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Syrien: Um Assad wird es einsam

Das syrische Regime ist zäher als die Chaostruppe von Muammar al-Gaddafi in Libyen. Assads Sicherheitsapparat ist noch weitgehend intakt. Doch der Druck wächst. Nach den Europäern und Amerikanern ziehen jetzt auch die Araber und die Türken die Daumenschrauben an.

Für die syrische Führung hat jetzt die Entscheidungsschlacht begonnen - politisch und militärisch. Mit Panzerfäusten greifen Deserteure Stützpunkte der Sicherheitskräfte an. Die "Freie Syrische Armee" gründet einen Militärrat, der nach Aussage ihres Vorsitzenden, Oberst Riad al-Asaad, so lange das Kommando über die Anti-Regime-Kräfte führen will, "bis eine neue demokratisch gewählte Regierung im Amt ist". In der Zwischenzeit werde es "Militärgerichte der Revolution" geben, um diejenigen zu verurteilen, "die Bürger getötet oder angegriffen haben".

Die arabischen Herrscher sind sich zwar noch nicht ganz einig, mit welchen Mitteln sich die blutige Unterdrückungskampagne des Regimes von Präsident Baschar al-Assad beenden lässt. Und auch die "Freie Syrische Armee" ist einigen von ihnen nicht ganz geheuer. Doch die Zahl der Unterstützer, auf die Assad noch zählen kann, schrumpft mit jedem Tag. "Der syrische Präsident hat jetzt nur noch eine letzte Chance, wenn er diese nicht nutzt, dann übergeben wir den Fall den Vereinten Nationen", sagte ein arabischer Diplomat am Sitz der Arabischen Liga in Kairo der Zeitung "Al-Sharq Al-Awsat".

Assad bleiben in der Region jetzt nur noch der Iran, die vom Iran bewaffnete libanesische Schiiten-Bewegung Hisbollah, einige Schiiten-Parteien im Iran und der jemenitische Präsident Ali Abdullah Salih, der aber auch schon angezählt ist.

Das internationale Zaudern

Die Türkei, die Assad zu Beginn der Krise noch gegen Rücktrittsforderungen verteidigte, ist inzwischen zu einer wichtigen Stütze der syrischen Opposition geworden. Sie beherbergt auch Al-Asaad, den Kommandeur der Fahnenflüchtigen-Armee, der am Mittwoch nach Angaben eines Assistenten "müde von einer Operation in Syrien in die Türkei zurückgekehrt ist".

In den ersten Monaten des Aufstandes gegen Präsident Assad gab es kaum eine Regierung, die sich für einen Regimewechsel in Damaskus aussprach. Das Beispiel Libyen, wo die Nato mit dem Auftrag losgezogen war, Zivilisten zu schützen, und dann faktisch zu einer Art Luftwaffe der Rebellenarmee wurde, wirkte abschreckend. Die Israelis, denen eine stabile Diktatur in der Nachbarschaft weniger unheimlich erschien, als eine unberechenbare Demokratie, warnten westliche Diplomaten davor, die Assad-Gegner zu unterstützen.

Anders als in Libyen gibt es in Syrien zudem nur wenig Öl und auch keine Armutsflüchtlinge, die mit Booten nach Europa übersetzen könnten. Auch warnten Angehörige der christlichen Minderheit in Syrien vor einem Regimewechsel. Sie fürchteten, dass ihnen das gleiche Schicksal drohen könnte wie ihren Glaubensbrüdern im Irak, die nach dem Sturz von Saddam Hussein zur Zielscheibe islamistischer Terroristen wurden. Einige christliche Geistliche sind allerdings angesichts der Gräueltaten regimetreuer Milizen und Spezialkommandos momentan dabei, ihre Haltung zu überdenken.

Anne-Beatrice Clasmann, DPA / DPA