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Republikaner starten ihre Vorwahlen Wer fordert Obama heraus?


Schluss mit dem Geplänkel: In Iowa beginnen die Vorwahlen der US-Republikaner. Ziel ist es, den Herausforderer von Barack Obama zu nominieren. Doch das Bewerberfeld begeistert wenig.
Von Nora Schmitt-Sausen

Wer wird im Herbst gegen Obama antreten? Unmittelbar vor der ersten Abstimmung des Wahlkalenders 2012 ist das eine offene Frage. Mitt Romney? Zu glatt. Newt Gingrich? Zu selbstherrlich. Ron Paul? Zu radikal. Die republikanische Wählerschaft in Iowa tut sich schwer zu entscheiden, welchen Kandidaten sie auf die Siegerstraße schicken soll.

Und nicht nur die. Konservative im ganzen Land sind nicht minder ratlos, wer der geeignetste Bewerber im Feld ist. Zum Auftakt der langen Wahlkampfsaison steht lediglich eins fest: Der perfekte Kandidat ist bei den Republikanern diesmal nicht im Rennen. Vorbei sind die Zeiten, in denen ein vor Kraft strotzender Frontrunner George W. Bush seine Kontrahenten nahezu konkurrenzlos hinter sich ließ. Mit seinem Durchmarsch bei den Vorwahlen im Jahr 2000 legte der Texaner den Grundstein für seinen Einzug ins Weiße Haus. Doch statt Stärke zu demonstrieren, macht das aktuelle Bewerberfeld durch inhaltliche Patzer, diffuse Manöver und peinliche Versprecher von sich reden. Damit verspielen die Republikaner wohlmöglich die Chance, Barack Obama nach nur einer Amtszeit wieder aus dem Weißen Haus zu werfen.

Politische Kreisklasse versagt im landesweiten Fersehen

Die vergangenen Monate haben ein trübes Licht auf den Zustand der republikanischen Partei geworfen. Die Konservativen stellten ein Bewerberfeld auf, das noch nicht einmal die eigenen Anhänger überzeugt. Das medial inszenierte Muskelspiel der Präsidentschaftsbewerber glich oft mehr einem Kreisklassen-Wettkampf, denn einem nationalen Schaulaufen. Gerade die landesweit ausgestrahlten TV-Debatten wurden für einige Bewerber zur Stolperfalle. Nur ein Beispiel: Rick Perry, der noch nicht einmal die Frage beantworten konnte, welches Ministerium er im Falle eines Wahlsieges abschaffen wolle. "Ooooops" war das einzige, was dem Gouverneur von Texas vor einem Millionenpublikum dazu noch einfiel.

Die Schwäche des Bewerberfelds offenbart: Den Republikanern ist es nicht gelungen, das Vakuum in ihrer Führungsetage zu füllen, das nach Obamas historischem Sieg bei der Präsidentschaftswahl 2008 entstanden war. In den vergangenen Monaten tauchte ein Bewerber nach dem anderen plötzlich wie Phönix aus der Asche aus dem Kreis der Kontrahenten auf. Nur um kurze Zeit später mangels Standfestigkeit wieder genauso in sich zusammenzufallen. Erst wurde Tea-Party-Ikone Michelle Bachmann hochgejubelt, dann Perry, schließlich Pizza-Mogul Herman Cain, der inzwischen wegen angeblicher Sex-Affären aus dem Bewerberrennen ausgeschieden ist. Zuletzt tauchte Polit-Haudrauf Newt Gingrich aus der Versenkung auf und erklomm im Steilmarsch den Umfrage-Olymp. Doch dann wieder das bekannte Spiel: Nach nur wenigen Wochen an der Spitze purzeln die Werte Gingrichs nach unten. Am Tag eins des Vorwahlkampfes hat kein Bewerber die Rolle des glasklaren Favoriten inne.

Obamas Schwäche bleibt ungenutzt

Dabei hätten die Republikaner mit einem starken Frontmann beste Chancen, Obama bei der Wahl im November zu schlagen. Selten standen die Chancen für die herausfordernde Partei besser als in diesem Jahr. Obama hat viele Amerikaner bitter enttäuscht, seine Magie von einst ist für viele nur noch fauler Zauber. Die schwache US-Konjunktur hängt wie ein Damoklesschwert über dem Demokraten. Die Arbeitsmarktzahlen sind Monat für Monat eine Katastrophe. Die immense Staatsverschuldung der USA lässt nicht nur dem Präsidenten graue Haare wachsen. Die stolze amerikanische Nation – sie befindet sich während Obamas Präsidentschaft in einem Tal der Tränen.

