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Präsidentenwechsel in Tunesien: Ghannouchi gibt auf, Essebsi übernimmt

Seit Freitag hat es in Tunesien wieder blutige Krawalle gegeben. Nun hat Ministerpräsident Mohammed Ghannouchi die Konsequenzen gezogen und ist zurückgetreten. Sein Nachfolger wird Béji Caïd Essebsi.

Nach dem Rücktritt des tunesischen Übergangsregierungschefs Mohammed Ghannouchi ist Béji Caïd Essebsi zu seinem Nachfolger ernannt worden. Diese Entscheidung gab die Präsidentschaft am Sonntag in der Hauptstadt Tunis bekannt. Essebsi hatte in der Vergangenheit bereits einen Ministerposten inne. Ghannouchi hatte zuvor die Konsequenzen aus den anhaltenden Protesten gegen seine Übergangsregierung gezogen.

Ghannouchi hatte schon unter dem am 14. Januar gestürzten langjährigen Staatschef Zine El Abidine Ben Ali als Regierungschef gedient und danach den Vorsitz der Übergangsregierung übernommen. Die einflussreiche Gewerkschaft UGTT hatte stets signalisiert, dass sie ihn nicht unterstützen, aber immerhin tolerieren würde.

Seit Freitag hatten tausende Menschen gegen die Übergangsregierung demonstriert, wobei es zu Straßenschlachten mit der Polizei kam. Mindestens drei Menschen wurden dabei getötet, es gab rund 200 Verletzte. Die von Ghannouchi angekündigten Reformen gehen den zumeist jungen Demonstranten nicht weit genug. Der Aufstand gegen die autoritären Führungen in der arabischen Welt hatte in Tunesien begonnen.

Am Sonntag flammten die schweren Straßenkämpfe in Tunis wieder auf. Zahlreiche Jugendliche versuchten nach Augenzeugenberichten in Richtung auf das Innenministerium zu marschieren. Sie warfen Fensterscheiben ein, errichteten Barrikaden und bombardierten Polizisten mit Steinen. Die Sicherheitskräfte reagierten mit Tränengas und Warnschüssen.

mlr/APF/DPA / DPA