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Zitate vom Al-Kaida-Chef: Was Osama bin Laden über Deutschland dachte

Osama bin Laden wollte mit Deutschen nicht über den Nahen Osten sprechen, machte sich aber Gedanken über Wolfgang Schäuble und die deutsche Auto-Industrie. Das zeigen Funde aus seinem Versteck.

Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden (undatiertes Archivfoto) wurde am 2. Mai 2011 von US-Spezialkräften erschossen

Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden (undatiertes Archivfoto) wurde am 2. Mai 2011 von US-Spezialkräften erschossen

Unter den Dokumenten aus dem Versteck von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden in Pakistan, die von den USA bei dessen Tötung vor vier Jahren gefunden und nun veröffentlicht wurden, finden sich auch Texte mit Bezug zu Deutschland. Wer sie verfasste und an wen sie gerichtet waren, ist nicht bekannt. Ebenso ist unklar, in welcher Sprache die auf Englisch vorliegenden Papiere im Original verfasst wurden. Sie enthalten Angaben zu Details aus Politik und Wirtschaft in Deutschland. Einige Auszüge:

  • Über Wolfgang Schäuble
    "Nach der Veröffentlichung der beleidigenden Karikaturen des Propheten Mohammed in Dänemark rief der deutsche Innenminister (Wolfgang Schäuble (CDU) im Jahr 2008) alle europäischen Zeitungen zu deren Nachdruck auf. Dies hat Gewicht, weil (...) er der Innenminister des Landes mit dem größten Verlag in Europa, dem Axel-Springer-Verlag, ist."
  • Über das Tabuthema Nahost
    "Vermeiden Sie es, mit Deutschen über die Juden und Palästina zu reden. Dies ist in Deutschland ein sehr sensibles Thema und wird unserem Ziel abträglich sein. Ich glaube, wenn wir angeben, dass wir an Deutschlands Seite stehen und nur im Sinn haben, sie aus Afghanistan herauszubekommen, werden sie unsere Position verstehen, so Gott will."
  • Über die deutsche Auto-Industrie
    "Ein Boykott der deutschen Autoindustrie schadet dieser selbst und weiteren Firmen wie etwa BASF, dem weltgrößten Chemiekonzern, oder dem Stahlsektor, die beide wichtige Branchen in Deutschland sind. Ein Boykott der deutschen Autoindustrie wird zum Verlust von Arbeitsplätzen, sinkenden Steuern und anderen Schäden führen. (...) Ein Donimoeffekt."
  • Über die deutsche Wirtschaft
    "Im Jahr 2008 exportierte Deutschland Waren im Wert von 955 Milliarden Euro. (...) 40 Prozent der Wirtschaft und ein Drittel der Beschäftigung sind exportabhängig. Die Autoindustrie ist die wichtigste Sparte und stand im Jahr 2008 für 17 Prozent aller Exporte. Deutschland gilt als wirtschaftlicher Motor Europas."
  • Über die Krise der deutschen Wirtschaft
    "Deutschland hat unter der Wirtschaftskrise gelitten, die Verkäufe im Ausland sind zurückgegangen. Sie hoffen auf Kompensation im arabischen Markt und konzentrieren sich auf einige Länder, die große Summen investieren wollen - wie Algerien mit 150 Milliarden Dollar bis zum Jahr 2014, Saudi-Arabien mit 100 Milliarden Dollar und auch Libyen."

tkr/AFP / AFP