PRESSESCHAU 14.03.: MKS-Virus erreicht Festland


Die Kommentare in den ausländischen Printmedien befassen sich mit der Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche auf das europäische Festland und mit der anhaltenden Hektik an den Aktienbörsen.

»Aftenposten«: Risiken von der Landwirtschaft unterschätzt

Die konservative norwegische Tageszeitung »Aftenposten« (Oslo) meint am Mittwoch zum Übergreifen der Maul- und Klauenseuche auf das europäische Festland in Frankreich: »Der Import und alle Fracht von Lebendem über Landesgrenzen hätten schon längst auf ein absolutes Minimum beschränkt werden müssen, auch wenn man dadurch ein eingespieltes Handelssystem außer Kraft gesetzt hätte. Das Gesundheitsrisiko wurde von einer Landwirtschaft unterschätzt, in der Rentabilität, Effektivität und stabile Preise über so viele Jahre die zentralen Begriffe gewesen sind. Es geht nicht an, dass lebende Tiere über lange Strecken zusammengepfercht werden, nur um ein bisschen Geld beim Schlachten zu sparen. Der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Großbritannien und nun auch anderen Ländern zeigt, dass sich die Ausbreitung auf ein größeres Gebiet durch Ansteckung eben gerade wegen der Produktion in größeren Einheiten und mit mehr Transport schneller vollzieht als früher. Ein Lichtblick beim Ausbruch von Tierkrankheiten wie BSE oder Maul- und Klauenseuche besteht darin, dass Normalverbraucher wie Behörden umdenken. Jetzt muss alles getan werden, damit diese Erfahrung nicht zu teuer erkauft wird.«

»La Repubblica«: In die Knie gezwungen

Zur Gefahr der Maul- und Klauenseuche für Europa meint die italienische Zeitung »La Repubblica« (Rom) am Mittwoch: »Das, was nicht passieren sollte, ist geschehen. Das Virus hat den Ärmelkanal überquert und das Festland erreicht. In Frankreich sicher einen Rinderbestand, in Italien fast sicher 392 Schafe in den Abruzzen. Sofort haben die Vereinigten Staaten, seit 80 Jahren immun, die Einfuhr von Fleisch aus ganz Europa verboten und damit etwas ausgelöst, was ganz nach einem neuen Handelskrieg aussieht. Die Maul- und Klauenseuche droht nun wirklich die Landwirtschaft des alten Kontinents in die Knie zu zwingen. ... Die Seuche ist zwar nicht gefährlich für den Menschen, das Fleisch kann ohne Gefahren gegessen werden. Es wird also auch Osterlamm geben, vorausgesetzt, die Menschen haben darauf überhaupt noch Lust.«

»La Croix«: Landwirtschaftsminister hat rasch auf Seuche reagiert

Die katholische Tageszeitung »La Croix« (Paris) schreibt am Mittwoch über den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Frankreich: »Landwirtschaftsminister Jean Glavany hat nach der Bekanntgabe der Seuche in Großbritannien am 20. Februar rasch reagiert und Gegenmaßnahmen ergriffen. Er hat so rasch reagiert, dass er dafür Kritik einstecken musste. War es wirklich nötig, bei dem geringsten Anzeichen eines Anfangsverdachtes Zuchtbetriebe zu isolieren und vor den Augen eines entsetzten Frankreichs ganze Herden zu töten und zu verbrennen? Die ersten akuten Fälle der Maul- und Klauenseuche in einem Dorf im Departement Mayenne haben ihm Recht gegeben - worauf er gewiss gern verzichtet hätte.«

»de Volkskrant«: Zentralbank-Chefs können Aktienfieber stoppen

Über die Hektik an den Aktienbörsen, die den Technologie-Index an der US-Börse Nasdaq stark sinken ließ, meint die niederländische sozialdemokratisch orientierte »Volkskrant« am Mittwoch: »Für die Hektik an den Börsen sind vor allem die Anleger verantwortlich, aber der amerikanischen Zentralbank und der Regierung muss man den Vorwurf machen, dass sie nicht rechtzeitig gewarnt hat. ... Das Problem liegt darin, dass von Zentralbank-Chefs erwartet wird, die Preise von Gütern und Dienstleistungen stabil zu halten. Über Aktienpreise steht nichts in ihrem Berufsbild. Das ist komisch, denn irrationale Kursschwankungen haben große Folgen für den Rest der Wirtschaft. ... Um in Zukunft neues Leid an den Börsen und Schäden für die Wirtschaft zu vermeiden, müssen Zentralbanken auch für die Inflation auf den finanziellen Märkten verantwortlich werden. Dann könnten US-Zentralbankchef Alan Greenspan und seine Kollegen mit rechtzeitiger Zinserhöhung versuchen, Aktienfieber zu stoppen.«

»The Independent«: Börseneinbruch nicht alarmierend

Zum Einbruch an den Börsen schreibt am Mittwoch die britische Zeitung »The Independent« (London): »Wir sollten nicht allzu alarmiert sein. Ein kleiner Stoß kann hilfreich sein. Korrekturen, wie schmerzlich auch immer, können gefährlicher Nachlässigkeit vorbeugen und die Wirtschaft vor Ineffizienz bewahren. Und darüber hinaus liefert uns Franklin D. Roosevelts berühmter Grundsatz noch immer eine allzeit gültige Wahrheit: «Die einzige Sache, vor der wir Angst haben müssen, ist die Angst selbst.»


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