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Punggye Ri: Nordkoreas Atomtestanlage zerstört: Nur eine leere Geste?

Dass Nordkorea seine Atomanlage zerstört hat, wird als Geste des guten Willens anerkannt. Experten warnen aber: Die Einrichtung sei ohnehin nicht mehr nutzbar. Fakten und Hintergründe zum Ende von Punggye Ri.

Luftaufnahme der Atomtestanlage Punggye Ri in Nordkorea

Luftaufnahme der Atomtestanlage Punggye Ri in Nordkorea: Die Einrichtung wurde als Geste des guten Willens zerstört.

DPA

Zwölf Jahre nutzte Nordkorea die unterirdische Anlage Punggye Ri für seine umstrittenen Atomwaffentests. Am Donnerstag wurde die militärische Einrichtung offenbar zerstört. Im Beisein ausgewählter ausländischer Journalisten wurden mehrere Sprengungen vorgenommen. Nordkorea hatte den Schritt vor knapp zwei Wochen als eine Geste des guten Willens vor dem geplanten Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un angekündigt. Nach Ansicht von Kritikern war die Anlage nach sechs Atomtest aber ohnehin nicht mehr nutzbar.

Lage

Das unterirdische Testgelände Punggye Ri liegt im Nordosten Nordkoreas, nahe der chinesischen Grenze. Die Tunnel der Anlage wurden in einen mehr als 2000 Meter hohen Berg aus Granitgestein gebohrt, der von schroffem Gebirge umgeben ist. Bekannt wurde die Existenz des Testgeländes erst 2006, als unter der Führung des damaligen Machthabers Kim Jong Il dort erstmals ein Atomsprengsatz gezündet wurde. Seitdem wurde die Aktivität rund um Punggye Ri über Satelliten aufmerksam beobachtet. Auf Satellitenbildern waren mehrere Zugangstunnel aus verschiedenen Richtungen zu sehen.

Atomtests

Alle sechs nordkoreanischen Atomtests wurden auf dem Gelände vorgenommen - der erste nach Geheimdienstangaben im Osttunnel, der zweite und dritte im Westtunnel und die übrigen drei im Nordtunnel. Die Stärke der Atomtests nahm immer weiter zu. Der erste im Jahr 2006 hatte eine Sprengkraft von einer Kilotonne und wurde international als Fehlschlag gewertet. Der am 3. September vergangenen Jahres abgehaltene sechste Test hatte dagegen eine Sprengkraft von 250 Kilotonnen - 16-mal mehr als die von den USA über Hiroshima abgeworfene Atombombe.

Sicherheitsbedenken

Die Nähe von Punggye Ri zur chinesischen Grenze sorgte in Peking für Beunruhigung. Während des jüngsten Atomtests im September bebte auf der anderen Seite der Grenze die Erde, zahlreiche Chinesen flohen in Panik ins Freie. Chinesische Wissenschaftler warnten vor einer Gefahr für die gesamte Region, sollte Radioaktivität aus der Anlage austreten.

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Leere Geste?

Kritiker werteten Nordkoreas Entscheidung zur Zerstörung des Testgeländes als Augenwischerei. Die Anlage sei nach sechs Atomtests ohnehin am Ende ihrer Nutzungsdauer gewesen, erklärten sie. Nach Ansicht des Experten Go Myong Hyun vom Asian-Institut für politische Studien hat Punggye Ri zudem seinen Zweck erfüllt und wird nicht mehr gebraucht: Der Norden habe bei seinen Tests bereits alle zum Bau von Atombomben notwendigen Daten gesammelt. Solange Nordkorea diese Daten nicht ebenfalls vernichte, sei die Zerstörung der Anlage bedeutungslos.

Sorge um erhöhte Radioaktivität

Nordkorea beteuert, seine Atomtests bedeuteten keine Gefahr für die Umwelt. Bei den Tests sei keine Radioaktivität ausgetreten. Berichten südkoreanischer und japanischer Medien zufolge leiden Bewohner der Region sowie Arbeiter der Anlage jedoch an den Folgen radioaktiver Verseuchung wie Krebserkrankungen, auch seien dort Babys mit Fehlbildungen zur Welt gekommen.

Das südkoreanische Wiedervereinigungsministerium ließ im vergangenen Jahr 30 aus der Region stammende nordkoreanische Überläufer auf eine mögliche radioaktive Belastung hin untersuchen. Vier von ihnen, die direkt aus dem Landkreis Kilju rund um Punggye Ri stammten, zeigten demnach Symptome. Ob ihre gesundheitlichen Probleme jedoch Folge der Atomtests sind, lässt sich nach Angaben der Wissenschaftler nicht eindeutig sagen.

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dho / AFP