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Schwere Kämpfe in Libyen: Gaddafis Truppen rücken in Misrata vor

Die von Rebellen gehaltene libysche Hafenstadt Misrata ist schwer umkämpft. Truppen des Machthabers Muammar al Gaddafi sollen bis ins Zentrum vorgerückt sein. Ein Sohn Gaddafis weist in einem Interview alle Vorwürfe gegen das Regime seines Vaters zurück.

Die von libyschen Rebellen gehaltenen Hafenstadt Misrata ist schwer umkämpft. Nach Augenzeugenberichten sollen Einheiten des Diktators Muammar al Gaddafi bis in das Zentrum der Stadt vorgedrungen sein. Nach Ärzteangaben wurden dabei mindestens 16 Menschen getötet. Mindestens 71 weitere Menschen seien verletzt worden, hieß es im größten Krankenhaus der Stadt. Zahlreiche Verletzte wurden in ein Zelt vor dem Krankenhaus gebracht, das als Notaufnahme dient, bevor sie auf die unterschiedlichen Stationen der Klinik gebracht werden.

Der Fahrer eines Krankenwagens sagte, die Hauptverkehrsader der Stadt, die Tripolis-Straße, werde noch von den Aufständischen kontrolliert. In nahegelegenen Gebäuden seien aber Scharfschützen der libyschen Armee postiert. Über dem Himmel der Stadt war immer wieder abgefeuerte Leuchtmunition zu sehen. Dabei soll es sich um Hilfesignale der Scharfschützen an die anderen Armee-Einheiten handeln.

Nato fliegt zahlreiche Einsätze

Nachdem es in der vorangegangenen Nacht in Misrata relativ ruhig verlaufen war, hatten die Kämpfe am Sonntag wieder an Schwere zugenommen. Den ganzen Nachmittag über waren Nato-Flugzeuge im Einsatz. Misrata liegt 200 Kilometer östlich der libyschen Hauptstadt Tripolis. Die libysche Armee belagert die umkämpfte Rebellen-Hochburg schon seit fast zwei Monaten. Bei den Kämpfen um Misrata sollen die Gaddafi-Truppen auch besonders heimtückische Streubomben eingesetzt haben, was die libysche Regierung bestreitet.

Nach Angaben von Ärzten sind in Misrata seit Ende Februar etwa tausend Menschen getötet worden. Zudem habe es etwa 3000 Verletzte gegeben, sagte der Verwalter des Krankenhauses in Misrata am Montag. Bei 80 Prozent der Getöteten handele es sich um Zivilisten. Die 60 Betten der Klinik seien derzeit alle mit Verletzten belegt.

Unterdessen verteidigten Regimegegner die strategisch wichtige Stadt Adschdabija gegen Regierungstruppen. Angriffe der Gaddafi-treuen Soldaten seien zurückgeschlagen worden, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira am Montag. Am Sonntag waren die Aufständischen auf das 80 Kilometer westlich gelegene Al-Brega vorgerückt. Die Regimetruppen schlugen sie aber zurück und stießen ihrerseits auf Adschdabija vor, nachdem Sandstürme die Sichtverhältnisse beeinträchtigt hatten.

Gaddafi-Sohn bestreitet Übergriffe auf Zivilisten

Ein Sohn Gaddafis wies Vorwürfe über Gewalt gegen regierungskritische Demonstranten und Zivilisten zurück. "Wir haben keine Verbrechen gegen unser Volk begangen", sagte Seif el Islam der "Washington Post" in einem Interview. Berichte, wonach Sicherheitskräfte zu Beginn der Unruhen im Februar auf Demonstranten geschossen hätten, verglich er mit den Vorwürfen vor Beginn des Irak-Kriegs, wonach der damalige irakischen Diktator Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besaß.

"Massenvernichtungswaffen, Massenvernichtungswaffen, Massenvernichtungswaffen - und schon wird der Irak angegriffen", sagte Seif el Islam. "Zivilisten, Zivilisten, Zivilisten - und schon wird Libyen angegriffen." Die Behauptung der USA, Saddam Hussein habe Massenvernichtungswaffen besessen, hatte sich nach dem Einmarsch im Irak 2003 als falsch herausgestellt. So verhalte es sich auch mit den Vorwürfen gegen sein Land.

Seif el Islam wies zudem Berichte der Vereinten Nationen, von Ärzten, ausländischen Journalisten und Menschenrechtlern zurück, wonach in der umkämpften Hafenstadt Zivilisten von Gaddafi-Soldaten getötet wurden. "Das ist nicht passiert. Das wird nie passieren."

dho/fw/AFP/DPA / DPA
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