Teddy "Mohammed" Brown lobt Begnadigung von Lehrerin


Die Lehrerin Gillian Gibbons, die einen Teddy "Mohammed" taufte, ist auf dem Weg zurück in ihre britische Heimat. Sie wurde vom sudanesischen Präsidenten begnadigt. Nun bemüht sich die britische Regierung um eine Verbesserung der angespannten Beziehungen zum Sudan.
Von Cornelia Fuchs, London

Der britische Premier Gordon Brown ist "erfreut und erleichtert", dass die Grundschullehrerin Gillian Gibbons auf dem Weg in die Freiheit ist. Am Morgen hatte der sudanesische Präsident Omar al-Bashir die Frau begnadigt, die zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt worden war, weil ihre Klasse einem Teddy-Bär den Namen Mohammed gegeben hatte.

Brown erklärte, Gibbons würde in der britischen Botschaft in Khartoum erwartet: "Der gesunde Menschenverstand hat gesiegt. Ich bin vor allem erfreut über die Unterstützung der muslimischen Verbände in Großbritannien in diesem Fall."

Tatsächlich hatte sich vor allem das Muslim Council of Britain ungewöhnlich deutlich von den Geschehnissen im Sudan distanziert. Dessen Generalsekretär Mohammed Abdul Bari nannte die Klage gegen Gillian Gibbons "skandalös": "Wir sind entsetzt über die Entscheidung der sudanesischen Behörden und rufen den Präsidenten auf einzugreifen, um Frau Gibbons aus diesem beschämenden Schauspiel zu befreien."

Ein Teddy namens Adam

Vertreter der britischen Islamic Foundation, dem akademischen Arm des Muslim Councils, erklärten in Interviews, dass sie es nicht für problematisch halten würden, ein Plüsch-Spielzeug Mohammed zu nennen. Die Foundation selber hatte jahrelang einen Plüsch-Teddy mit Namen Adam im Internet vertrieben, der Kinder auf Knopfdruck Gebete vorsingt. Auch Adam ist nach islamischem Glauben ein Prophet Gottes. Der Vorsteher der Liverpooler Moschee hatte schon am ersten Tag nach Gibbons Festnahme zusammen mit dem katholischen Erzbischof und dem protestantischen Bischof der Stadt die sudanesischen Behörden aufgerufen, Gerechtigkeit walten zu lassen und Gibbons so schnell wie möglich in ihre Heimatstadt Liverpool ausreisen zu lassen.

Die schnelle Begnadigung von Gillian Gibbons ist am Ende wohl vor allem dem Besuch von Lord Ahmed und Baroness Warsi in Khartoum zu verdanken, die beide gute Kontakte zu Kreisen in Khartoum pflegen. Der in Pakistan geborene Nazir Ahmed kam 1998 als erster muslimischer Lord ins britische Oberhaus, die konservative Baroness Sayeeda Warsi ist mit 36 Jahren seit 2007 sein jüngstes Mitglied.

Entschuldigung von Gillian Gibbons

Allgemein bewerten britische Kommentatoren den Vorfall als eine Art Warnung an die britische Regierung. Gordon Brown hatte in den vergangenen Wochen immer deutlicher mit Sanktionen gedroht, sollte Sudan sich nicht stärker für einen Waffenstillstand und eine Verbesserung der Lage in Darfur einsetzen. Als Teil einer All-Parteien-Initiative wird heute Abend eine Delegation ehemaliger Parteiführer der Liberalen und Konservativen in den Sudan fliegen, mit dem Ziel, die Beziehung zwischen Großbritannien und Sudan zu verbessern und ein mögliches Abkommen in Darfur nicht zu gefährden.

Gillian Gibbons entschuldigte sich indessen in einem Brief für jegliche Aufregung, die sie mitverschuldet haben könnte. Sie habe "großen Respekt" für den Islam. Ihr Sohn John sagte in Liverpool: "Eines der ersten Dinge, die meine Mutter mir noch kurz nach dem Urteil gesagt hat, ist, dass sie keinen Groll gegen Muslime will. Sie will nicht, dass ihr Fall dazu genutzt wird, Vorurteile zu verstärken. So eine Person ist sie nicht."

Auf der Auktionsplattform Ebay gibt es inzwischen sechs Teddy-Bären mit dem Namen Mohammed, die im Namen von Gillian Gibbons versteigert werden sollen.


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