Russische Armee Andrejs Anklage


Seine Geschichte ist grausam, aber nicht ungewöhnlich. Der Rekrut Andrej Sytschow wurde von einem Vorgesetzten in der Russischen Armee derart misshandelt, dass er beide Beine verlor. Sein Peiniger steht jetzt vor Gericht. Die Generäle, die solche Brutalität seit Jahrzehnten dulden, bestraft keiner.
Von Andreas Albes

Der Anruf kam nachts um halb elf. Galina Sytschowa ahnte, was er bedeutete. Der Mann am Telefon stellte sich als Arzt des 3. städtischen Krankenhauses von Tscheljabinsk vor. Ihr Sohn liege auf der Intensivstation, sagte er, man habe sein rechtes Bein amputiert, der Junge würde den nächsten Morgen womöglich nicht erleben. Sie merkte, wie ihr der Atem stockte, dann begann sie hysterisch zu weinen. Der Arzt herrschte sie an, sie solle sich beruhigen und seinen Namen notieren, "Talipow", und so schnell wie möglich kommen.

Galina Sytschowa warf ein paar Wäschestücke in eine kleine Reisetasche, zog ihren Pelzmantel über und die Fellmütze tief ins Gesicht. Draußen wirbelte ein Schneesturm. Obwohl es fast Mitternacht war, stand am Busbahnhof von Krasnoturinsk eine lange Schlange am Schalter. Neun Stunden dauerte die Fahrt über die kurvigen Straßen des Ural nach Tscheljabinsk. Am 7. Januar 2006, kurz nach zehn, stand sie bei ihrem Sohn am Krankenbett. Es war das hinterste in einem kleinen Saal, direkt am Fenster, der Junge war ohne Bewusstsein, hing am Tropf und wurde künstlich beatmet.

"Gangrän", erläuterte Doktor Talipow die Diagnose. Das Bein sei infolge mangelnder Durchblutung abgestorben, weitere Körperteile mit einer schweren Blutvergiftung infiziert. Er könne nicht versprechen, ob das andere Bein zu retten sei. Er könne überhaupt nichts versprechen.

Galina blickte auf den hageren Körper ihres Jungen, der nun, mit 19 Jahren, ein Krüppel war. Ein halbes Jahr zuvor war Andrej zum Wehrdienst eingezogen worden. Doktor Talipow hatte angedeutet, es müsse etwas Schlimmes passiert sein, etwas, was in der Armee manchmal vorkommt.

"Djedowschtschina", das Wort hat jeder in Russland schon einmal gehört, es stammt aus der Armee und beschreibt die Herrschaft der alten Soldaten, der "Djedi", über die jungen. Die brutalen Methoden gehen auf die 50er Jahre zurück, als Stalins berüchtigte Gulags aufgelöst und die Aufseher als Offiziere in die Armee einzogen wurden. Mit ihnen kamen Willkür, Demütigungen und Misshandlungen in die Kasernen - und blieben bis heute. Die Täter schweigen, weil sie sich strafbar machen, die Vorgesetzten schweigen, weil sie die systematischen Übergriffe nicht verhindern können oder wollen, die Politiker schweigen, um den Ruf ihrer Streitkräfte nicht zu ruinieren. Und die Opfer schweigen aus Angst und Scham.

Am Nachmittag fuhr Galina Sytschowa zum Hauptquartier der Panzerausbildungseinheit, in der Andrej diente. Es war, als hätte man sie erwartet: Ohne ihren Ausweis zu verlangen, führte man sie in ein Büro, in dem zwei Offiziere saßen, der eine ergraut, der andere dunkelhaarig, beide ziemlich dick. Sie benahmen sich auffallend freundlich. Ein Rekrut misshandelt? Nein, das könne nicht sein. Djedowschtschina? Nein, die Einheit sei ein Vorbild an Kameradschaftlichkeit. Weshalb Andrejs Dienststelle seine Familie nicht informiert habe? Nur ein Versehen. Am Tag darauf erklärte ein Ermittlungsbeamter Galina, ihr Sohn habe sich das Bein vermutlich selbst abgebunden. Ein typischer Fall von Selbstverstümmlung, um ausgemustert zu werden.

