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Sprengstoff in Pariser Kaufhaus: Bombenleger drohen mit Anschlägen

Terrorschock mitten im Weihnachtsgeschäft: Im berühmten Pariser Kaufhaus Printemps sind fünf Sprengsätze gefunden worden. Sie waren auf Toiletten versteckt, verfügten aber über keine Zünder. In einem Bekennerschreiben droht eine bislang unbekannte Gruppe mit weiteren Bomben.

Mit versteckten Sprengsätzen in einem Pariser Luxuskaufhaus hat eine unbekannte Gruppe am Dienstag Angst vor Terroranschlägen in Frankreich geschürt. Nach Eingang eines Bekennerschreibens der Revolutionären Front Afghanistans entdeckte die Polizei fünf Bündel "relativ alter Dynamitstangen" auf den Toiletten der Herrenabteilung des Printemps.

Die Gruppe drohte mit Anschlägen, sollte Frankreich seine rund 3.300 Truppen nicht bis Ende Februar aus Afghanistan abziehen. Nach Angaben von Innenministerin Michèle Alliot-Marie waren die Dynamitstangen nicht mit einem Zünder versehen. "Es bestand keine unmittelbare Explosionsgefahr", sagte sie am Mittag vor dem evakuierten Konsumtempel.

Sarkozy rief die Bevölkerung aber zur Vorsicht auf. "Ich appelliere an alle, sehr vorsichtig und sehr maßvoll zu sein", sagte er in Straßburg und bekräftigte zugleich seine Entschlossenheit: "Man verhandelt nicht mit Terroristen, man bekämpft sie."

Das Bekennerschreiben ging am Vormittag bei der französischen Nachrichtenagentur AFP ein. Darin wurde auf mehrere Sprengsätze hingewiesen. Das sechsstöckige Printemps neben den weltberühmten Galeries Lafayette wurde geräumt und die Straßen abgeriegelt. Nachdem die gefundenen fünf Dynamit-Pakete entfernt und das Kaufhaus ohne weiteres Ergebnis durchsucht worden war, sollte es am Nachmittag wieder öffnen.

Gruppierung droht mit Sprengstoffanschlägen

Die Revolutionäre Front Afghanistans drohte mit Sprengstoffanschlägen in Kaufhäusern für den Fall, dass ihre Forderung nach einem Truppenabzug nicht erfüllt werde. Die Warnung ließ Erinnerungen an die Anschläge von Madrid und London wach werden - zumal Staatspräsident Sarkozy erst im Sommer eine Aufstockung des Truppenkontingents beschlossen hatte.

Vor einem Monat war das Video eines Taliban-Führers aufgetaucht, in dem wegen der militärischen Präsenz Frankreichs am Hindukusch mit Anschlägen in Paris gedroht wurde. Seit den 80er Jahren ist Frankreich von Terrorattacken verschont geblieben. Allerdings wurde im Jahr 2000 ein Anschlag auf den Weihnachtsmarkt von Straßburg vereitelt.

Innenministerin warnt vor "falscher Fährte"

Innenministerin Alliot-Marie warnte am Dienstag vor Panik: Der Absender der Erklärung sei den Geheimdiensten bislang völlig unbekannt. "Wir müssen dem Inhalt des Schreibens misstrauen, es könnte auf eine falsche Fährte führen".

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte, auch in Berlin sei die Gruppe nicht bekannt. Selbstverständlich stünden deutsche Behörden im engen Kontakt mit ihren französischen Partnern.

Das Printemps gehört zu den berühmtesten Konsumtempeln der französischen Hauptstadt. Es gehört mit den Galeries Lafayette zu den "Grand Magasins" am Boulevard Haussmann gegenüber der historischen Oper Garnier. Das Viertel ist eines der größten innerstädtischen Einkaufszentren in Europa und zieht vor allem in der Vorweihnachtszeit hunderttausende Touristen aus dem In- und Ausland an. Erst vor acht Tagen waren die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden.

AFP/AP/Reuters/DPA / AP / DPA / Reuters