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Präsidentschaftswahl in Kenia: Technische Probleme verzögern Endergebnis

Vize-Premier Kenyatta liegt bei den Wahlen in Kenia weiter vorn, doch die Auszählung aller Stimmen verzögert sich. Er selbst wirft Großbritannien vor, die Wahlkommission zu beeinflussen.

Technische Pannen haben am Mittwoch die weitere Auszählung der Präsidenten- und Parlamentswahl in Kenia verzögert. Statt einer Auswertung der Stimmen in den verschiedenen Wahlbezirken beschloss die nationale Wahlkommission für verschiedene Regionen den Transport der Stimmzettel in die Hauptstadt Nairobi.

Nach der Auswertung von etwa 40 Prozent der Stimmen zeichnet sich ein Sieg des umstrittenen Politikers Uhuru Kenyattas ab: Der Vize-Premier und Sohn des Staatsgründers Jomo Kenyatta würde demnach auf 53 Prozent der Stimmen kommen, sein schärfster Kontrahent, Regierungschef Raila Odinga, bekäme nur 42 Prozent. Vor der Abstimmung hatten Experten mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen gerechnet.

Ein vorläufiges amtliches Endergebnis wurde noch für den Mittwoch erwartet. Sollte ein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommen, würde sich die ansonsten vorgeschriebene Stichwahl für das Präsidentenamt im April erübrigen.

Ein möglicher Erfolg Kenyattas wird international kritisch gesehen, da der reiche Politiker vom Weltstrafgericht in Den Haag angeklagt ist. Er soll nach den Wahlen 2007 einer der Drahtzieher der schweren Gewaltausbrüche mit 1200 Toten und vielen Vertriebenen.

Kenyatta beschwert sich über Großbritannien

Unterdessen meldete sich Kenyatta selbst zu Wort und warf der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien vor, sich in die Wahlen einzumischen. Die "Jubilee"-Koalition des umstrittenen Politikers warf am Mittwoch dem britischen Hochkommissar in Kenia, Christian Turner, eine "undurchsichtige, verdächtige und ziemlich lebhafte Einmischung" in die Abstimmung vor.

Die Partei beschuldigte Turner, die Wahlkommission beeinflussen zu wollen und diese zu drängen, rund 300.000 ungültige Stimmzettel in die Gesamtzahl der ausgewerteten Wahlzettel miteinzubeziehen. Dies würde es dem in Führung liegenden Kenyatta erschweren, im ersten Wahlgang die 50-Prozent-Hürde zu knacken. Dann wäre eine Stichwahl nötig.

Turner bezeichnete die Vorwürfe auf Twitter als "nicht hilfreich und falsch". Es sei nicht wahr, dass Großbritannien eine Meinung dazu vertrete, wie mit den ungültigen Stimmzetteln umzugehen sei.

kave/DPA / DPA