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Neues Datenleck: Paradise Papers: Wie Politiker und Konzerne Steueroasen nutzen

Ein Jahr lang wurden die Paradise Papers von verschiedenen deutschen Journalisten in Zusammenarbeit mit Washington geprüft, bevor sie nun veröffentlicht wurden. Der Inhalt drückt mehreren großen Unternehmen und Politikern kräftig aufs Image.

Paradise Papers zeigen Nutzung von Steueroasen durch Politker und Konzerne: US-Politiker Wilbur Ross

Die kürzlich veröffentlichten Paradise Papers zeigen die Nutzung von Steueroasen durch Konzerne und Politiker. Darunter auch der US-Handelsminister Wilbur Ross.

Ein Jahr nach den Panama Papers folgen nun die Paradise Papers: Über ein neues Datenleck sind der "Süddeutschen Zeitung" 13,4 Millionen Dokumente aus Steuerparadiesen zugespielt worden, die nach Angaben von "SZ", NDR und WDR Politiker und Konzerne sowie Prominente und Superreiche in Erklärungsnot bringen. Wie die "Süddeutsche Zeitung" am Sonntagabend berichtete, tauchen in den Dokumenten unter anderem die Namen von mehr als 120 Politikern aus fast 50 Ländern auf.

Der "SZ" zufolge sind auch die Namen von 14 Beratern, Spendern und Kabinettsmitgliedern von US-Präsident Donald Trump darunter. So sei US-Handelsminister Wilbur Ross über verschiedene Fonds auf den Kaimaninseln an einer Reederei beteiligt, die wiederum einen russischen Energiekonzern zu ihren größten Kunden zählt. Diese Verbindung von Ross zu Russland könne einen Interessenkonflikt darstellen, schreibt die "SZ". Sie sei dem US-Senat offenbar nicht bekannt gewesen, als dieser Ross Anfang 2017 für das Ministeramt bestätigt habe.

Nike drückt seine Steuern beträchtlich

Die kompliziertesten Vorgänge betreffen laut "SZ" oft die Steuerkonstruktionen multinationaler Konzerne. So gelinge es dem US-Sportartikelhersteller Nike, durch Offshore-Firmen und mithilfe der auf den Bermudas gegründeten Anwaltskanzlei Appleby seine weltweite Steuerquote auf 13,2 Prozent zu drücken. Zu den Kunden der Kanzlei gehörten demnach auch der Taxi-Konkurrent Uber, der Internet-Riese Facebook und der Haushaltsgerätehersteller Whirlpool.

Die neuen Dokumente enthüllen dem Bericht zufolge auch, nach welchen Kriterien der Computergigant Apple eine neue Steueroase für seine Geschäfte suchte: Es sollte ein Land sein, das wenig Transparenz und Steuern verlangt und in dem offenkundig keine Opposition diese Großzügigkeit gegenüber dem iPhone-Hersteller rückgängig machen könnte, wenn sie an die Regierung käme.

Paradise Papers stammen aus 21 Quellen

Die Paradise Papers bestehen laut "SZ" aus Daten, die sich aus 21 unterschiedlichen Quellen speisen. Zum einen seien der "SZ" vertrauliche Dokumente der Anwaltskanzlei Appleby und der kleineren Treuhandfirma Asiaciti Trust mit Hauptsitz in Singapur zugespielt. Zum anderen habe sie die internen Daten der Firmenregister von 19 Steueroasen erhalten wie etwa den Bermudas, den Cookinseln oder Malta.

Diese Daten teilte die Zeitung mit dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) in Washington D.C., und wie schon bei den Panama Papers wertete ein internationales Team von fast 400 Reportern rund ein Jahr lang die Dokumente aus. In Deutschland arbeiteten Journalisten der "SZ", des NDR und des WDR ein Jahr lang an den Paradise Papers.

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sve / AFP