Doch die Republikaner haben aus Obamas Schwächen zu wenig Kapital geschlagen. Stattdessen frustrieren die Konservativen die Wählerschaft mit starrer Blockadepolitik statt Lösungskompetenz und scheitern daran, Obama einen Herausforderer gegenüberzustellen, der dem Präsidenten mit Leichtigkeit noch das letzte Wasser abgraben kann. Ihre Unfähigkeit, einen starken Bewerber zu finden, könnte die Republikaner die Chance kosten, den Demokarten nach nur einer Amtszeit abzulösen.

Mitt Romney: Harmlos genug für die Wechselwähler

Einzige Konstante der holprigen Achterbahnfahrt der vergangenen Monate ist Mitt Romney, Ex-Gouverneur des Ostküstenstaates Massachusetts. Er hatte zwar nie beeindruckende, aber als einziger der Bewerber immer solide Werte in den Umfragen. Doch Teile der republikanischen Basis und selbst das Partei-Establishment verweigern Romney die Gefolgschaft. Und das, obwohl der langjährige Geschäftsmann im direkten Vergleich mit seinen Kontrahenten meist die beste Figur macht.

Der 64-Jährige, der sich zum wiederholten Mal um die republikanische Präsidentschaftskandidatur bewirbt, gilt als Prototyp des unspektakulären Kandidaten: dauergegelt, dauerfreundlich, dauerlangweilig. Er ist ein Typ ohne Ecken und Kanten, wirkt steif und stets ein wenig gekünstelt, aber hat dafür die vielen Millionen im Gepäck, die seine Nonstop-Bewerbung überhaupt erst möglich machen. Weitere Makel: Romney ist Mormone – eine Glaubensrichtung, die vielen Amerikanern suspekt ist. Ein Knackpunkt ist auch seine fehlende Geradlinigkeit. Romney wand sich bei Positionen zu relevanten Sozialthemen wie Umweltpolitik, Schwulenrechten und Abtreibung in der Vergangenheit wie das berühmte Blatt im Wind.

Keine Einigung in Sicht

Die Republikaner sind auch im Vorwahlkampf – wie so oft in den vergangenen Monaten – innerhalb der eigenen Reihen gespalten: Die einen wollen den lupenreinsten aller Konservativen zum Kandidaten küren. Die anderen denjenigen, der die besten Karten hat, im Herbst Obama zu besiegen. Die Analysten sind sich einig: Romney, wenig exzentrisch, selten laut, kaum radikal, hat im Hauptwahlkampf die besten Chancen ernsthafter Konkurrent Obamas zu sein. "Es ist nicht so, dass Romney ein allzu starker Kandidat ist. Aber damit er an der Nominierung scheitert, muss ein anderer gewinnen, und es ist schwierig zu sehen, wer das sein soll", urteilt etwa die New York Times. Romney ist massenkompatibel und keiner, der die so wichtigen Wechselwähler verschreckt wie Bachmann oder Paul.

Doch bis zum Schlagabtausch zwischen Herausforderer und Amtsinhaber ist es noch eine Weile hin. Als erstes hat nun Iowa die Qual der Wahl. Der Bundesstaat im Mittleren Westen der USA entscheidet sich traditionell als erstes für einen der Bewerber. Durch einen Erfolg kann ein Kandidat eine Signalwirkung in das Land schicken. Die Umfragen zeigen eine Tendenz für Romney, doch Paul und Rick Santorum hängen dicht an seinen Fersen. Viele Wähler entscheiden sich jedoch wohl erst, wenn sie den Stimmzettel in die Wahlbox werfen. Und: In der Vergangenheit war Iowa immer für eine Überraschung gut.

Ende August soll der Herausforderer feststehen

Nach Iowa geht es sechs Monate lang Schlag auf Schlag: Noch im Januar folgen Abstimmungen in New Hampshire, South Carolina und Florida. Experten sagen dafür ein Kopf an Kopf-Rennen zwischen Romney und Gingrich voraus. Ein Meilenstein auf dem Weg zur republikanischen Kandidatur ist der 6. März. Es ist der sogenannte Super-Tuesday, an dem in zwölf Bundesstaaten parallel gewählt wird. Sollte bis dahin noch kein klarer Stimmenfavorit zu erkennen sein, danach ist er es sicher. Offiziell steht Obamas Herausforderer erst im Spätsommer fest. Er wird Ende August auf dem Parteitag der Republikaner in Tampa/Florida gekürt. In der Vergangenheit haben die Vorwahlen schon zu wahren Schaukämpfen geführt. So lieferten sich Obama und Hillary Clinton im Jahr 2008 ein hoch spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Von dem Enthusiasmus, den die beiden Demokraten damals im Land entfachten, ist die Kandidatenkür der Konservativen meilenweit entfernt.


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