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"Angstzustände und Sozialphobien" Haarausfall gilt in Südkorea als Stigma – Politiker will das Problem bekämpfen

Lee Jae-myung, Präsidentschaftskandidat in Südkorea
Lee Jae-myung, Präsidentschaftskandidat der Demokraten in Südkorea
© Chung Sung-Jun / Picture Alliance
Haarausfall ist in Südkorea ein gesellschaftliches Problem – das meint zumindest Präsidentschaftskandidat Lee Jae-myung. Der Politiker verspricht kostenlose Behandlungen, sollte er gewählt werden.

Am 9. März wird in Südkorea ein neuer Präsident gewählt. Klar ist bereits jetzt, dass danach ein neuer Politiker das Land führt: Da Präsidentschaften laut Verfassung auf eine Amtszeit begrenzt sind, darf Amtsinhaber Moon Jae-in von der Demokratischen Partei nicht erneut antreten. Sein Parteifreund Lee Jae-myung macht sich große Hoffnung, ihn zu beerben.

Um die Gunst der Wählerschaft zu gewinnen, wirbt der Kandidat mit teils kuriosen Wahlversprechen. So stellt Lee in Aussicht, dass die Behandlungen von Haarausfall demnächst von der Krankenkasse bezahlt werden, sollte er die Wahl gewinnen. Womöglich könnte das sogar für Haartransplantationen gelten. Was zunächst nach einer Lappalie klingt, stellt für Lee ein gesamtgesellschaftliches Problem dar.

Südkorea: Fast zehn Millionen leiden unter Haarausfall

Männer und Frauen seien von Haarausfall betroffen, schreibt er in einem Statement auf seiner Facebook-Seite. Diejenigen, die Haarausfall nicht selbst erlebt hätten, könnten nicht nachvollziehen, welche dramatischen Folgen sich daraus ergeben: zum Beispiel "Angstzuständen, Sozialphobien und Probleme, sich auf Beziehungen einzulassen". Betroffen seien fast zehn Millionen Menschen, etwa 20 Prozent der Bevölkerung. Etwa 230.000 von ihnen ließen sich 2020 auf eigene Kosten medizinisch behandeln, darunter viele junge Menschen.

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Bei einem Treffen tauschte sich Lee, der selbst im Alter von 57 Jahren immer noch mit eher vollem Haupthaar gesegnet ist, mit Betroffenen aus und kündigte anschließend an, dass sein Team sich des Themas annehmen werde. Es sei die Pflicht des Staates, den Bürger:innen "adäquate Unterstützung" anzubieten: "Wir werden die finanzielle Last für Menschen mit Haarausfall senken, damit sie sich auf die Behandlung konzentrieren können."

Unterschätztes Problem oder Populismus?

Offenbar verspricht sich der Präsidentschaftskandidat, ehemals Bürgermeister der Stadt Seongnam und aktuell Gouverneur der Provinz Gyeonggi-do, davon Pluspunkte bei Wählern zwischen 20 und 30 Jahren. Oft werden in Südkorea schon in diesem Alter Mittel gegen Haarausfall in Anspruch genommen, da Geheimratsecken in dem Land als äußerlicher Makel gelten. Betroffene geben dafür teilweise Tausende Euro aus, berichtet der "Korea Herald".

Kritiker werfen Lee Jae-myung Populismus vor. "Wir müssen uns fragen, ob Haarausfall wirklich wichtig ist. Immer noch gibt es Krankheiten, deren Behandlung nicht bezahlt wird, obwohl sie einen direkten Einfluss auf unsere Gesundheit haben", sagte die Sprecherin der koreanischen Medizinervereinigung, Park Su-hyeon.

Quellen: Lee Jae-myung auf Facebook / "The Korea Herald" / Reuters

epp

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