Selbstmordanschlag in Kundus Deutscher Wachmann stirbt bei Taliban-Überfall


Bei einem Taliban-Angriff in der nordafghanischen Stadt Kundus ist ein Deutscher getötet worden. Es handelt sich dabei offenbar um einen Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma. Der Mann starb, als sechs Taliban-Kämpfer das Büro einer US-Hilfsorganisation stürmten.

Bei einem Selbstmordanschlag auf das Büro einer US-Hilfsorganisation im nordafghanischen Kundus ist ein deutscher Wachmann ums Leben gekommen. Wie ein Mitarbeiter der US-Botschaft der Nachrichtenagentur AFP sagte, starb der Mann am Freitag bei einem Angriff der Taliban auf die Büroräume der Organisation Development Alternatives Inc (DAI). Inzwischen hat das Auswärtige Amt den Tod des Mannes bestätigt. Der Gouverneur der Provinz Kundus, Mohammad Omar, sagte, auch ein Brite und ein Philippiner seien getötet worden.

Nach seinen Angaben hatten am Morgen mindestens vier Selbstmordattentäter die DAI-Niederlassung in Kundus gestürmt. Ein erster Selbstmordattentäter sprengte sich nach Angaben afghanischer Behörden am Eingang des Geländes in die Luft, ein zweiter innerhalb des Komplexes. Ihre Komplizen wurden demnach von Sicherheitskräften getötet, bevor sie ihre Sprengstoffgürtel zünden konnten.

Nach Angaben des US-Botschaftsvertreters flüchteten sich die meisten DAI-Mitarbeiter während der Kämpfe auf das Dach des fünfstöckigen Gebäudes. Dabei habe ein weiterer Ausländer, dessen Identität zunächst unklar war, Schussverletzungen am Arm erlitten. Möglicherweise sei er von einem Querschläger getroffen worden. Nach dem Anschlag sicherten afghanische Soldaten den Komplex.

Nach Angaben des Krankenhauses in Kundus-Stadt wurden dort 22 Verletzte behandelt. Das Bundeswehr-Krankenhaus im Lager der deutschen Isaf-Truppen kümmerte sich um sieben weitere Leichtverletzte.

Bundeswehr an Gefechten nicht beteiligt

Zu der Tat bekannten sich die radikalislamischen Taliban. Insgesamt seien sechs Selbstmordattentäter daran beteiligt gewesen, sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid. Zu dem Zeitpunkt hätten sich neben den Sicherheitskräften und Polizisten 52 Ausländer in dem Komplex aufgehalten.

Der Bundeswehr-Sprecher in Kundus, Paul-Georg Weber, sagte, die Bundeswehr sei an den mehrstündigen Gefechten nicht beteiligt gewesen. US-Truppen hätten die afghanischen Sicherheitskräfte unterstützt. Die Aufständischen hätten gegen 03.20 Uhr (Ortszeit/00.50 Uhr MESZ) zunächst eine Autobombe gezündet, um sich Zugang zum Firmengelände zu verschaffen. Dann hätten Taliban-Kämpfer die unteren Stockwerke des Gebäudes besetzt. Die Gefechte waren erst am Vormittag beendet.

Die Organisation DAI ist ein Vertragspartner der staatlichen US-Hilfsorganisation USAID. Sie hat vor etwa vier Monaten ihre Arbeit in Kundus aufgenommen. Kundus ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, in der die Bundeswehr ein Regionales Wiederaufbauteam unterhält.

kng/AFP/DPA DPA

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