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Stuxnet-Test in der Negev-Wüste: Da war der Wurm drin

Der mysteriöse Computerwurm Stuxnet legte Ende vergangenen Jahres große Teile der iranischen Atomanlagen lahm. Unklar blieb, wer den hoch komplizierten Virus entwickelte. Nun berichtet die "New York Times" von neuen Hinweisen, dass Israelis und Amerikaner den Wurm gemeinsam entworfen und sogar in der streng abgeriegelten Atomanlage Dimona in der israelischen Negev-Wüste getestet hätten.

Israel hat den gegen iranische Atomanlagen eingesetzten Computer-Wurm Stuxnet einem Medienbericht zufolge in einer geheimen Atomanlage getestet. Im Zuge der gemeinsamen US-israelischen Anstrengungen zur Sabotage des iranischen Atomprogramms sei der Computer-Wurm in den vergangenen beiden Jahren ausführlich erprobt worden, berichtete die "New York Times" am Samstag. Dafür seien in der israelischen Atomanlage Dimona in der Negev-Wüste Zentrifugen zur Urananreicherung so nachgebaut worden, wie sie in der iranischen Atomanlage Natans verwendet würden, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf Geheimdienst- und Militärexperten. "Um den Wurm zu testen, muss man die Maschinen kennen", zitiert die Zeitung einen US-Atomexperten. "Dass der Wurm so wirkungsvoll war, lag daran, dass die Israelis ihn ausprobiert haben."

Die USA und ihre Verbündeten werfen dem Iran vor, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Der Iran weist dies zurück.

Der Computer-Wurm hatte im vergangenen Jahr Rechner im Atomkraftwerk Buschehr befallen. Der Iran wies jedoch Darstellungen zurück, die immer neuen Verzögerungen beim Atomprogramm seien auch auf Stuxnet zurückzuführen.

Nach Einschätzung des israelischen Geheimdienstes wird der Iran bis mindestens 2015 keine Atombombe bauen können. Dies sei unter anderem auf die internationalen Sanktionen zurückzuführen, hatte der scheidende Mossad-Direktor Meir Dagan Anfang Januar erklärt. Technische Rückschläge bei der Anreicherung von Uran werden auch dem Computer-Wurm Stuxnet zugeschrieben, den nach Einschätzung von Experten bislang ausgeklügelsten Computervirus. Die Geschwindigkeit der Zentrifugen habe sich nach der Cyber-Attacke nicht mehr steuern lassen, sie hätten zu schnell gedreht. Dadurch sei ein Fünftel der Zentrifugen unbrauchbar geworden, heißt es im Bericht der "New York Times".

Reuters/AFP/DPA / DPA / Reuters