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Suizid: USA nennen die Namen der Guantanamo-Toten

Die erhängten Gefangenen von Guantànamo haben Namen bekommen. Der Jemenite Ali Abdullah Ahmed und die beiden Saudi-Araber Jasser al Sahrani und Manei al Utaybi waren ohne Anklage festgehalten worden, letzterer stand kurz vor der Freilassung.

Das US-Verteidigungsministerium hat die Identität von zwei der Männer bestätigt, die sich im Gefangenenlager Guantanamo selbst getötet haben. Bei den Saudi-Arabern handele es sich um Manei al Utaybi und Jasser al Sahrani, teilte das Pentagon am Sonntag mit. Das saudiarabische Innenministerium hatte zuvor die Namen der Gefangenen veröffentlicht. Dokumente des Pentagon belegen, dass Sahrani 21 Jahre alt war - was bedeutet, dass er als Jugendlicher in dem Lager auf Kuba eingesperrt wurde.

Den dritten Toten, einen Jemeniten, identifizierte ein Kommandant als Ali Abdullah Ahmed. Die Männer hatten sich am Wochenende mit Kleidungsstücken und Bettlaken in ihren Zellen erhängt. Die Selbstmorde waren die ersten von Häftlingen seit der Nutzung des US-Stützpunktes als Gefängnis im Januar 2002. Dutzende Insassen hatten jedoch schon Selbstmordversuche unternommen, zum Teil mehrfach. Der Vorfall zog international neue Forderungen nach einer Schließung des umstrittenen Lagers nach sich.

Ein Erhängter stand vor der Freilassung

Einer der in Guantanamo erhängt aufgefundenen Häftlinge sollte aus dem US-Gefangenlager entlassen werden. Die Entlassung seines Mandanten Mani Schaman Turki al Habardi al Utaybi habe unmittelbar bevor gestanden. Dem Gefangenen sei aber noch nichts davon gesagt worden, weil noch unklar gewesen sei, an welches Land er überstellt werden sollte, berichtete der Anwalt Mark Denbeaux dem britischen Rundfunksender BBC. Insgesamt sei geplant gewesen 141 der mehr als 600 Häftlinge aus Guantanamo in Kuba zu entlassen, berichtete BBC am Montag. Nach saudischen Presseberichten vom Samstag, wurden allein in dem Königreich 20 Rückkehrer aus Guantanamo in Kuba erwartet. Nach Angaben der BBC gehörte al Utaybi dazu.

"Ein guter PR-Gag"

Aufsehen erregten international auch die Äußerungen des Kommandeurs des Gefangenenlagers, Konteradmiral Harry Harris. "Sie sind gerissen. Sie sind erfinderisch. Sie sind von ihrer Sache überzeugt", sagte er mit Blick auf die Toten. "Sie haben keine Achtung vor dem Leben, weder vor unserem noch vor ihrem eigenen. Ich glaube, das war kein Akt der Verzweiflung, sondern ein Akt der Kriegsführung gegen uns."

Eine Mitarbeiterin der US-Regierung legte am Sonntag nach. Die Selbstmorde seien "ein guter PR-Gag, um Aufmerksamkeit zu erregen", sagte Colleen Graffy BBC World Service.

Nur zehn von 460 Gefangenen wurden offiziell angeklagt

In Guantànamo halten die USA derzeit 460 Insassen aus 40 Ländern und dem Westjordanland unter dem Verdacht fest, Kontakte zur Extremistenorganisation al Kaida oder zu den afghanischen Taliban zu haben. Nur zehn der Gefangenen wurden formell angeklagt, auch gegen keinen der drei erhängten Männer war offiziell Anklage erhoben worden. Die USA hatten das Lager nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eingerichtet und stufen die Gefangenen als feindliche Kämpfer ein, nicht als Kriegsgefangene. Damit haben sie nicht die Rechte, die die Genfer Konvention Kriegsgefangenen zusichert. Die Selbstmorde sind nach Auffassung von Menschenrechtlern Ausdruck der schlechten Bedingungen in Guantanmo.

Reuters/DPA/AP/AP/DPA/Reuters

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