VG-Wort Pixel

Afghanistan Taliban haben Deutschland "vergeben" – und fordern nun unsere Hilfe

Sabiullah Mudschahid, Sprecher der Taliban, spricht auf seiner ersten Pressekonferenz in Kabul
Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid
© Rahmat Gul / AP / DPA
Zwei Wochen nach der Eroberung Afghanistans durch die Taliban, fragt sich Deutschland immer noch, wie man mit den neuen Herrschern umgehen soll. Die wiederum haben sehr klare Vorstellungen. Man habe Deutschland "vergeben", so ein Sprecher.

Wie umgehen mit den Taliban? Mit dieser Frage hadert nicht nur die deutsche Regierung. Drohte Außenminister Heiko Maas noch vor wenigen Wochen, im Falle eines Sieges alle Geldflüsse einzustellen, denkt er nun laut über eine Botschaft Deutschlands in Kabul nach – und betont schnell, dass das keine Anerkennung der Taliban bedeute. Die Taliban selbst sehen das völlig anders und fordern selbstbewusst diplomatische Beziehungen zwischen den Staaten.

Das stellte der Sprecher der neuen Machthaber in Afghanistan, Sabiullah Mudschahid, in der "Welt am Sonntag" klar. "Wir wollen starke und offizielle diplomatische Beziehungen zu Deutschland", erklärte er. Wie andere Länder auch wünsche man sich von der Bundesregierung finanzielle und humanitäre Hilfen, wie etwa Unterstützung und Kooperationen bei der Landwirtschaft, der Bildung oder im Gesundheitsbereich.

Taliban betonen Freundschaft zu Deutschland

Dabei betonte der Sprecher, dass man die Deutschen immer als Freunde gesehen habe, die schon vor hundert Jahren dort Gutes bewirkt hätten. "Leider haben sie sich dann den Amerikanern angeschlossen", kommentierte Mudschahid die Rolle im Afghanistankrieg. "Aber das ist jetzt vergeben."

Die deutsche Regierung hatte bisher andere Signale gesandt. Die Botschaft wurde mit der Eroberung Kabuls geschlossen, Botschafter Markus Potzel führt die Gespräche mit den Taliban nicht vor Ort, sondern in deren provisorischem Außenbüro in der katarischen Hauptstadt Doha. Da die ersten Taliban-Vertreter aber nach Afghanistan zurückkehren, gibt es Überlegungen, wie man die Kommunikation aufrechterhalten soll. "Wenn es politisch möglich wäre und wenn die Sicherheitslage es erlaubt, dann sollte auch Deutschland in Kabul wieder eine eigene Botschaft haben", erklärte Maas vor einigen Tagen.

Taliban zeigen in pompöser Parade, was sie von der US-Armee erbeutet haben

Die Notwendigkeit für die Kommunikation ist nicht von der Hand zu weisen. Auch wegen der Situation der Schutzsuchenden im Land. Nachdem die westlichen Staaten zunächst mit militärischer Unterstützung zahlreiche Afghanen aus ihrer Heimat ausgeflogen hatten, muss man nach Ende der Operation über die Option weiterer Ausreisen mit den Taliban direkt verhandeln.

mma

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker