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Russland: Militärs erneuern Drohung gegen US-Raketenschild

Die russische Militärführung hat ihre Drohungen gegen das geplante US-Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien wiederholt. Sollte das System gebaut werden, könnte es von ballistischen Raketen in Russland ins Visier genommen werden, bekräftigte ein ranghoher General.

Das von den USA geplante Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien sorgt weiter für Streit. Die russische Militärführung erklärte, dass ballistische Raketen auf die Anlage gerichtet werden könnten, falls die Anlage wirklich gebaut wird. Der Kommandeur der Strategischen Raketenstreitkräfte, Generaloberst Nikolai Solowzow wollte am Mittwoch nicht ausschließen, dass die Abwehreinrichtungen in Polen, Tschechien und mögliche weitere in der Zukunft als Ziele für russische Raketen ausgewählt würden.

Russland betrachtet die geplanten Anlagen als Bedrohung. Die USA haben hingegen wiederholt erklärt, das Raketensystem diene dem Schutz Europas und Amerikas vor Angriffen aus dem Iran. Polen hatte der Stationierung nach langen Verhandlungen mit den USA im August zugestimmt. Beobachter sehen das russische Vorgehen in Georgien als Auslöser für die Einigung.

Solowzow sagte, die zehn in Polen geplanten Abfangraketen könnten das russische Angriffspotenzial zwar nicht deutlich schwächen, sie hätten aber negative Auswirkungen. Der eigentliche Punkt sei jedoch, dass die USA keinerlei rechtliche Verpflichtungen eingehen wollten und nur verbal bekräftigten, dass sie Russland nicht bedrohten. "Sie haben bereits, als sie Deutschland vereinigt haben, mit Worten versprochen, dass kein einziger Nato-Soldat dort sein würde. Und wo sind sie jetzt?"

Russlands Außenminister Sergej Lawrow erklärte vor seiner Reise zu Gesprächen mit der polnischen Führung in Warschau, Washington habe das militärische Gleichgewicht zwischen Russland und den USA destabilisiert. Polen sei mit seiner Entscheidung für das Abwehrsystem zu "einem Element eines sehr gefährlichen Spiels" geworden. Warschau habe dafür Rache genommen, "dass wir die Osseten verteidigt haben". Dies sei niederträchtig und ein politischer Fehler. "Leider folgen die Europäer Stimmen von außerhalb des Kontinents und verfolgen eine Politik, die im Konflikt zur europäischen Mentalität steht", so Lawrow.

AP / AP