbeitete, aber davor Staatssekretärin im Verteidigungsministerium war.

Ein Wackelkandidat in der Ministerriege ist auch Eric Holder. Auf den Posten des Justizministers könnte die Heimatschutzministerin Janet Napolitano folgen - was eine weitere Stellenausschreibung notwendig machen würde. Obama muss also einige seiner wichtigsten und engsten Vertrauten ersetzen. "Die meisten wiedergewählten US-Präsidenten haben ihr Kabinett bis zur Amtseinführung neu aufgestellt. Es sieht so aus, als würde auch Obama die Regierung zur Hälfte austauschen", spekuliert der Korrespondent der "New York Times" für das Weiße Haus, Peter Baker.

Swantje Dake mit Agenturen