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Wer ist wer in der Russland-Affäre Paul Manafort - Diktatoren-Versteher und Trump-Wahlkampfchef

Paul Manafort
Paul Manafort
© Mandel Ngan / AFP
Der Prozess gegen Paul Manafort ist eigentlich nur Beifang der Ermittlungen in der Russland-Affäre. Zwar war er einst Wahlkampfchef von Donald Trump, doch vor Gericht steht er wegen anderer, dubioser Unternehmungen.

Zu Beginn des Prozesses war das Lachen: Da präsentierte die Staatsanwaltschaft dem Gericht eine 15.000 Dollar teure Jacke aus Vogel-Strauß-Leder. Das extravagante Kleidungsstück sollte einen Einblick in den luxuriösen Lebensstil des Angeklagten geben, den er sich durch seine Arbeit für russlandfreundliche Politiker finanziert habe. Vor Gericht in Alexandria nahe Washington steht Donald Trumps Ex-Wahlkampfmanager zwar wegen der Ermittlungen in der Russland-Affäre, angeklagt aber ist Paul Manafort wegen Steuer- und Bankbetrugs. Der Prozess gegen ihn ist sozusagen ein Beifang von US-Sonderermittler Robert Mueller – und es ist nicht auszuschließen, dass in dem Verfahren weitere Details über mögliche Absprachen bekannt werden.

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Ebenfalls angeklagt ist Rick Gates, ein ehemaliger Berater Trumps und Geschäftspartner Manaforts. Gegen Strafnachlass hat er bereits die Zusammenarbeit mit den Behörden angekündigt und belastet Manafort schwer: So räumte Gates ein, Manafort dabei geholfen zu haben, falsche Steuererklärungen einzureichen und die Existenz von 15 ausländischen Bankkonten geheimzuhalten. Die Geheimhaltung sei auf eine Anweisung Manaforts erfolgt. Er selbst habe zudem tausende Dollar von Manafort in den Jahren ihrer Zusammenarbeit gestohlen, sagte Gates. Die beiden sollen die Bundessteuerbehörde betrogen und amerikanische Banken belogen haben, um Kredite von rund 20 Millionen Dollar (16 Millionen Euro) zu bekommen.

Wer ist Paul Manafort?

Der 69-Jährige gehört zu den besonders dubiosen Figuren der internationalen Lobbyisten-Szene. Er arbeitete über Jahrzehnte für Diktatoren und Autokraten: darunter Ferdinand Marcos (Philippinen), Ibrahim Babangida (Nigeria), Siad Barre (Somalia). Dem russlandfreundlichen Viktor Janukowitsch, bis 2014 Präsident der Ukraine, verhalf er ins Amt. 12,7 Millionen Dollar soll er nach Angaben der Anti-Korruptionsbehörde in Kiew für diese und andere Dienstleistungen erhalten haben. Im März 2016 holte Trump Manafort in sein Wahlkampfteam, doch schon im August musste er wieder gehen. Hintergrund waren die finanziellen Verstrickungen in der Ukraine.

Welche Rolle spielt Manafort in der Russland-Affäre?

Schon während des Wahlkampfes sorgten seine möglichen Verbindungen nach Russland für Aufmerksamkeit. In den Fokus rückten später auch seine Beziehungen zu dem russischen Oligarchen Oleg Deripaska, der Verbindungen zum Kreml hat. Gerichtsunterlagen zufolge lieh er Manafort zehn Millionen US-Dollar. Unklar ist auch seine Rolle bei einem Treffen mit einer russischen Anwältin im Trump-Tower im Juni 2016. Diesem hatte Trumps ältester Sohn Donald Junior zugestimmt, nachdem ihm "Schmutz" über die Konkurrentin seines Vaters, Hillary Clinton, angeboten worden war. Trump senior hatte eingeräumt, dass der Termin das Ziel hatte "Informationen über den politischen Gegner" zu beschaffen.

Kann Manafort Donald Trump gefährlich werden?

Das ist noch nicht absehbar. Er war mehrere Monate lang Teil des Wahlkampfteams des Republikaners. Die Annahme ist plausibel, dass er Insider-Kenntnisse hat, die das Trump-Lager lieber nicht an die große Glocke gehängt sehen würde. Trump hat sich von seinem früheren Berater distanziert. Der Präsident argumentiert, dass die Vorwürfe aus einer Zeit stammten, als Manafort noch nicht Teil seines Teams war. Außerdem habe er nur sehr kurz für ihn gearbeitet. 

nik/DPA

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