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Nordirland: Parlamentswahl entscheidet über Selbstverwaltung

Für 1,1 Millionen Nordiren ist die politische Unabhängigkeit zum Greifen nah. Sollte es bei der Parlamentswahl jedoch zu keiner Einigung zwischen protestantischen und katholischen Parteien kommen, droht die Fortsetzung der britischen Verwaltung.

In Nordirland hat die Wahl eines neuen Regionalparlaments begonnen. Aus dessen Reihen soll bis zum 26. März eine neue Vier-Parteien-Koalition der pro-britischen Protestanten und der irisch-nationalistischen Katholiken bestimmt werden. Insgesamt sind mehr als 1,1 Millionen Nordiren aufgerufen, über die Zusammensetzung des Parlaments in Belfast zu entscheiden. Sollte es zu keiner Einigung kommen, hat die britische Regierung angedroht, die Provinz wieder ausschließlich von London aus zu verwalten. Allerdings hat sie Ultimaten in der Vergangenheit wiederholt verstreichen lassen.

Stärkste Kraft unter den 108 Abgeordneten dürfte die Democratic Unionist Party (DUP) des radikalen protestantischen Pfarrers Ian Paisley werden. Einer Umfrage zufolge kann sie mit 24,9 Prozent der Stimmen rechnen. Die IRA-nahe Sinn Fein kommt demnach auf 21,7 Prozent, dicht gefolgt von der gemäßigteren katholischen Social Democratic and Labour Party (SDLP) mit 20,2 Prozent. Die gemäßigtere Partei der Protestanten, die Ulster Unionist Party (UUP), kommt mit 15,7 Prozent nur auf Platz vier. Viele Wähler zeigten sich allerdings noch unentschlossen.

Selbstverwaltung noch nicht gesichert

Entscheidend für die künftige Selbstverwaltung in Belfast ist die Frage, ob sich die DUP zu einer Zusammenarbeit mit der Sinn Fein bereit erklärt. Daran ist die erste Vier-Parteien-Koalition von 1999 gescheitert, und seit Oktober 2002 wird Nordirland wieder von London aus regiert. Seitdem allerdings hat die Irisch-Republikanische Armee (IRA) dem bewaffneten Kampf abgeschworen und ihre Waffen niedergelegt, und die Sinn Fein hat sich unlängst zur formellen Anerkennung der protestantisch dominierten nordirischen Polizei durchgerungen.

Politische Beobachter sind deshalb verhalten optimistisch bezüglich einer Einigung. Die Wahllokale sollten bis 22.00 Uhr Ortszeit (23.00 Uhr MEZ) geöffnet sein. Gewählt wird in 18 Wahlkreisen, die jeweils sechs Abgeordnete ins Belfaster Parlament Stormont entsenden. Diese werden nach einem komplizierten Verhältniswahlrecht bestimmt. Dabei können die Wähler ihre sechs Stimmen nach einer gewünschten Rangfolge vergeben. Ergebnisse werden deshalb erst innerhalb der nächsten zwei Tage vorliegen.

Sean Pogatchnik/AP/DPA / AP / DPA