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Taliban weisen Verantwortung von sich: Mindestens 50 Tote bei Anschlägen in Afghanistan

Ein Selbstmordattentäter hat sich am Dienstag in der afghanischen Hauptstadt Kabul inmitten schiitischer Muslime in die Luft gesprengt und dabei mindestens 50 Menschen getötet. Bei einem weiteren Anschlag im Norden des Landes kamen vier Menschen ums Leben.

Bei zwei Anschlägen auf Schiiten in Afghanistan sind am Dienstag mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 100 weitere verletzt. In Kabul sprengte sich nach Polizeiangaben ein Selbstmordattentäter vor einem wichtigen schiitischen Heiligtum in die Luft. Bei einem weiteren Anschlag in Masar-i-Scharif im Norden des Landes wurden nach Polizeiangaben mindestens vier Menschen getötet.

In der afghanischen Hauptstadt zündete der Selbstmordattentäter seinen Sprengsatz nach Polizeiangaben am Eingang des Abu-ul-Fasil-Schreins, wo sich zahlreiche Gläubige anlässlich des schiitischen Aschura-Festes versammelt hatten. Nach Angaben von einem Augenzeugen waren auch Kinder unter den Opfern.

Die Behörden machten zunächst keine Angaben zur Zahl der Todesopfer. Ein Vertreter des Gesundheitsministeriums sagte, es seien mindestens 67 Verletzte in Krankenhäuser gebracht worden. Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, soll der Attentäter zusammen mit einer Gruppe von schiitischen Pilgern aus der Provinz Logar südlich von Kabul in die Hauptstadt gekommen sein.

Taliban streiten Verantwortung ab

Bei dem zweiten Anschlag vor einem Schiiten-Heiligtum im Stadtzentrum von Masar-i-Scharif wurden nach Angaben eines Polizeisprechers mindestens vier Menschen getötet und vier weitere verletzt.

Zu den Anschlägen bekannte sich zunächst niemand. Die radikal-islamischen Taliban habe jede Verantwortung für die beiden Terroranschläge gegen Angehörige der schiitischen Minderheit in Afghanistan bestritten. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid verurteilte die Angriffe in der Hauptstadt Kabul und in der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharf am Dienstag in einer Erklärung als "unmenschlich und unislamisch". Die Aufständischen würden es nicht zulassen, dass die Sicherheit der Afghanen im Namen von Religion oder Stammeszugehörigkeit gefährdet werde.

Auch Außenminister Guido Westerwelle verurteilte die Anschläge. "Ich bin zutiefst erschüttert über die vielen Menschen, die heute bei blutigen Anschlägen in Afghanistan ums Leben gekommen sind", erklärte er am Dienstag in einer in Berlin veröffentlichten Mitteilung.

Ein langer Weg bis zu einem friedlichen Afghanistan

"Ich verurteile diese Akte des Terrors auf das Schärfste. Sie zeigen erneut, dass wir bei unserem Engagement für eine friedliche Zukunft Afghanistans noch einen langen Weg vor uns haben." Es sei besonders bedrückend, "dass diesen Anschlägen Menschen zum Opfer gefallen sind, die nichts anderes tun wollten als friedlich ihren Glauben zu praktizieren".

Mit den Aschura-Prozessionen, bei denen sich die Gläubigen als Zeichen der Trauer öffentlich geißeln, erinnern die schiitischen Muslime an den Tod des Enkels des Propheten Mohammed, Imam Hussein. Das zehn Tage dauernde Aschura-Fest ist eines der wichtigsten Feste der schiitischen Muslime, sein Höhepunkt an diesem Dienstag ist in Afghanistan ein Feiertag.

kave/AFP / AFP