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Myanmar Polizisten erschießen kleines Mädchen, das bei seinem Vater Schutz sucht

In Myanmar stehen Zettel auf der Straße als Zeichen des Protests
Die Demonstranten in Myanmar sind kreativ und setzen der Gewalt des Militärs auch Aktionen wie diese entgegen: Auf einer Straße in Yangon sind Zettel als Zeichen des Protests aufgestellt.
© ANONYMOUS / AFP
Bei den Unruhen in Myanmar ist ein kleines Kind zu Tode gekommen, die Siebenjährige soll das jüngste Todesopfer der Unruhen sein. Die Berichte über die Umstände schockieren die Bevölkerung.

Die internationale Presse berichtet aus Myanmar über das vermutlich jüngste Todesopfer der dortigen Unruhen: Ein siebenjähriges Mädchen sei am Dienstag in der Stadt Mandalay im Norden des Landes im elterlichen Haus von Polizisten erschossen worden, berichten übereinstimmend unter anderem die BBC und CNN. Der tödliche Schuss wurde demzufolge abgegeben, als die Polizei im Kampf gegen die Proteste in dem asiatischen Land in das Haus der Familie eindrang.

Die Polizei habe die Tür des Hauses im Stadtteil Chanmyathazi eingetreten, heißt es in der Presse. Soldaten hätten den Vater gefragt, ob alle Familienmitglieder zu Hause seien. Als der Vater dies bejaht habe, hätten sie ihn der Lüge bezichtigt und auf ihn geschossen. Dabei sei nicht der Mann, sondern seine kleine Tochter getroffen worden, das Kind habe einen Bauchschuss erlitten. Laut BBC lief das Mädchen in dem fatalen Augenblick in die Arme ihres Vaters und wurde dabei erschossen. CNN meldet, das Kind habe auf dem Schoß ihres Vaters gesessen und sei dann von der tödlichen Kugel getroffen worden. Die Medien berufen sich auf Aussagen der Familie.

Myanmar, das früheren Birma, wird seit sieben Wochen von einer Welle der Gewalt erschüttert. Anfang Februar hatte das Militär gegen die faktische Regierungschefin Aung San Suu Kyi geputscht. Die 75-Jährige sitzt im Hausarrest und wird von der Justiz verschiedener Vergehen beschuldigt. Seither finden überall im Land Proteste statt. Die Demonstranten fordern eine Wiedereinsetzung von Suu Kyis ziviler Regierung, Militär und Polizei gehen gewaltsam gegen die Protestierenden vor.

Die Gefangenenhilfsorganisation AAPP schätzt, dass mittlerweile fast 2700 Menschen seit dem Putsch verhaftet wurden. Am Mittwoch verbreitete das staatliche Fernsehen die Nachricht von der Freilassung von mehr als 600 Demonstranten, überwiegend Studenten.

Myanmar: Mindestens 23 Kinder getötet

Mehr als 275 Menschen seien durch die Militärgewalt getötet worden, schätzt AAPP. Das Militär selbst beziffert die Zahl der Todesopfer auf 164. Das Kinderhilfswerk Unicef schätzt, dass seit dem Putsch mindestens 23 Kinder getötet und elf weitere schwer verletzt wurden.

Die Hilfsorganisation Save the Children warf den Sicherheitskräften des Landes vor, menschliches Leben vollkommen zu missachten. "Wir sind entsetzt, dass weitere Kinder das Ziel der Angriffe auf friedliche Demonstranten sind", wurde ein Statement der Organisation in Berichten über die blutigen Unruhen zitiert. Der Tod der Kinder sei sehr besorgniserregend – zumal, wenn sie zu Hause getötet wurden, wo sie in Sicherheit sein sollten.

Als Reaktion auf die Gewalt fand am Mittwoch ein "lautloser Streik“ in Myanmar statt. Viele Läden blieben geschlossen, auf den Straßen auch großer Städte waren kaum Menschen.

Quellen: BBC, CNN


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