HOME

Offensive: Vormarsch mit Rückschlägen

Die von den USA angeführten Truppen sind bei ihrem Vormarsch in Richtung Bagdad auf hartnäckigen Widerstand der irakischen Armee gestoßen.


Die amerikanischen Truppen kommen bei ihrem Vormarsch auf Bagdad wegen der unerwartet heftigen Gegenwehr der Iraker langsamer voran als erwartet. Zusätzlich behinderten Sandstürme den Vormarsch, berichtete der britische Sender BBC. Die irakische Hauptstadt Bagdad und Ziele im Norden des Landes werden von den Invasionstruppen weiterhin aus der Luft bombardiert. Aus dem Südirak wurden erneut heftige Kämpfe gemeldet.

Gefechte bei Kerbela

«Die US-Marineinfanteristen hatten damit gerechnet, zu dieser Zeit schon viel näher an Bagdad zu sein», berichtete ein BBC-Korrespondent, der die vorrückenden Verbände begleitet. «Die (US-) Kommandeure haben eine so starke Gegenwehr zu einem so frühen Zeitpunkt nicht erwartet», sagte der Reporter. Am Montag, dem fünften Tag des Krieges, wurden Gefechte aus der Gegend um Kerbela - etwa 80 Kilometer südlich von Bagdad - gemeldet.

General Franks sieht Fortschritte

Der Oberkommandierende des Irak-Krieges, General Tommy Franks, sieht weiter große Fortschritte, rechnet aber auch mit anhaltendem Widerstand. Die Bodentruppen kämen schnell voran und hätten dabei auch bewusst Stellungen der Iraker umgangen, erklärte Franks in Katar auf einer Pressekonferenz des zuständigen Zentralkommandos in Katar.

Tote und Verletzte auf beiden Seiten

Bei den alliierten Luftangriffen wurden nach Angaben der Führung in Bagdad binnen 24 Stunden 62 Menschen getötet und mehr als 400 irakische Zivilisten verletzt. Nach britischer Darstellung wurden bisher 14 britische Soldaten bei Unfällen und zwei durch versehentlichen US-Beschuss getötet, 2 würden vermisst. Auf Seiten der USA fielen nach Medienberichten zwölf Soldaten, sechs seien bei Unfällen gestorben, einer bei dem Granatenanschlag eines Kameraden, zwölf würden vermisst.

Im Norden des Landes gab es Medienberichten zufolge Luftangriffe auf Mosul sowie auf Stellungen der irakischen Armee nördlich von Kirkuk. Wie der Korrespondent des Fernsehsenders El Dschasira aus dem nahe gelegenen Dschamdschamal berichtete, galten die Angriffe den Stellungen an der Grenze zum halbautonomen Kurdengebiet. Kurdische Beobachter hielten es für möglich, dass die Angriffe dazu dienen könnten, die Eröffnung einer neuen Front im Norden vorzubereiten.

Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon sagte, der Vormarsch nach Norden verlaufe schnell. «Der Südirak ist im Wesentlichen unter der Kontrolle der alliierten Streitkräfte.» Es gebe aber noch «Widerstandsnester» von Leuten, die «nichts zu verlieren» hätten.

Heftige Kämpfe in Basra

Beobachter sprachen von heftigen Kämpfen in der Gegend der südirakischen Stadt Basra. Ein Sprecher der britischen Verbände sagte der BBC, irakische Truppen hätten sich ins Zentrum der umzingelten Stadt zurückgezogen. Bei den Bombardements wurde offenbar auch die Infrastruktur der zweitgrößten irakischen Stadt beschädigt. Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz sind in Basra rund zwei Millionen Menschen seit zwei Tagen von der Wasserversorgung abgeschnitten, weil wichtige Stromleitungen zerstört wurden.

In der Umgebung von Nasirija wurden US-Soldaten nach CNN-Angaben am Montag mit schwerem Mörserfeuer angegriffen. US-Marines hatten dort am Sonntagabend versucht, eine Pontonbrücke über den Saddam- Kanal im Handstreich zu nehmen, mussten den Versuch aber trotz Luftunterstützung durch Kampfflugzeuge und Hubschrauber nach heftiger Gegenwehr der Iraker ohne Verluste abbrechen.