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US-Außenminister brüskiert: Tillerson will mit Nordkorea reden - und wird vom eigenen Ministerium gestoppt

"Lasst uns einfach zusammenkommen", lautete das Angebot von Rex Tillerson an Nordkorea. Doch sein eigenes Ministerium und das US-Präsidialamt weisen den US-Außenminister öffentlich in die Schranken.

US-Außenminister Tillerson nach Nordkorea-Vorstoß in die Schranken gewiesen

""Jetzt ist ganz sicher nicht die Zeit für Gespräche", wird der Nordkorea-Vorstoß von US-Außenminister Rex Tillerson abgewunken

Es war ein diplomatischer Vorstoß im Atomstreit mit Nordkorea: "Wir sind bereit zu einem ersten Treffen ohne Vorbedingungen", kündigte US-Außenminister Rex Tillerson bei einer Veranstaltung in Washington an. Und zeigte guten Willen: "Lasst uns einfach treffen und meinetwegen über das Wetter reden und darüber sprechen, ob es ein viereckiger Tisch oder ein runder Tisch sein wird, wenn es das ist, was euch Freude bereitet."

"Ganz sicher nicht die Zeit für Gespräche"

Diesem Gesprächsangebot stellt sich nun ausgerechnet sein eigenes Ministerium entgegen: Die Zeit sei noch nicht gekommen, solange das Regime in Pjöngjang keine Bereitschaft zur Aufgabe seiner Atom- und Raketentests zeige, so eine Sprecherin des Außenministeriums. Das berichtet etwa "Deutsche Welle". Vor Gesprächen müsse zuerst eine "Phase der Ruhe" ohne Atomtests eintreten, zitiert "DW" Heather Nauert.

Zuvor verwies auch das US-Präsidialamt Tillersons in die Schranken. So erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates, solange Nordkoreas Regierung "ihr Verhalten nicht grundlegend verbessert", es auch keine Verhandlungen geben könne. "Angesichts des jüngsten Raketentests, ist jetzt ganz sicher nicht die Zeit für Gespräche", zitiert "DW" den Sprecher.

Auch Trump kritisierte Tillersons Nordkorea-Politik

Es ist nicht das erste Mal, dass Tillerson im Konflikt für Nordkorea öffentlich brüskiert wird. Der US-Außenminister setzt eher auf eine diplomatische Lösung - während Trump bekanntlich mit "Feuer und Zorn" droht. "Ich habe Rex Tillerson gesagt, unserem wundervollen Außenminister, dass er seine Zeit verschwendet, mit dem Little Rocket Man (sein Spitzname für Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un, Anm. d. Red.) zu verhandeln", schrieb Trump auf Anfang Oktober auf Twitter, "Spare deine Energie, Rex. Wir machen, was gemacht werden muss!"

Die Spannungen zwischen Washington und Pjöngjang haben sich in den vergangenen Monaten massiv verschärft. Trump und Kim lieferten sich scharfe Verbalattacken, während Nordkorea ungeachtet von UN-Sanktionen seine Atom- und Raketentests fortsetzte. Anfang September nahm Pjöngjang nach eigenen Angaben seinen sechsten und bisher gewaltigsten Atomwaffentest vor. Zudem testete Nordkorea zuletzt mehrfach Mittelstreckenraketen. Ende November feuerte Pjöngjang eine Interkontinentalrakete vom Typ Hwasong-15 ab und erklärte, das gesamte US-Festland befinde sich nun in Reichweite nordkoreanischer Raketen. 

fs mit / AFP