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Schweden: Lindh-Mörder zu lebenslanger Haft verurteilt

Der Mörder der schwedischen Außenministerin Anna Lindh ist in Stockholm zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der Täter hatte Lindh am 10. September letzten Jahres in einem Stockholmer Kaufhaus erstochen.

Ein halbes Jahr nach dem Attentat auf die schwedische Außenministerin Anna Lindh ist der geständige Täter wegen Mordes verurteilt worden. Der 25-jährige Mijailo Mijailovic muss nach der Entscheidung vom Dienstag eine lebenslange Freiheitsstrafe verbüßen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Verteidigung hat drei Wochen Zeit, um Berufung einzulegen. Mijailovic hatte erklärt, Stimmen in seinem Kopf hätten ihn dazu gebracht, Lindh mit einem Messer anzugreifen. Er habe sie aber nicht töten wollen.

Das Gericht sah es dagegen als erwiesen an, dass Mijailovic zur Tatzeit zurechnungsfähig war und in vollem Bewusstsein der Konsequenzen mehrfach auf die Außenministerin einstach. Lindh trug bei dem Angriff in einem Stockholmer Kaufhaus am 10. September sieben Stichwunden davon und starb einen Tag später im Krankenhaus. Der gewaltsame Tod der populären Politikerin versetzte Schweden 17 Jahre nach dem mysteriösen Attentat auf den damaligen Ministerpräsidenten Olof Palme in einen Schockzustand. Lindh war von vielen Beobachtern als künftige Regierungschefin gehandelt worden.

Das Geständnis erfolgte erst nach Monaten

Mijailovic, ein schwedischer Staatsbürger serbischer Herkunft, wurde zwei Wochen nach dem Attentat festgenommen. Er gestand die Tat erst Monate später, als seine DNA-Spuren auf der Tatwaffe nachgewiesen wurden. Zuvor hatten die Ermittler in einem Versteck außerhalb von Stockholm bereits Kleidungsstücke des 25-Jährigen gefunden, die mit Lindhs Blut beschmiert waren.

Mijailovics Anwalt Peter Althin hatte während des Prozesses argumentiert, sein Mandant sei psychisch instabil und habe zur Tatzeit unter Medikamenteneinfluss gestanden. Er dürfe deswegen nicht wegen Mordes, sondern nur wegen Totschlags verurteilt werden. Ein vor zwei Wochen vorgelegtes psychiatrisches Gutachten kam jedoch zu dem Ergebnis, dass Mijailovic schuldfähig sei und an keiner schweren psychischen Störung leide. Einen Antrag der Verteidigung, weitere Gutachter heranzuziehen, wies das Gericht vor einer Woche ab.

DPA