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Sozialdemokrat Norwegens designierter Regierungschef: Jonas Gahr Støre – der Multimillionär der Arbeiterpartei

Der Vorsitzende der Arbeiterpartei, Jonas Gahr Støre, hält einen Strauß roter Rosen
Er wird aller Wahrscheinlichkeit nach neuer Ministerpräsident Norwegens: Jonas Gahr Støre  
© Heiko Junge/NTB via AP / DPA
Zwei Wochen vor der Bundestagswahl in Deutschland sprechen sich die Wählerinnen und Wähler in Norwegen für einen Regierungswechsel hin zu einem Mitte-links-Bündnis aus. Der nächste Ministerpräsident dürfte Jonas Gahr Støre werden. Wer ist der Mann?

Norwegen dürfte bald von einem Mitte-links-Bündnis regiert werden. Die seit acht Jahren in der Opposition sitzenden Sozialdemokraten setzten sich trotz leichter Stimmverluste bei der Parlamentswahl in dem skandinavischen Land klar durch, wie vorläufige Zahlen der Wahlbehörde zeigten. Parteichef Jonas Gahr Støre dürfte damit aller Voraussicht nach neuer Regierungschef und Nachfolger der konservativen Ministerpräsidentin Erna Solberg werden.

Doch wer ist der Mann, der höchstwahrscheinlich bald Norwegen regieren wird? 

Støre, der seit Mitte der 1990er-Jahre Mitglied der Arbeiterpartei ist, hat schon eine längere politische Karriere hinter sich. Von 2005 bis 2012 war er Außenminister unter dem damaligen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg. Von 2012 bis 2013 war er Gesundheitsminister. Seit 2009 sitzt er für die Arbeiterpartei im Storting, dem norwegischen Parlament. Von 2014 ist er auch Parteiführer der Sozialdemokraten.

Støre verlor 2017 Wahl gegen Erna Solberg

Bevor er ab 2001 reine Parteiposten übernahm, war Støre zunächst Forscher und dann Beamter. Während der Oppositionszeit der Arbeiterpartei von 2001 bis 2005 arbeitete Støre zudem als Vorstandsvorsitzender bei Econ Analyse und als Generalsekretär des Norwegischen Roten Kreuzes. 

Bereits 2017 wurden bei der Parlamentswahl große Erwartungen an ihn gesetzt, die Partei wieder in die Regierungsposition zu führen und nach Erna Solberg wieder das Amt des Ministerpräsidenten zu übernehmen. Doch das gelang ihm nicht. Für das überraschend schlechte Abschneiden übernahm Støre damals selbst einen Großteil der Verantwortung.

Aufgewachsen ist Støre am westlichen Rand von Oslo, einer wohlhabenden Gegend. Sein Vater Ulf Jonas Støre war Schiffsmakler. Sein Großvater hatte durch den Holz- und Heizungshersteller Jøtul, der in den 1970er-Jahren an Norcem verkauft wurde, für eine gute finanzielle Basis der Familie gesorgt.

"Reicher Intellektueller unter Arbeitern"

Jonas Gahr Støre schloss 1979 das Gymnasium in Berg ab und reiste nach seiner Zeit an der Hochschule der norwegischen Seestreitkräfte und einem Jahr als Leutnant bei der Marine 1981 nach Paris und studierte fünf Jahre am Institut d'Études Politiques. Von 1986 bis 1988 war er Forscher an der Harvard Law School in den USA und an der BI Norwegian School of Management. Schließlich wurde er 1989 Sonderberater der sozialdemokratischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland.

Trotz seiner schillernden Karriere hat Støre zwei Kontroversen auf seinem Konto: 2007 wurde er für die Anerkennung der Hamas-Regierung in den Palästinensischen Gebieten kritisiert; 2017 wurde bekannt, dass sechs Jahre zuvor Handwerker auf seinem Grundstück schwarzarbeiteten.

Støre wurde wegen seines Hintergrundes immer skeptisch beäugt. Er galt als reicher Intellektueller unter Arbeitern, als ein Studierter aus Paris. Sein Vermögen passte vielen nicht in das Bild eines Mitglieds der Arbeiterpartei. Laut einem Bericht der norwegischen Zeitung "VG" aus dem Jahr 2018 soll sich Støres Vermögen auf mindestens 85 Millionen norwegische Kronen belaufen – umgerechnet mehr als 8,3 Millionen Euro. Ein Großteil davon stammt aus dem Verkauf von der Firma Jøtul.

Trotz seiner Herkunft und der Skepsis, die ihm entgegengebracht wurde, ist er heute einer der beliebtesten Politiker der Arbeiterpartei – und der designierte Ministerpräsident Norwegens.

Quellen: Nachrichtenagentur DPA, "Store norske leksikon", "Norks biografisk leksikon", Stortinget, "VG", "Dagsavisen", Euronews

rw

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