Andrejs Zustand verschlechterte sich rapide. Bis zum 16. Januar wurde er vier weitere Male operiert, man entfernte ihm auch sein linkes Bein, das erste Glied des rechten Ringfingers, die Hoden und seinen Penis. Durch die starken Antibiotika drohten seine Nieren zu versagen, in der Lunge bildete sich Wasser, drei Wochen war er ohne Bewusstsein.

Galina Sytschowa zog ins Schwesternwohnheim neben der Klinik. Als Andrej aus dem Koma erwachte, sprach er kaum, manchmal weinte er vor Schmerzen. Sie fütterte ihn mit Haferbrei und Quark und ließ ihn Ananassaft mit einem Strohhalm trinken. Wenn sie ihn fragte, was geschehen ist, antwortete er, sein Bein habe plötzlich wehgetan. "Ganz einfach so." Sie hätte ihm gern geglaubt, aber sie wusste, dass das nicht sein konnte. Sie fragte andere Rekruten. Die schüttelten den Kopf, nein, sie hätten nichts bemerkt.

Es musste in der Nacht zu Neujahr passiert sein, irgendwann zwischen drei und sieben Uhr morgens - nach einer Silvesterparty und vor dem Kommando zum Wecken. Am 1. Januar war Andrej zum Frühstück noch in die Kantine gegangen, hatte aber schon über Schmerzen geklagt, am nächsten Tag zog er das Bein nach, am übernächsten blieb er im Bett und fragte nach einem Arzt.

Die Kaserne liegt 80 Kilometer außerhalb der Industriestadt Tscheljabinsk auf einer matschigen Wiese, am Rande eines verlassenen Dorfes namens Bischkil. Zwei- und dreistöckige Gebäude, eingeschlagene Fenster, rostiger Stacheldraht, auf einem Trainingsplatz wuchert meterhoch das Unkraut, davor steht ein Schild: "Kein Sieg ohne Disziplin". Ein Sanitäter war über Neujahr nicht im Dienst. Erst am Nachmittag des 4. Januar sah eine Krankenschwester nach Andrej. Er hatte hohes Fieber. Abends holte ihn ein Arzt mit seinem Wagen ab, setzte ihn auf den Beifahrersitz und fuhr mit ihm ins Tscheljabinsker Militärhospital. Am Morgen notierte er im Krankenblatt: "Rote Verfärbung der Wade, die Zehen schwarz, nur noch in einem Schmerzgefühl. Überweisung ins städtische Krankenhaus empfohlen." Viel zu spät, um das Bein retten zu können.

Nachdem er das Bewusstsein wiedererlangt hatte, schwieg Andrej fast zwei Wochen - bis Doktor Talipow ihn anbrüllte: "Junge, warum redest du nicht? Wovor hast du Angst? Du kannst nie mehr marschieren! Sie werden dich nie wieder einziehen." Da bat Andrej seine Mutter um einen Zettel. "Sie haben mich geschlagen", kritzelte er darauf. "Auf den Knöchel ... Sie schimpften über die Unordnung ..." Und er nannte den Namen eines Unteroffiziers.

Hätte Andrej nicht überlebt, er wäre wohl nur ein Fall für die Statistik geworden. Vergangenes Jahr starben nach Angaben des Verteidigungsministeriums 16 Soldaten an Misshandlungen, 276 wurden in den Akten als Selbstmörder geführt. Untersucht man die Selbstmorde genauer, kommt häufig der Verdacht auf, dass die Männer den Freitod wählten, um weiteren Qualen zu entgehen. Oder, dass die Selbstmorde keine waren. Noch während der Perestroika bildete sich in Russland ein Komitee von Soldatenmüttern, die nicht länger hinnehmen wollten, was ihre Söhne in der Armee erlitten; seitdem dokumentieren sie jedes Jahr Tausende Fälle von Djedowschtschina. Ihre Losung lautet: Schickst du dein Kind in die Armee, schickst du es ins Verderben!

