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Streik im Tank: 4.000 Tankstellen in Frankreich ohne Benzin

Tränengas gegen randalierende Jugendliche, Benzinmangel an tausenden Tankstellen: In Frankreich sind die Proteste gegen die Rentenreform auch am Dienstag unvermittelt fortgesetzt worden.

Gewaltsame Zusammenstöße zwischen Jugendlichen und der Polizei und Benzinmangel an Tausenden Tankstellen haben am Dienstag die Proteste gegen die Rentenreform in Frankreich bestimmt. Präsident Nicolas Sarkozy drohte ein entschlossenes Vorgehen gegen Randalierer an und übte scharfe Kritik an der Blockade von Ölraffinerien, die den landesweiten Treibstoffmangel verursacht haben.

In einer Demokratie, in der die Mehrheit der Menschen arbeiten wolle, dürfe so etwas nicht passieren, sagte Sarkozy auf einer Pressekonferenz in Deauville. In Paris gingen nach Schätzungen der Polizei rund 60.000 Menschen auf die Straße.

In rund 4.000 Tankstellen ging nach Angaben des Umweltministeriums der Treibstoff aus. Premierminister Francois Fillon erklärte, die Regierung werde weiter gegen Demonstranten vorgehen, die die Depots blockierten. "Keiner von denen hat das Recht, ein ganzes Land, seine Wirtschaft und seine Arbeitsplätze als Geisel zu nehmen", sagte der Regierungschef.

In Paris warteten Pendler vergeblich auf ihre Vorortzüge, in Marseille türmten sich Müllberge auf den Straßen, und an Hunderten Schulen im ganzen Land fiel der Unterricht aus. Sarkozy bezeichnete es dennoch als seine Pflicht, die umstrittene Anhebung des Rentenalters von 60 auf 62 Jahre durchzusetzen.

Tränengas gegen Schüler

Am Rande der Proteste kam es in mehreren Städten zu Zusammenstößen zwischen zum Teil vermummten Jugendlichen und der Polizei. Im Pariser Vorort Nanterre warfen mehrere Hundert Schüler Steine auf die Einsatzkräfte und zündeten ein Auto an. Die Polizei setzte daraufhin Tränengas ein und riegelte das Gebiet ab. Die Schule der Jugendlichen war bereits am Montag wegen Ausschreitungen geschlossen worden. In Lyon warfen Randalierer Schaufensterscheiben ein, Mülltonnen und Autos wurden in Brand gesetzt. Die Polizei reagierte mit Tränengas.

In Paris mussten Pendler auf überfüllten Bahnhöfen und Metro-Stationen ausharren. Auf vielen Linien verkehrte nur die Hälfte der fahrplanmäßigen Züge. Die Flugaufsichtsbehörde DGAC erklärte, am Pariser Flughafen Orly fielen vermutlich bis zur Hälfte aller Flüge aus, an weiteren Airports sollten es bis zu 30 Prozent sein. In Bordeaux blockierten zahllose Demonstranten für mehrere Stunden den Eingang zum Flughafen.

Lastwagenfahrer drückten ihren Protest mit sogenannten Schnecken-Fahrten aus, mit denen sie den Verkehr auf den Autobahnen zum Erliegen brachten. In der Hafenstadt Marseille, in der die Gewerkschaften traditionell besonders stark sind, streikt auch die Müllabfuhr. Auf Straßen und Gehwegen türmen sich zunehmend Müllberge.

Höherer Umsatz für Tankstellen im Saarland

Der Streik in Frankreich führte im Grenzgebiet zu einer verstärkten Nachfrage nach Benzin und Diesel. So gaben acht Tankstellen im Großraum Saarbrücken auf dapd-Nachfrage an, ihr Tagesumsatz habe sich deutlich gesteigert. Einige Tankstellen hatten angesichts der Streikmeldungen aus dem Nachbarland nach eigenen Angaben schon vorsorglich ihre Tanks aufgefüllt.

Der Sprecher der französischen Sozialisten, Benoit Hamon, nannte die Protestaktionen eine "Kraftprobe". Die Gewerkschaften wollen die Regierung dazu bringen, das Gesetz zur Rentenreform doch noch fallenzulassen. Sarkozy bezeichnete die Reform als den einzigen Weg, um Frankreichs Rentensystem zu retten.

Die entscheidende Abstimmung über die Reform im Senat sollte ursprünglich am (morgigen) Mittwoch stattfinden. Weil inzwischen aber mehrere hundert von den Abgeordneten zu prüfende Änderungsanträge eingegangen sind, wurde die Abstimmung auf einen späteren Termin in dieser Woche verschoben.

DPA / DPA