Raketen-Zerstörung Bewegung in Bagdad


Der Irak will noch heute vier Raketen vom Typ Al-Samoud-2 zerstören. Das Land kommt damit einer Forderung des UNO-Chefinspekteurs Hans Blix nach.

Der Irak will noch an diesem Samstag vier Raketen vom Typ Al-Samoud-2 unter Aufsicht von UN-Kontrolleuren zerstören. Die Verschrottung soll in einer Anlage in El Tadschi unweit von Bagdad erfolgen. Das teilte das irakische Informationsministerium mit. Die Al-Samoud-2 war wegen Überschreitung der erlaubten Reichweite von UN-Chefwaffenkontrolleur Hans Blix für unzulässig erklärt worden.

Blix hatte angeordnet, dass mit der Zerstörung dieses Raketentyps und seiner Bauteile am 1. März begonnen werden muss. Am Samstagmorgen liefen Gespräche zwischen den Waffenkontrolleuren und den Irakern über das technische Vorgehen bei der Raketenvernichtung. Das Weiße Haus hatte am Freitagabend die Zerstörung der Raketen als nicht ausreichend bezeichnet. Vom Irak werde eine vollständige und nicht eine stückweise Abrüstung verlangt, hieß es von Seiten der amerikanischen Regierung.

Gipfeltreffen der Arabischen Liga

Mit einem klaren Aufruf gegen einen neuen Golfkrieg hat am Samstag im ägyptischen Badeort Scharm el Scheich das Gipfeltreffen der Arabischen Liga begonnen. Der libanesische Präsident Emile Lahoud sagt in seiner Eröffnungsrede: «Wir haben den Irak in der Vergangenheit zur Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen aufgerufen, damit er keinen Vorwand für einen Krieg liefert, und wir wiederholen diesen Aufruf heute».

Es wird damit gerechnet, dass die arabischen Staatschefs sich in ihrer Schlusserklärung deutlich gegen einen Angriff gegen den Irak aussprechen und einen solchen als «Angriff auf die gesamte arabische Nation» bezeichnen werden. Gleichzeitig wollen sie erklären, dass kein arabisches Land «eine Militäroperation gegen den Irak unterstützen soll».

Stichwort: Al-Samoud-Rakete

Die wegen ihrer möglichen Reichweite umstrittene Al-Samoud-Rakete des Irak ist eine im Rahmen des «Ababil-100»- Programms für Boden-Boden-Raketen konstruierte Weiterentwicklung der sowjetischen Scud-Raketen. Der Irak besitzt nach Schätzungen 50 bis 100 dieser 1997 erstmals getesteten Geschosse, deren Reichweite nach Angaben von Waffenexperten vom Ladegewicht abhängt.

Der Irak argumentiert, die Rakete habe mit Gefechtskopf nur eine Reichweite von höchstens 150 Kilometern. Damit liege sie nicht über der von den Vereinten Nationen nach dem Golfkrieg 1991 vorgegebenen Obergrenze. Nach Ansicht der UN hingegen kann das Geschoss ohne Zuladung 183 Kilometer weit fliegen - gut 30 Kilometer zu weit.

Die Al-Samoud-Rakete ist 10,6 Meter lang, hat einen Durchmesser von maximal 65 Zentimetern und wiegt 2,3 Tonnen. Sie kann wahrscheinlich 300 Kilogramm Zusatzgewicht transportieren. Nach Befürchtungen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens könnte die Rakete beispielsweise mit biologischen und chemischen Kampfstoffen bestückt werden.

DPA

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