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Obama zu Schwulenrechten: Wenn ein kleines Wort große Begeisterung hervorruft

Das Wort "schwul" hatte so noch kein US-Präsident benutzt. Barack Obama tat es bei seiner Vereidigungsrede und löste weltweit Begeisterung aus. Konservativen Geistern stößt sein Linkskurs dagegen auf.

Von Niels Kruse

Historisch an der Präsidentschaft Barack Obamas ist so einiges: Er ist zum Beispiel das erste schwarze Staatsoberhaupt. Und nach dem Krieg erst der zweite Demokrat mit zwei Amtszeiten. Und der erste, dessen Amtseinführung live im kubanischen TV zu sehen war. Nun ist er auch der erste Präsident, der das Wort "schwul" in seiner Vereidigungsrede benutzt hat. "Unsere Reise wird nicht vollendet sein, bis unsere homosexuellen Brüder und Schwestern rechtlich wie alle anderen behandelt werden", sagte er wörtlich und löste damit einen Begeisterungssturm bei Homosexuellenaktivisten aus.

"Barack Obama hat heute Geschichte geschrieben", sagte Chad Griffin von der Bürgerrechtsorganisation Human Rights Campaign. Selbst im eher konservativen Australien erhoffen sich Schwule und Lesben nun eine Wende in Sachen Homoehe, wie eine Gleichstellungsorganisation erklärte. Und Homosexuellen-Lobbyistin Rea Carey jubelte: "Die nächsten vier Jahre sind voller Versprechen für weiteren Fortschritt, um sicherzustellen, dass Homosexuelle voll anerkannt werden."

Homosexualität immer noch ein heikeles Thema

Obama stellte in seiner Rede das Streben von Schwulen und Lesben nach gesellschaftlicher Anerkennung in einer historischen Linie mit der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung und dem Kampf um die Gleichstellung der Frau. Die Rechte von Homosexuellen gehören zu den heikelsten gesellschaftlichen Themen in den USA. In 9 Staaten sowie in Washington DC ist die Homoehe erlaubt, in 31 verboten, die restlichen Länder haben keine Regelung. Für Kalifornien etwa muss das höchste US-Gericht noch darüber befinden. Bei einem Referendum im Jahr 2008 hatte sich eine Mehrheit gegen die die Gleichberechtigung ausgesprochen, wogegen wiederum geklagt wurde.

Das wiedergewählte Staatsoberhaupt hat sich in seiner Ansprache ungewöhnlich forsch gegeben und entgegen der sonstigen Gepflogenheiten eine relativ klare Agenda formuliert: Klimaschutz, liberale Einwanderungspolitik, Kampf gegen Waffengewalt sind nur drei Stichworte. Nicht jeder US-Kommentator empfand seine Worte historisch, aber die meisten sind sich einig: Der 44. Präsident ist nach links gerückt. Und versucht erst gar nicht mehr auf die ultrarechten Republikaner zuzugehen.

Seine Kritiker sind reaktionäre Extremisten

"Zwischen den Zeilen sagt Obama nichts anderes als: 'Meine Kritiker sind reaktionäre Extremisten'", schreibt zum Beispiel Michael Grunwald, Kolumnist beim "Time". Gleichzeitig aber fragt er sich, was so staatsmännisch und visionär an seinen Äußerungen gewesen sei, schließlich habe er im Grunde genommen nur Selbstverständlichkeiten angesprochen. Die sich selbst als konservativ bezeichnende Autorin der "Washington Post", Jennifer Rubin, schreibt: "Diejenigen Linken, die gedacht haben, Obama würde sich in seiner zweiten Amtszeit zur Mitte bewegen, haben sich getäuscht. Im Gegenteil: Er ist weiter nach links gerückt. Vermutlich war es geschickt von ihm, diese, seine wahre Intention im Wahlkampf zu verbergen."

Charles Krauthammer, ein bekannter politischer Beobachter, bejubelte die Rede genau deswegen als historisch: "Obama stärkt nach Jahrzehnten wieder die Bundesregierung und beendet damit den 'Reaganismus', den selbst Bill Clinton nicht beseitigen konnte."

mit DPA
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