"Wie Krieg" Proteste im Iran spitzen sich zu – Massen auf Straßen, Regime sperrt Internet

Iraner versammeln sich und blockieren eine Straße während einer Demonstration in der Stadt Kermanshah
Iraner versammeln sich und blockieren eine Straße während einer Demonstration in der Stadt Kermanshah
© Kamran / Imago Images
Tränengas, brennende Fahrzeuge, abgeschaltetes Internet: Im Iran eskalieren die Proteste auf den Straßen der Städte. Was Augenzeugen über einen dramatischen Abend berichten.

Mehr als eine Woche nach Beginn der landesweiten Proteste im Iran erreichen die Demonstrationen einen neuen Höhepunkt. In Teheran haben in der Nacht zum Freitag die größten Demonstrationen seit Beginn der jüngsten Protestwelle stattgefunden. 

In der Hauptstadt strömten zahlreiche Menschen auf den weitläufigen Ajatollah-Kaschani-Boulevard, wie auf von der Nachrichtenagentur AFP verifizierten Aufnahmen in Onlinenetzwerken zu sehen war. Augenzeugen berichteten von Sicherheitskräften, die mit Tränengas gegen vermummte Demonstranten vorgingen. Videos von Aktivisten zeigten brennende Fahrzeuge der Sicherheitskräfte in Teheran

Die Proteste kehrten auch in viele andere Metropolen zurück, nachdem in den vergangenen Tagen vor allem Bewohnerinnen und Bewohner der westlichen Provinzen demonstriert hatten. In der Millionenstadt Maschhad im Nordosten berichteten Augenzeugen von großen Protesten. Es sei "wie Krieg", beschrieben Einwohner die Szenen auf den Straßen. 

"Internet-Blackout" inmitten der Proteste

Die Behörden schalteten unterdessen den weltweiten Internetzugang für die Bevölkerung ab. Das Land befinde sich in einem "Internet-Blackout", berichtete die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks. Auch Daten des IT-Unternehmens Cloudflare zeigten am Donnerstag einen Einbruch des Web-Traffics um etwa 90 Prozent. Ein kleiner Teil der Regierung sowie des Militär- und Machtapparats dürfte das Internet weiter frei nutzen können. Auch per Telefon waren Kontakte im Iran zunächst nicht mehr erreichbar.

Iran: "Tod dem Diktator" hallt über die Dächer

Am Abend hatten Menschen von Fenstern und Balkonen Slogans gegen die Staatsmacht gerufen. "Tod dem Diktator" und "Das ist der letzte Kampf, Pahlavi kommt zurück", hallte über die Dächer. Reza Pahlavi, Sohn des 1979 gestürzten Schahs, hatte für Donnerstag und Freitag zu Protesten aufgerufen. 

Die neue Protestwelle erschüttert den Iran seit Ende Dezember. Ausgelöst wurden die Demonstrationen durch eine massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der landeseigenen Währung Rial. In Teheran gingen daraufhin wütende Händler auf die Straße. Inzwischen haben sich die Proteste auf das ganze Land ausgeweitet. 

Bislang kamen bei den Protesten 45 Demonstranten ums Leben, wie die in Oslo ansässige Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHRNGO) mitteilte. "Die Fakten zeigen, dass die Repressionen von Tag zu Tag gewalttätiger und umfassender werden", sagte Direktor Mahmood Amiry-Moghaddam.

Trump droht erneut der Staatsführung in Teheran

US-Präsident Trump erneuerte eine Drohung an die Staatsführung in Teheran. "Ich habe ihnen mitgeteilt, dass wir sie hart bestrafen werden, falls sie anfangen, Menschen zu töten, was sie während ihrer Unruhen, die ja häufig vorkommen, gerne tun", sagte er in einer am Donnerstag veröffentlichten Folge des Podcasts "The Hugh Hewitt Show". Die US-Regierung verfolge die Situation aufmerksam. Trump lobte die Iraner als "mutige Menschen". Es war jedoch unklar, wann das Gespräch aufgezeichnet wurde.

Hinweis: Dieser Artikel wurde mehrfach aktualisiert und mit aktuellen Informationen ergänzt.

DPA · AFP
lw / due

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