Proteste in Beirut Droht dem Libanon ein Religionskrieg?

Nach dem gewaltsamen Tod eines pro-syrischen Demonstranten hat die libanesische Armee zusätzliche Soldaten nach Beirut verlegt. Denn es wird befürchtet, dass die Poteste gegen die libanesische Regierung in einen religiösen Konflikt ausarten könnten.

Nach schweren Zusammenstößen zwischen Anhängern von Regierung und Opposition hat sich die Lage in Beirut weiter verschärft. Die pro-syrische Opposition um die schiitischen Parteien Hisbollah und Amal rief ihre Anhänger nach dem Tod eines schiitischen Aktivisten auf, in großer Zahl an dem Begräbnis des "Märtyrers Ahmed Mahmud" an diesem Dienstag teilzunehmen. Die libanesische Armee verstärkte ihre Präsenz im Stadtteil Kaskas, dem Schauplatz der Zusammenstöße vom Sonntagabend.

Einwohner der Hauptstadt äußerten die Sorge, die Proteste könnten in eine Konfrontation zwischen Schiiten und Sunniten ausarten. In dem vorwiegend von Sunniten bewohnten Viertel war es am Sonntag zu einer Schlägerei zwischen Anhängern der Schiiten-Gruppen Amal und Hisbollah und Anhängern der sunnitischen Hariri-Familie gekommen. Im Anschluss daran war der 20 Jahre alte Aktivist Mahmud erschossen worden. Nach Angaben aus Armeekreisen wurden nach dem Zwischenfall, bei dem etwa ein Dutzend weitere Menschen zum Teil schwer verletzt worden waren, mehrere Verdächtige festgenommen. Unter den Verdächtigen seien auch drei Syrer, die von dem Dach einer Moschee mit Steinen auf die Kontrahenten geworfen hätten, hieß es.

Sitzstreik wird fortgesetzt

Der Vorsitzende der anti-syrischen Zukunftsbewegung, Saad Hariri, rief seine Anhänger zur Ruhe auf und bat sie, "sich durch nichts provozieren zu lassen". In der Innenstadt von Beirut setzten unterdessen rund 4500 Anhänger der pro-syrischen Opposition ihren am Freitag begonnenen Sitzstreik fort, mit dem sie die Regierung von Ministerpräsident Fuad Siniora zum Rücktritt zwingen wollen. Arabische Politiker bemühten sich derweil weiter um eine Beilegung der Krise. "Die Lage ist sehr ernst und wir müssen uns anstrengen, damit sich die Standpunkte einander wieder annähern", sagte der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, nach einem Gespräch mit dem pro-syrischen Staatspräsidenten Émile Lahoud. Der jordanische Außenminister stattete dem anti-syrischen Ministerpräsidenten Siniora einen Solidaritätsbesuch ab.

Die Opposition verlangt die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit und bezichtigt Siniora der Unfähigkeit. Außerdem wirft ihm Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah vor, er folge dem Diktat der USA. Die Siniora-Regierung sieht in den Protesten dagegen einen Versuch, der einstigen Schutzmacht Syrien, die im vergangenen Jahr ihre Truppen aus dem Libanon hatte abziehen müssen, wieder mehr Einfluss zu verschaffen. Außerdem wirft sie dem pro-syrischen Lager vor, es wolle die Aufklärung des Mordes an Ex-Regierungschef Rafik Hariri verhindern, in den syrische Funktionäre verwickelt gewesen sein sollen.

DPA DPA

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