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Polen: Polen stimmen über EU-Beitritt ab

In Polen hat am Samstag das Referendum über den geplanten Beitritt zur Europäischen Union begonnen. Ministerpräsident Leszek Miller warb am Vormittag erneut um die Zustimmung der Bevölkerung.

In Polen hat am Samstag das Referendum über den geplanten Beitritt zur Europäischen Union begonnen. Ministerpräsident Leszek Miller warb am Vormittag erneut um die Zustimmung der Bevölkerung. "Dies ist einer der bedeutendsten Tage in der Geschichte Polens", sagte Miller, als er in Warschau seine Stimme abgab. Das Referendum dauert noch bis Sonntag an, die Wahllokale sollten insgesamt 28 Stunden lang offen stehen.

Die jüngsten Meinungsumfragen sagen eine hohe Zustimmung zum EU-Beitritt voraus. Demnach wollten etwa 70 Prozent der Stimmberechtigten zur Wahl gehen und rund drei Viertel von ihnen mit Ja stimmen. Für die Gültigkeit des Referendums ist eine Mindestbeteiligung von 50 Prozent erforderlich. Vor allem diese Hürde fürchten viele Politiker, nachdem die Beteiligung bei der letzten Parlamentswahl unter 50 Prozent lag. In einer wochenlangen Kampagne mit Schauspielern und anderen Prominenten versuchte die Regierung, die Bevölkerung für die Abstimmung zu mobilisieren.

Bei seinem Polen-Besuch am Mittwoch hatte auch Bundeskanzler Gerhard Schröder noch einmal um ein klares Ja zur EU geworben. Polen brauche Europa, und Europa brauche Polen, sagte er in Lodz. Auch Papst Johannes Paul II. sprach sich für einen EU-Beitritt seines Heimatlandes aus, den er als "Akt historischer Gerechtigkeit" bezeichnete.

Während die meisten polnischen Parteien den Anschluss an die Europäische Union als Chance für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Landes betrachten, sind vor allem die Vertreter der Bauern und der ultrakonservativen Katholiken dagegen. Viele Kleinbauern fürchten, dem Wettbewerb westlicher Großproduzenten nicht Stand halten zu können.

Polen ist mit 38 Millionen Einwohnern der größte der zehn Staaten, die im Mai kommenden Jahres in die Europäische Union aufgenommen werden sollen. In fünf Ländern - Malta, Slowenien, Slowakei, Ungarn und Litauen - stimmte die Bevölkerung in Referenden bereits zu. In Tschechien soll am 13. und 14. Juni abgestimmt werden. Weitere Beitrittskandidaten sind Estland, Lettland und Zypern.

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