HOME

Regierungschef sagt Gesetzentwurf zu: Malta will Scheidungen legalisieren

Die Mehrheit der Bürger von Malta hat sich für die Legalisierung von Scheidung entschieden - und sich damit über die katholische Kirche hinweggesetzt. Malta zählt neben den Philippinen und dem Vatikan bislang zu den einzigen Ländern weltweit, in denen Scheidungen verboten sind.

Im streng katholischen Malta haben sich die Menschen über die Kirche hinweggesetzt: Mit einer Mehrheit von gut 53 Prozent sprachen sich die Bewohner der zur EU gehörenden Mittelmeerinsel für die Legalisierung von Scheidungen aus, wie die Behörden am Sonntag mitteilten. Regierungschef Lawrence Gonzi, der sich gegen eine Gesetzesänderung ausgesprochen hatte, gestand die Niederlage der Scheidungsgegner ein.

Malta zählt neben den Philippinen und dem Vatikan bislang zu den einzigen Ländern weltweit, in denen Scheidungen verboten sind. Zur Abstimmung am Samstag waren 304.000 Wahlberechtigte aufgerufen. Nach offiziellen Angaben sprachen sich 53,2 Prozent der Abstimmungsberechtigten für die Einführung der Scheidung aus. Obwohl das Ergebnis nicht bindend ist, will die Regierung der Mehrheitsmeinung folgen.

"Das ist nicht das Ergebnis, das ich mir gewünscht hätte", sagte Regierungschef Gonzi nach der Bekanntgabe von Hochrechnungen. "Aber der Wille der Bevölkerung muss respektiert werden." Das Parlament werde jetzt ein Gesetz zur Einführung von Scheidungen erarbeiten und dann darüber abstimmen.

Nach dem Referendumsvorschlag sollen Scheidungen künftig möglich sein, wenn die Ex-Partner vier Jahre getrennt gelebt haben und keine Aussicht auf Versöhnung besteht. Bislang konnten sich die Ehepartner zwar trennen, eine erneute Heirat war aber schwierig, da dazu zunächst die erste Ehe von der Kirche offiziell annulliert werden musste. Dies bedurfte aber einer langen und komplizierten Prozedur von etwa acht Jahren, die nur selten von den katholischen Gerichten vorgenommen wurde. Von den etwa 400.000 Maltesern sind 95 Prozent katholisch, es gibt nahezu eine Kirche pro Quadratkilometer. Malta gehört seit 2004 der Europäischen Union an.

Obwohl die Kirche keine offizielle Kampagne für die Beibehaltung des Scheidungsverbots gemacht hatte, hatte der Erzbischof von Valetta den Gläubigen in einem Brief mitgeteilt, die Wähler müssten sich entscheiden, die Familienwerte entweder "zu erschaffen oder zu zerstören". Zeugen berichteten zudem, dass Geistliche damit drohten, den Befürwortern der Scheidung beim Kirchengang die Kommunion zu verweigern. Die Scheidungsbefürworter hatten in ihrer Kampagne auf das Schicksal Getrennter verwiesen, die eine neue Familie gründen wollen.

AFP / AFP