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Schlechteste Platzierung EU-weit Warum die Griechen so korrupt sind


In der Krise blüht in Griechenland vor allem eines: die Korruption. Wer operiert werden möchte oder eine Baugenehmigung braucht, zahlt - sonst kann er lange warten.

"Ihr Vater muss operiert werden. Die Warteliste ist lang. Ich werde aber sehen, was ich tun kann. Sind Sie einverstanden?" Den Code der Ärzte versteht in Griechenland jeder. Mit einem "Ja" verpflichten sich die besorgen Verwandten stillschweigend zu zahlen - und dann geht es plötzlich doch: "Weil es dringend ist", rückt der Name auf der Warteliste vor. Szenen wie diese spielen sich täglich in fast allen Bereichen der griechischen Gesellschaft ab. Längst vergleichen die Griechen die Korruption mit dem Ungeheuer Hydra aus der Mythologie: Schlägt man ihr einen Kopf ab, wachsen zwei neue nach.

Im aktuellen Korruptions-Index von Transparency International stürzt Griechenland von Rang 80 auf 94 ab, die mit Abstand schlechteste Platzierung EU-weit. Dabei fordern die internationalen Geldgeber vom Euro-Krisenstaat eine schärfere Korruptionsbekämpfung. Einfach wird das nicht. "Vielleicht wird es die nächste Generation schaffen", heißt es in den Tavernen Athens.

Eine Herzoperation kann einen Patienten zwischen 4.000 und 8.000 Euro kosten, kleinere Eingriffe gibt es schon für 50 Euro. Einen Ehrenkodex gibt es aber: Wenn ein Leben auf dem Spiel steht, wird nicht die Hand aufgehalten. In der Regel zahlt der Patient nach erfolgreicher Operation, ganz diskret - ein kleiner Umschlag an den Chefarzt. Quittung gibt es keine.

Ein hartes Stück Arbeit für die Regierung

Auch für eine schnelle Baugenehmigung wird häufig "geschmiert" - damit alles glatt durchs Labyrinth der Bürokratie geht. Und die Akte, die vorher ganz unten im Stapel steckte, liegt auf einmal obenauf.

Besonders schlimm war die Korruption bis zur Finanzkrise in der Rüstungsindustrie. Da brauchte es erst eine "Zündung" an entscheidender Stelle, um auf die Liste der möglichen Lieferanten zu kommen. Jetzt gibt es für die korrupten Funktionäre kaum noch etwas zu holen.

Die Wirtschaftskrise bietet der Korruption aber auch neuen Nährboden. Ein junger Arzt verdient nach den jüngsten Kürzungen nur noch rund 1.000 Euro - und muss einen starken Willen haben, um nicht den kleinen Umschlag eines zufriedenen Patienten einzustecken. Auf der Insel Zakynthos flogen im Sommer Dutzende angebliche Blinde auf, die illegal Behindertenunterstützung bezogen. Die meisten von ihnen fuhren Auto. Die falschen Bescheinigungen hatten ihnen Ärzte ausgestellt.

Fälle am Ende verjährt

Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras hat Vetternwirtschaft und illegaler Bereicherung den Kampf angesagt. In den vergangenen Monaten forderte er die zuständigen Minister mehrfach auf, gesetzliche Regelungen auf den Weg zu bringen, damit Korruptionsfälle von der Justiz im Schnellverfahren geahndet und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden können.

Erste Erfolge haben die Behörden immerhin erzielt: Ein ehemals mächtiger Verteidigungsminister sitzt seit Monaten in Untersuchungshaft. Er soll für die Genehmigung von Rüstungsprogrammen Millionen eingesteckt haben.

"Wir kämpfen. Die Korruption ist aber groß", räumt der Chef der zuständigen Ermittlungsbehörde, Leandros Rakintzis, ein. Zwar habe seine Behörde zahlreiche Fälle aufgedeckt - nicht immer würden die Verantwortlichen aber auch bestraft. Immer wieder seien Untersuchungen und Verfahren von Bürokratie und Justiz so in die Länge gezogen worden, dass die Fälle am Ende verjährt waren.

Takis Tsafos, DPA DPA

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