Saddam-Verhör Ein Ex-Diktator ohne Reue


Während Anhänger Saddam Husseins in den Hochburgen des anti-amerikanischen Aufstands für ihr gestürztes Idol demonstrieren, zeigt der festgenommene irakische Ex-Präsident keine Reue - im Gegenteil.

Der von US-Truppen festgenommene irakische Ex-Präsident Saddam Hussein zeigt keine Reue - im Gegenteil. Nach Worten von Muwaffak el Rabai, der zu den vier Mitgliedern des irakischen Regierungsrats gehört, die Saddam am Sonntagabend (24 Stunden nach seiner Festnahme) sehen durften, beschimpfte der wütende Ex-Diktator die Besucher und verteidigte seine Handlungen. Saddam Husseins Anhänger machen unterdessen mobil. Bei Demonstrationen für den gestürzten Machthaber, die von US-Soldaten aufgelöst wurden, kamen mehrere Menschen ums Leben. Saddams Aufenthaltsort ist weiter ein Geheimnis.

In einem Interview der arabischen Zeitung "Al-Hayat" (Dienstagsausgabe), sagte El Rabai, Saddam sei vor allem aus der Haut gefahren, als er, El Rabai, gesagt habe: "Du sollst im Diesseits und Jenseits verflucht sein. Wie willst Du Gott mit dieser langen Liste von Verbrechen entgegentreten?".

Als er Saddam gefragt habe, weshalb dieser bei der Festnahme nicht auf die Amerikaner geschossen habe, habe er nur geantwortet: "Hast Du selbst jemals gekämpft?".

"Iraks historischer Anspruch auf Kuwait"

Außerdem habe Saddam die Invasion in Kuwait von 1990 verteidigt und auf "Iraks historischen Anspruch auf Kuwait" verwiesen. Auf den Gasangriff gegen die Kurden in Halabscha angesprochen, bei dem Tausende ums Leben kamen, habe er erklärt: "Das waren die Iraner." Zu den Massengräbern sagte Saddam laut El Rabai, die Getöteten seien "Diebe" gewesen.

Bei dem halbstündigen Treffen habe der Ex-Präsident ein weißes traditionelles arabisches Gewand getragen und niedergeschlagen, aber trotzig auf der Bettkante gesessen. Der amerikanische Zivilverwalter Paul Bremer und US-General Ricardo Sanchez seien bei dem Gespräch an einem unbekannten Ort im Raum Bagdad anwesend gewesen, hätten jedoch nichts gesagt. Saddam habe zum Abschluss gesagt: "Geht ihr jetzt endlich, seid ihr fertig?".

Anhänger Saddam Husseins demonstrierten am Montagabend in den Hochburgen des anti-amerikanischen Aufstands für ihr gestürztes Idol. In Ramadi, 100 Kilometer westlich von Bagdad, versammelten sich nach US-Angaben rund 600 Menschen vor dem Sitz der Provinzverwaltung. Bei einer anschließenden Schießerei mit irakischen und US- Sicherheitskräften wurden zwei Iraker getötet und zwei weitere sowie ein US-Soldat verletzt. Ein dritter Iraker starb bei einem späteren Zwischenfall in derselben Stadt, als eine Gruppe von 30 Aufständischen eine US- Einheit nahe einem Waffenlager angriff.

Am Montagabend töteten Soldaten laut US-Militärkommando elf Iraker, die eine Patrouille angegriffen hatten. Augenzeugen sagten dagegen dem arabischen TV-Sender El Dschasira, es sei lediglich ein Mensch ums Leben gekommen. Eine weitere US-Einheit wurde auf der Autobahn Bagdad-Amman angegriffen. 15 bis 20 Rebellen eröffneten von vier Lastwagen das Feuer. Auch diese Attacke wurde nach US-Angaben ohne eigene Verluste zurückgeschlagen und zwei Angreifer getötet.

Sympathiebekundungen für Saddam

In Falludscha, 60 Kilometer westlich von Bagdad, stürmten bewaffnete Saddam-Anhänger nach Militärangaben das Bürgermeisteramt. US-Soldaten erschossen nach eigenen Angaben einen von ihnen. Eine Pro-Saddam-Demonstration in dessen Heimatstadt Tikrit wurde vom US- Militär unter Einsatz von Tränengas aufgelöst, wie arabische TV- Sender berichteten. Zu Sympathiebekundungen für Saddam kam es auch in den Bagdader Stadtbezirken Amirija und Adhamija. Augenzeugen berichteten, viele Demonstranten glaubten, dass die US-Armee nicht Saddam, sondern einen seiner Doppelgänger festgenommen habe.

Auch die Saddam-Gegner zog es am Dienstag auf die Straße. Mehrere hundert Schiiten demonstrierten in Bagdad und Basra für eine gerechte Bestrafung Saddams und der Führungsmitglieder seines Regimes. Auf Transparenten forderten sie, Saddam und seine Mitstreiter sollten als "Terroristen" vor Gericht gestellt werden.

Unterdessen hat ein demokratischer US-Kongressabgeordneter der Regierung in Washington vorgeworfen, den Zeitpunkt der Festnahme des irakischen Ex-Diktators aus innenpolitischen Gründen bewusst festgelegt zu haben. Nach Medienberichten vom Dienstag sagte der Demokrat Jim McDermott in einem Rundfunkinterview, das US-Militär hätte Saddam schon vor langer Zeit finden können, "wenn sie das gewollt hätten". Auf Journalisten-Nachfragen, ob er damit meine, dass die Gefangennahme "getimt" worden sei, um Präsident George W. Bush zu helfen, antwortete McDermott: "Ja, oh ja."

Festnahme "keine zufällige Sache

Die Umstände der Festnahme seien derart, "dass es sich nicht um eine zufällige Sache handelte", fuhr der Abgeordnete fort. Er wisse zwar nicht, ob die Aktion gezielt für das vergangene Wochenende voraus geplant worden sei, aber ihm sei bekannt, dass das US-Militär schon seit geraumer Zeit mit Personen in Kontakt gestanden habe, die gewusst hätten, wo sich Saddam aufhielt.

In republikanischen Kreisen lösten die Äußerungen Empörung aus. Mehrere Vertreter der Republikaner forderten die Demokraten auf, sich davon zu distanzieren. McDermott hatte bereits im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt, als er während eines Aufenthalts in Bagdad Bush kritisiert hatte.


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