HOME

Nonnen schildern Kirchen-Attentat: "Nach dem Mord hat er gelächelt, wie jemand, der glücklich ist"

Als zwei Terroristen des IS in einer Kirche im Norden Frankreichs einen Priester töteten, waren drei Nonnen gezwungen, zuzusehen. Sie müssen ihre Erlebnisse noch verarbeiten und haben mit französischen Journalisten darüber gesprochen.

Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray

In dieser Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray wurde am 26. Juli vor den Augen der Nonnen ein Priester getötet

Nach dem islamistischen Anschlag auf eine Kirche im Norden Frankreichs müssen die Geiseln noch verarbeiten, was sie gesehen haben. Die französische Wochenzeitung "La Vie" hat mit zwei der drei Nonnen gesprochen, die gezwungen worden waren, den Mord an ihrem Priester in der Kirche von Saint-Etienne-du-Rouvray mit anzusehen.

Schwester Huguette und Schwester Hélène erzählten den französischen Journalisten für die aktuelle Ausgabe der katholischen Zeitung, wie sich nach der Tat ein surreales Gespräch mit den Islamisten über Religion und den Tod entwickelte.

"Er hatte den Stil der Terroristen"

Die beiden mit Messern bewaffneten Männer waren am Dienstagmorgen in die Kirche von Saint-Etienne-du-Rouvray bei Rouen eingedrungen, in der sich der Priester, drei Nonnen und zwei Gemeindemitglieder befanden. Schwester Hélène, ebenfalls eine der Geiseln, beschreibt den Attentäter so: "Er hatte den Stil der Terroristen, den man schon im Fernsehen gesehen hat. Er trug eine schwarze Feldmütze auf dem Kopf und einen Bart. Ich hatte sofort verstanden."

Vor den Augen der Nonnen schnitten die Angreifer dem Priester die Kehle durch und verletzten außerdem einen über 80 Jahre alten Gottesdienstbesucher schwer. Später wurden sie von Polizisten erschossen.

Nach dem Mord lächelte der Attentäter

Nach dem Anschlag auf den Priester habe einer der Attentäter gelächelt, sagte Schwester Huguette der Wochenzeitung. "Aber es war kein triumphierendes Lächeln, sondern ein sanftes, von jemanden, der glücklich ist."

Dann habe einer der Männer Schwester Hélène gefragt, ob sie den Koran kenne. "Ja, ich respektiere ihn wie ich die Bibel respektiere, ich habe bereits mehrere Suren gelesen", antwortete sie demnach. Besonders die Suren über den Frieden hätten sie beeindruckt, sagte Hélène. "Frieden, das ist das, was wir wollen", antwortete einer der Attentäter. "Solange Bomben auf Syrien fallen, werden wir die Attentate fortsetzen", fuhr er fort. "Wenn Ihr aufhört, hören wir auch auf." Auch über Jesus und die Angst vor dem Tod hätten die Männer mit den Nonnen gesprochen.
Der IS hatte den Anschlag in der Kirche für sich reklamiert. Frankreich ist an einer internationalen Militärkoalition beteiligt, die den IS bekämpft. Die Miliz kontrolliert im Irak und in Syrien weite Landesteile.

jen mit / AFP
Themen in diesem Artikel