Ende Januar, nach anonymen Hinweisen, schrieben die ersten Zeitungen über Andrejs Schicksal. Verteidigungsminister Sergej Iwanow reagierte wie gewohnt - mit Abwiegeln: "Da wird schon nichts Schlimmes passiert sein, sonst hätte ich davon erfahren." Doch er hatte die öffentliche Anteilnahme unterschätzt. Bei der spontanen Umfrage eines Radiosenders forderten 95 Prozent der Hörer seinen Rücktritt. Kamerateams des Staatsfernsehens wurden nach Tscheljabinsk geschickt. Sie berichteten aus dem frisch renovierten Büro des Chefarzts, in dem Bulletins über Andrej Sytschows Gesundheitszustand verlesen wurden.

Der Junge war zum Kronzeugen gegen das Militär geworden. Er bekam ein Einzelzimmer mit Wachposten vor der Tür. Die Tageszeitung "Iswestija" fragte in großen Lettern: "Kann Sytschow unsere Armee heilen?" Minister Iwanow, um Schadensbegrenzung bemüht, rief Andrejs Mutter an und richtete Genesungswünsche aus; er versprach ihrem Sohn eine behindertengerechte Wohnung, ließ den Leiter der Panzerausbildungseinheit suspendieren und versicherte, den Tätern werde der Prozess gemacht.

Der von Andrej beschuldigte Unteroffizier wurde fest- genommen, ein 20-jähriger namens Alexander Siwjakow. Er leugnete, mit Andrej je ein Wort gesprochen zu haben. Drei Tatzeugen machten erst ein paar spärliche Angaben, nachdem man ihnen zugesichert hatte, sie in eine andere Einheit zu versetzen: Ja, sie hätten Wortfetzen gehört; und auch etwas beobachtet, aber es sei ja dunkel gewesen.

Andrej wurde Anfang Februar mit einer Militärmaschine nach Moskau geflogen, der erste Flug seines Lebens. Zu seiner Vernehmung im streng bewachten Burdenko Militärhospital kam der Staatsanwalt in Begleitung eines jungen Mannes, der wie ein Schauspieler in einer Reihe von Szenen vorspielte, was sich zugetragen haben könnte. Andrejs Mutter durfte nicht dabei sein, auch kein Anwalt. Am Ende wurde der Tathergang wie folgt zu den Akten genommen:

Die Soldaten der Panzerausbildungseinheit Bischkil feierten im zweiten Stock der Kaserne Silvester. Von etwa 100 waren 48 anwesend, der Rest befand sich auf Heimaturlaub. Es gab Salate und Torten, verbotenerweise wurde Alkohol konsumiert, Bier und Likör. Um drei Uhr morgens hieß es Nachtruhe. Unteroffizier Siwjakow und Andrej schliefen im selben Schlafsaal, drei Betten voneinander entfernt. Kurz nachdem das Licht ausgeschaltet war, befahl Siwjakow, Andrej solle aufstehen, er habe seine Uniform nicht ordnungsgemäß zusammengelegt. In "nicht zitierfähiger Sprache" (so die Akten) fluchte der Unteroffizier, dass Andrej zu langsam gehe, zu langsam rede, esse, aufräume. Er trieb ihn in die hinterste Ecke des Schlafsaals und zwang ihn, die "Position des denkenden Soldaten" einzunehmen. In tiefer Hocke, nur auf die Zehnspitzen gestützt, verbrachte Andrej so dreieinhalb Stunden. Siwjakow setzte sich ihm gegenüber auf einen Hocker. Zweimal bettelte Andrej, er könne nicht mehr. Wenn er sich vor Schmerzen auf die Fersen sinken ließ, schlug ihm Siwjakow gegen die Fußknöchel.

Aus medizinischer Sicht sind Andrejs Verletzungen damit plausibel: Bei stark abgewinkelten Hüft- und Knie- gelenken werden Arterien und Venen abgeklemmt, das Blut kann kaum zirkulieren, nach einer Weile tritt ein Taubheitsgefühl ein, bald ein stechender Schmerz, es kommt zum Absterben von Gewebe. Aber ist es vorstellbar, dass ein sadistischer Unteroffizier, zu nachtschlafender Zeit, ohne Komplizen, ohne Zuschauer, vor denen er sich brüsten könnte, mehr als drei Stunden lang einfach nur zuschaut, wie sich sein in der Hocke verharrendes Opfer quält?

