Slobodan Milosevic Leichnam wird nach Belgrad überführt


Der Leichnam des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic wird am Nachmittag nach Belgrad geflogen. Der Kriegsverbrecher soll nun doch in der serbischen Hauptstadt beigesetzt werden.

Der Leichnam des früheren jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic soll am heutigen Mittwoch von Amsterdam nach Belgrad gebracht werden. Entgegen anders lautenden Ankündigungen soll Milosevic nun doch in der serbischen Hauptstadt beerdigt werden. Der Sarg werde mit einer Linienmaschine der nationalen Fluggesellschaft JAT um 13.00 Uhr in Amsterdam starten und um 15.30 Uhr in Belgrad eintreffen, berichteten die serbischen Medien unter Berufung auf Anwälte und Sprecher der Familie. Auch die Milosevic-Witwe Mirjana Markovic, die sich bisher den heimischen Strafverfolgungsbehörden durch die Flucht nach Moskau entzogen hatte, werde an der Trauerfeier teilnehmen. Zuvor hatte es geheißen, Milosevic solle in Moskau beigesetzt werden. Ein Termin für die Beerdigung wurde jedoch noch nicht genannt.

Milosevics Sohn Marko hatte bereits am Dienstag in Den Haag die Überführung des Leichnams in die Wege geleitet. Er war mit einem Linienflug aus Moskau gekommen, wo er seit längerem lebt. Dabei wurde er von russischen Medizinern begleitet, die sich in Den Haag über die Ergebnisse der Obduktion informieren wollten. Niederländische Pathologen hatten am Sonntagabend in Gegenwart zweier serbischer Kollegen einen Herzinfarkt als Ursache für den Tod Milosevics ausgemacht.

Unklarheit über toxikologische Untersuchung

Ergebnisse einer toxikologischen Untersuchung stehen aber nach wie vor aus. Milosevic soll ein Mittel gegen Lepra und Tuberkulose genommen haben, obwohl er nicht an diesen Krankheiten litt. Diese Arznei soll die Wirkung der von den Ärzten verschriebenen Blutdruck senkenden Mittel aufgehoben haben.

Das Belgrader Kreisgericht hatte am Dienstag einen Haftbefehl für Milosevics Witwe Mirjana Markovic aufgehoben, die Anklage wegen Amtsmissbrauchs jedoch bestehen lassen. Zudem sollte die seit drei Jahren in Moskau untergetauchte Frau bei der Einreise nach Serbien ihren Pass abgeben. Demgegenüber hatte die Sozialistische Partei verlangt, die gesamte Anklage niederzuschlagen. Die serbische Polizei will die Witwe auch in Zusammenhang mit einem Auftragsmord verhören.

Kriegsverbrecherprozess beendet

Der Kriegsverbrecherprozess gegen Milosevic vor dem UN-Tribunal in Den Haag wurde in einer nur wenigen Minuten dauernden Sitzung am Dienstag auch förmlich für beendet erklärt. Milosevic war 2001 dem Tribunal überstellt worden, seit Februar 2002 wurde gegen ihn verhandelt. Er musste sich wegen Völkermords und anderer schwerer Verbrechen während der Kriege auf dem Balkan in den 90er Jahren verantworten.

DPA DPA

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