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Patriotismus: Socken für die Front

Mit gelben Schleifen und Hilfspaketen zeigen die Amerikaner ihre Solidarität mit den Soldaten. Dem Pentagon ist das Engagement ein wenig unheimlich.

Seit die staubverschmierten Soldatengesichter über die amerikanischen Bildschirme flimmern, gibt es für viele Amerikaner kein Halten mehr. Mit dem Aufruf "Helft den Soldaten!" fordert die "Operation Schuhkarton" die Bevölkerung dazu auf, die kämpfenden Landsleute mit Trostpaketen zu versorgen. Die amerikanische Post befördert inzwischen mehr als 300 Tonnen pro Woche nach Kuwait. In den USA hat der Patriotismus Hochkonjunktur. Millionen gelber Schleifen flattern im Wind.

Flohhalsband im Care-Paket

Die "Operation Schuhkarton" hat auf ihrer Webseite eine lange Liste mit Sachen, die an der Front am meisten fehlen: Zahnpasta, Wattebäuschchen, Zahnseide, Augentropfen, wattierte Socken und Fliegenklatschen schlagen sie unter anderem vor. Und Floh-Halsbänder. "Die haben eine Menge Probleme mit Sandflöhen", sagt Jean East. Sie organisiert in Louisiana Pakete für die Front.

Ellen Harpin aus Orlando strickt: Socken, Stirnbänder und Mützen hat sie im Repertoire - und mehr als 700 Freiwillige, die mitstricken. Harpin hat in den vergangenen zwei Jahren mehr als 38 000 Stricksachen an Soldaten in Übersee geschickt.

Das Pentagon ist überwältigt. Es versucht, die Hilfsbereitschaft in andere Kanäle zu lenken. "Wir wollen niemand davon abhalten, seinen Lieben etwas zu schicken", sagt Pentagon-Sprecher Donald Sewell. "Aber das System wird lahm gelegt. Am Ende kommt überhaupt nichts mehr richtig an." So könnten etwa Telefonkarten spendiert oder E-Mail-Grüße an die Soldaten geschickt werden. Die Familien zu Hause könnten auch finanzielle Unterstützung brauchen und in Veteranen-Krankenhäusern seien Freiwillige immer gesucht.

Symbolik aus dem Bürgerkrieg

Gelbe Schleifen zieren inzwischen in tausenden Ortschaften Bäume und Straßenbeleuchtungen. Der Stadtrat von Park City in Utah forderte die Einwohner auf, "den Männern und Frauen im Militär mit gelben Schleifen an jedem Baum Respekt, Unterstützung, Bewunderung und Dankbarkeit zu zeigen". In Mishawaka in Indiana sind die Bänder ausverkauft. "Wir können kaum nachkommen", sagt Mike Thompson, der einen Laden für Hobbymaterial betreibt. Zuletzt bestellte er fünfmal so viel Band wie sonst und stand am nächsten Tag wieder vor leeren Regalen.

Die Tradition geht auf den Bürgerkrieg zurück und ist in Kriegszeiten immer wieder belebt worden. Zuletzt im Golfkrieg vor zwölf Jahren, und davor nach der Geiselnahme der US-Diplomaten in Teheran 1979. Der Song "Tie a yellow Ribbon Round the Ole oak Tree" (Binde eine gelbe Schleife um die alte Eiche) von Tony Orlando war 1973 ein Riesenhit.

Nationalstolz zum Bestellen

Auch Angehörige von gefallenen Soldaten zeigen sich patriotisch. "Das gehört eben zum Krieg", sagt Garry Fribley, dessen Sohn David (26) am Persischen Golf ums Leben kam. "Wir müssen endlich stärker zur Sache gehen." Auch bei den Kirchen, die scharf gegen den Krieg protestiert hatten, stehen die Truppen jetzt im Vordergrund. "Ob man dafür oder dagegen ist, unsere Verpflichtung ist es jetzt, für die zu beten, die stationiert sind", mahnte ein Pfarrer in Albuquerque.

An vielen Revers tauchen neue Anstecknadeln auf. "Unterstützt die Truppen" oder "Frieden hat seinen Preis" steht darauf, unter dem Bild eines kampfbereiten Soldaten oder eines stolzen Adlers. Sie sind für jeweils vier Dollar zu bestellen. Ein B 2-Bomber über der Karte der USA im Flaggendesign ist für 4,50 Dollar zu haben. Eine Firma, die kleine Kristallfiguren und -autos für Sammler herstellt, hat seit neuestem einen Bären mit Stahlhelm und Maschinengewehr im Angebot. "Ein Tribut an alle, die unserer Nation dienen" preist das Unternehmen das Sammlerstück für 19,95 Dollar an.