Doktor Talipow beschrieb in seiner Erstdiagnose "Spuren einer Vergewaltigung". Daran hält er bis heute fest. Und bei Ljudmila Sintschenko vom örtlichen Komitee der Soldatenmütter ging am 4. Januar nachts um elf der anonyme Anruf eines Mannes ein, der behauptete: In Bischkil sei in der Silvesternacht ein Rekrut ins nächste Dorf geschickt worden, "um Weiber zu organisieren". Als er alleine zurückkam, hätten die älteren Soldaten ihn an einen Stuhl gefesselt und gesagt: "Dann wirst du unsere Hure sein."

Andrejs Mutter will davon nichts hören. "Unsinn", sagt sie. Zu diesem Schluss kommt auch ein Gutachten des Burdenko Militärhospitals: "Sexueller Missbrauch ausgeschlossen." Das Thema ist in Russland gesellschaftlich tabu. Kein Psychologe machte sich die Mühe, mit Andrej die traumatischen Erlebnisse aufzuarbeiten und die Wahrheit zu erfahren.

Andrej wuchs im 1000-Einwohner-Nest Warenzowsk im Ural auf, in einer Holzbaracke ohne Heizung und fließend Wasser; erzogen von seiner Mutter, drei älteren Schwestern und einem Vater, der an Leberzirrhose starb, als der Sohn 14 war. Andrej litt sehr darunter. Er hatte nie Freunde, erst recht keine Freundin. Jede freie Minute schraubte er an seinem Motorrad herum, einer alten roten Ural mit Beiwagen.

Als zum 18. Geburtstag der Einberufungsbefehl kam, hoffte Galina Sytschowa, die Armee würde aus ihrem schüchternen Jungen einen erwachsenen Mann machen. Niemand kam auf die Idee, Andrej könnte sich vor der Wehrpflicht drücken wollen, was einfach ist in Russland. Man muss bloß genug Geld haben, um den Arzt bei der Musterung zu bestechen. Es heißt, seit dem Ende der Sowjetunion dienen in der Arme nur noch die Armen und die Dummen.

Am 24. Juni 2005 brachte Galina Sytschowa ihren Sohn zur Sammelstelle nach Ekaterinburg. Er bekam eine Uniform, die um seinen schmächtigen Körper schlotterte, dann wurde er in einen Bus nach Tscheljabinsk gesetzt. Nach der Grundausbildung kam Andrej in die Panzerausbildungseinheit nach Bischkil. Hier begegnete er Alexander Siwjakow. Der diente bereits ein halbes Jahr länger; ein kräftiger, untersetzter Typ mit einer großen Klappe, wie man sie zum Überleben in der Armee braucht. Zu Hause in Nowotscherkassk, einer Provinzstadt im Süden, trug er den Spitznamen "Wildsau", nie ging er einer Prügelei aus dem Weg. In Bischkil hatte Siwjakow immer eine Clique um sich versammelt. Andrej, der zu Arbeiten wie Kartoffelschälen oder Toilettenputzen eingeteilt wurde, nannten sie "Tormos", Bremse.

In den Briefen an die Mutter beschwerte sich Andrej nie über das Leben in der Armee. Nur ein Mal war er tatsächlich verzweifelt, am 29. Dezember vorigen Jahres. Er kam von einem Manöver und sollte über Silvester wieder einrücken. Nur in Begleitung seiner Mutter hätte er die Kaserne über die Feiertage verlassen dürfen. Er bat: "Hol mich ab. Was soll ich wieder in diese besoffenen Fressen schauen?" Galina Sytschowa, die an der Kasse in einem kleinen Supermarkt arbeitete, vertröstete ihn. Sie könne nicht kommen, ihr Chef würde ihr nicht freigeben, über Neujahr herrsche Hochbetrieb.

"Es ist nicht so, dass ich mich schuldig fühle", sagt sie, "aber dieser Anruf verfolgt mich oft in den Schlaf."

