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Kommentar

Schüsse eines Trumphassers: Attentat auf Abgeordnete: Republikaner reagieren mit kruder Forderung

Die Reaktion der US-Republikaner auf das Attentat auf ihre Abgeordnete zeigt einmal mehr die merkwürdige Logik der Waffenlobbyisten. Bleibt zu hoffen, dass Donald Trump sie nicht unterstützt.

Republikaner

Das Mitglied im US-Repräsentantenhaus, der Republikaner Roger Williams wird mit einem Rettungswagen abtransportiert

Es war kurz nach sieben Uhr morgens, als Schüsse auf einem Baseballfeld in Alexandria fielen, einer Stadt südlich von Washington. Der 66-jährige James Hodgkinson aus Illinois feuerte mit einem Sturmgewehr und einer Handfeuerwaffe auf die republikanischen Kongressmitglieder, die dort für ein Benefizspiel gegen die Demokraten trainierten. Eines der Opfer: Steve Scalise, Geschäftsführer der republikanischen Partei im Kongress, und somit dritthöchster Repräsentant seiner Partei im Abgeordnetenhaus.

Es gab noch drei weitere Verletzte, aber Scalise erwischte es am schwersten. Eine Kugel durchschlug seine Hüfte und verletzte Organe, er verlor viel Blut und ringt noch mit dem Tod. Der Täter handelte offensichtlich aus politischer Motivation. Hodgkinson war ein fanatischer Trumphasser, wie seine langen Einträge in seinem Facebook-Profil belegen. Trump habe die amerikanische Demokratie zerstört, schrieb er. Dafür sollten die Abgeordneten der Republikaner büßen.

Attentat erschüttert USA

Das Attentat erschüttert die USA in einer Zeit, in der sich die politischen Lager noch unversöhnlicher gegenüber stehen als früher - und daran wird sich in naher Zukunft nicht viel ändern. Das zeigt die Reaktion vieler Abgeordneter der republikanischen Partei auf die Schießerei. Sie fordern eine Lockerung der ohnehin schon lockeren Waffengesetze in Amerika. Eine Gesetzesinitiative dazu existierte schon vorher.

Ihre Logik: Nur die Anwesenheit von Leibwächtern und den beiden Polizisten verhinderte Schlimmeres, sie streckten den Attentäter mit Kugeln nieder. Man stelle sich nur mal vor, Scalise, dem aufgrund seines Ranges Leibwächter zustehen, wäre nicht zum Training erschienen. Die Kongressmitglieder wären dem Attentäter schutzlos ausgeliefert gewesen. Deshalb wäre es besser, wenn sie selbst Waffen ohne größere Restriktionen tragen dürften - dann hätten sie sich selbst wehren können.


Es die immer gleiche Logik, die aus Zeiten stammt, als weiße Siedler das Land eroberten und Recht und Gesetz mit Waffengewalt durchsetzten.

Schärfere Waffengesetze haben keine Chance

Für die gegenteilige Auffassung stand Barack Obama. Vor viereinhalb Jahren nach dem fürchterlichen Massaker an einer Grundschule in Newtown mit 27 Todesopfern, die meisten davon Kinder, nutzte der damalige Präsident die Stimmung für einen Versuch, die Waffengesetze zu verschärfen. Bis zum Ende seiner Amtszeit Jahre mühte er sich vergeblich, die Macht der Waffenlobby zu brechen. Er scheiterte, auch an der Mehrheit der republikanischen Partei im Senat.


Kern von Obamas Gesetzesvorhabens war, die Sicherheit in den USA zu erhöhen, indem man halbautomatische Waffen verbietet. Genau mit einer solchen Waffe ging unter anderem der Attentäter von Alexandria vor. Unabhängig davon, ob ein schärferes Waffenrecht tatsächlich die Schüsse auf die Kongressmitglieder verhindert hätte - je weniger Waffen in den Händen von normalen Bürgern, desto besser.

Bleibt zu hoffen für die Amerikaner, dass Trump nicht auf die Idee kommt, die Waffenlobbyisten in seiner Partei tatsächlich noch weiter unterstützen zu wollen.