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Spionageflüge über Schweden Russischer Jet kollidierte beinahe mit Passagiermaschine


Im März wäre ein russischer Militärjet über Schweden beinahe mit einer Passagiermaschine kollidiert. Entsprechende Berichte hat nun Nato-Oberkommandeur Philip Breedlove dem stern bestätigt.

Die Zahl russischer Aufklärungsflüge im europäischen Luftraum hat sich innerhalb eines Jahres auf mehr als 100 verdreifacht. Bei einem dieser Einsätze wäre es im Frühling dieses Jahres beinahe zu einem Zusammenstoß eines Militärjets mit einer Passagiermaschine der schwedischen Airline SAS in der Nähe von Malmö gekommen. Bereits vor einigen Tagen hatten Medien wie der US-Sender CBS über den Zwischenfall berichtet. Nun hat Nato-Oberbefehlshaber Philip Breedlove im Interview mit dem stern den Vorfall bestätigt.

Der Zwischenfall ereignete sich bereits am 3. März rund 50 Meilen südwestlich der schwedischen Stadt. Die russische Aufklärungsmaschine hatte seinen Transponder abgeschaltet. Das Gerät sendet Funksignale aus, mit denen die Flugzeuge identifizierbar und auf dem Radar sichtbar sind. Die Boeing 737 der SAS war in Kopenhagen gestartet und hatte 132 Menschen an Bord. Nach einem Bericht des Online-Fachdienstes "The Aviationist" waren die beiden Flugzeuge in einem Abstand von gerade einmal 90 Metern aneinander vorbeigeflogen.

Schnelle Reaktion der SAS-Piloten

Eine Kollision konnte offenbar nur vermieden werden, weil die "Sicht gut war und die SAS-Piloten sehr schnell reagierten", wie Breedlove dem stern sagte. Der Luftwaffengeneral ist grundsätzlich darüber besorgt, dass russische Spionageflieger bei ihren Einsätzen im europäischen Luftraum häufig ihre Transponder ausschalten, weil es dadurch "zu Zwischenfällen auch mit zivilen Flugzeugen kommen kann".

Ein Bericht der britischen Nichtregierungsorganisation "European Leadership Network", zu der vor allem prominente Sicherheitspolitiker gehören, listet 40 weitere Vorfälle dieser Art aus den vergangenen acht Monaten auf. Offenbar möchte Russland mit diesen Flügen, im Militärjargon "show of force" genannt, seine militärische Macht gegenüber der Nato demonstrieren und vor allem die baltischen Staaten verunsichern.

Der überwiegende Teil der Zwischenfälle ereignete sich über dem Luftraum von Nord- und Osteuropa (Polen, Baltikum, Skandinavien), aber auch Japan und die Westküste der USA werden erwähnt. Elf Vorkommnisse seien "aggressiv und ungewöhnlich provokativ gewesen", schreiben die Autoren des "European Leadership Network". Etwa Tiefflüge über Kriegsschiffe sowie Scheinangriffe. Zusammenfassend heißt es: "Die Mischung aus dem aggressiven Verhalten Russlands und der Kampfbereitschaft westlicher Streitkräfte erhöht drastisch das Risiko einer unbeabsichtigten Eskalation."

nik/Katja Gloger

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