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Klimakonferenz in Wien: Sebastian Kurz kann nur acht Worte sprechen, dann stiehlt ihm eine Aktivistin die Show

Überraschende Wendung auf dem R20 Austrian World Summit: Als Sebastian Kurz zu seiner Rede ansetzt, unterbricht eine junge Klimaschützerin den österreichischen Bundeskanzler und kommt zu ihm auf die Bühne.

Geduldig lauscht Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz der Ansprache der Klimaaktivistin Lucia Steinwender

Geduldig lauscht Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz der Ansprache der Klimaaktivistin Lucia Steinwender

AFP

"Sehr geehrte Damen und Herren, geschätzter Herr Bundespräsident ..." Acht Wörter, weiter kommt nicht mit seiner Ansprache auf dem R20 Austrian World Summit am Dienstag in Wien. Der österreichische Bundeskanzler hat sich gerade erst an das Publikum der Klimakonferenz gewandt, als Demonstranten im Auditorium ein Transparent entrollen. "Austrian Government: Short on Climate Action" steht darauf, "Österreichische Regierung: zu wenig Klimaschutz". Eine junge Zuschauerin bittet Kurz um "eine Minute" Redezeit und der überraschte Kanzler gewährt sie ihr.

Aktivistin spricht Sebastian Kurz direkt an

Die Frau, bei der es sich österreichischen Medienberichten zufolge um die Wiener Germanistikstudentin Lucia Steinwender handelt, steigt die roten Stufen zur Bühne hinauf, stellt sich neben Sebastian Kurz hinter das Rednerpult und legt los. Im Publikum lauschen unter anderem Uno-Generalsekretär Antonio Guterres, Österreichs Präsident Alexander Van der Bellen, der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer und Hollywoodstar Arnold Schwarzenegger gespannt ihren Worten. Schwarzeneggers Klimaschutzinitiative R20 hat den Austrian World Summit ins Leben gerufen.

Sie spreche im Namen der Bewegung System Change not Climate Change, beginnt Steinwender ihren in ruhigem, aber bestimmten Ton vorgetragenen Angriff auf die Klimapolitik der rechtskonservativen österreichischen Koalition. Die 19-Jährige kritisiert die "desaströse Klimastrategie der Regierung - ohne Plan, Ziele und Finanzierung". Dann spricht sie den neben ihr wartenden Kurz direkt an: "Herr Bundeskanzler, wenn Sie diese Politik weiterverfolgen, bleiben die schönsten Worte nichts als grüne Lügen." Nach gut zweieinhalb Minuten verlässt die Studentin die Bühne wieder und wird dabei von den Zuschauern mit viel Applaus bedacht.

Bundeskanzler weist Vorwürfe zurück

Aber auch Kurz erwirbt sich durch seinen souveränen Umgang mit dem Zwischenfall Sympathien: Geduldig verfolgt er den Auftritt der Aktivistin, ohne sie zu unterbrechen und wartet auch noch ihren anschließenden Beifall ab. In seiner darauffolgenden Rede verteidigt der Kanzler die Politik seiner Regierung. Klimaschutz und Wirtschaftswachstum widersprächen sich nicht, sagt der 31-Jährige. "Es heisst nicht entweder Wachstum oder Nachhaltigkeit, es geht um nachhaltiges Wachstum." Darin sei Österreich internationaler Vorreiter.

Steinwender musste für ihren Coup viel Mut aufbringen: "Ja, ich habe Herzklopfen gehabt", gesteht sie hinterher der Nachrichtenseite "Heute.at".  Aber sie habe die Zweischneidigkeit der Regierung thematisieren wollen. "Leeren Worten sollen endlich wahre Taten folgen", fordert die 19-Jährige. Sie und ihre Mitstreiter hätten ganz normale Tickets für den Wiener Umwelt-Gipfel gehabt.

Dass Steinwender und nicht einer ihrer Mitstreiter auf die Bühne ging, war der Aktivistin zufolge vorab ausgemacht: "Es war uns allen klar, dass nicht immer nur Männer am Podium stehen sollten."

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mad