Ende Juli begann der Prozess gegen Alexander Siwjakow vor dem Garnisonsgericht in Tscheljabinsk. Andrej wird von seiner Schwester vertreten. Seine Mutter war schon bei der Verlesung der Anklage zusammengebrochen. Siwjakow saß in einem Käfig hinter weißen Gitterstäben wie ein bösartiges Tier. Der Staatsanwalt donnerte, er habe das Ansehen der russischen Streitkräfte in der ganzen Welt beschmutzt. Drei TV-Kameras richteten sich auf Siwjakows blasses Gesicht, die Botschaft war eindeutig: Nicht die Armee ist das Problem, sondern diese Bestie.

Das Ministerium hat Galina Sytschowa und ihrem Sohn eine kleine Wohnung in Ekaterinburg gekauft. Im Oktober wird Andrej seine ersten Gehversuche auf Prothesen machen. Manchmal, wenn die Sonne scheint, schiebt Galina Andrej im Rollstuhl durch den Garten. Dann starren ihn alle an wie einen Außerirdischen. Jeder kennt sein Gesicht, jeder kennt seine Geschichte, er ist Teil der russischen Politik. Galina Sytschowa sagt, das mache ihr Angst.

Vor einigen Wochen war ein älterer Herr in das Nachbarzimmer im Klinikwohnheim eingezogen. Er stellte sich als Bankier aus St. Petersburg vor. Sie redeten oft. Nach einer Weile nahm er sie zur Seite und sagte, er habe gute Beziehungen zum Verteidigungsministerium, man sei bereit, 100 000 Dollar zu zahlen, wenn Andrej seine Aussage widerrufe. Er müsse nur behaupten, er habe bei der Vernehmung unter Medikamenteneinfluss gestanden, und der Verlust seiner Gliedmaßen sei auf eine Erbkrankheit zurückzuführen. "Wozu?", fragte Galina Sytschowa. Es gäbe da "gewisse Interessen", erwiderte der Mann. "Für den Fall, dass jemand vorhabe, außer Siwjakow weitere Personen zur Verantwortung zu ziehen." Sie sagte ihm, sie wolle sein Geld nicht.

Im Prozess hat die Staatsanwaltschaft sechs Jahre Lagerhaft gefordert, zehn Jahre wären die Höchststrafe. Das Verfahren entwickelte sich zu einer Farce. Ein Hauptbelastungszeuge war für mehrere Tage unauffindbar, andere zogen ihre Aussagen zurück. Der Chefarzt des Burdenko Militärhospitals erklärte, Andrej sei sehr "thromboseanfällig", sonst wären die Qualen für ihn gar nicht so schlimm gewesen. Dass er vergewaltigt worden sein könnte, erwähnte der Staatsanwalt nicht. Siwjakow leugnet weiter. Aus dem Untersuchungsgefängnis ließ er seiner Mutter mitteilen, sie müsse sich nicht sorgen, man behandle ihn mit großem Respekt. Von Andrejs Vernehmung wurde eine Videoaufzeichnung gezeigt, wie er im Bett liegt und die Fragen des Staatsanwalts mit Nicken oder Kopfschütteln beantwortet. Eine weitere Befragung lehnte er ab. In einem Brief schrieb er: "Ich habe alles gesagt, was zu sagen war. Bitte, hört auf, mich zu quälen."

Von Januar bis August dieses Jahres wurden in Russland 3500 mutmaßliche Fälle von "Djedowschtschina" dokumentiert. Zuletzt starb ein 19-Jähriger, dem ein Offizier den Kiefer zertreten hatte. In Kasan schwebt ein Rekrut in Lebensgefahr, der auf 30 Kilo abgemagert war. Und in Omsk prozessiert eine Mutter, deren zu Tode gequältem Sohn auch noch heimlich die Nieren entnommen wurden.

Auf die Frage, welche Konsequenzen man aus dem Fall Sytschow ziehen müsse, antwortete General Alexej Maslow, Kommandeur der Landstreitkräfte: "Die medizinische Versorgung verbessern."

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