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Tibet: Erneut Festnahmen nach Selbstverbrennungen

Die Selbstverbrennungen von Tibetern aus Protest gegen die chinesische Herrschaft haben die Sicherheitskräfte alarmiert. Wegen eines tibetischen Feiertags werden Hotels geräumt. Aktivisten berichten von neuen Festnahmen.

Eine Woche nach der Selbstverbrennung von zwei Tibetern in #Link;http://www.stern.de/reise/service/lhasa-90450363t.html;Lhasa# ist die Lage in der tibetischen Hauptstadt höchst angespannt. Eine unbekannte Anzahl von Tibetern wurde festgenommen, berichtete die Organisation International Campaign for Tibet (ICT). Wegen eines hohen buddhistischen Feiertags am Montag wurden die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal verschärft.

Touristen mussten ihre Hotels im Zentrum von Lhasa räumen. Betroffen waren Unterkünfte am Barkor Pilgerweg um den berühmten Jokhang Tempel und nahe dem Potala Palast, wie Hotelmitarbeiter und Touristen telefonisch der Deutschen Presse-Agentur dpa in Peking berichteten. Es gebe eine starke Präsenz von Sicherheitskräften in den Straßen.

Schon seit der jüngsten Selbstverbrennung von zwei Tibetern aus Protest gegen die chinesische Herrschaft herrscht strenge Sicherheit. Einer der beiden starb, der andere überlebte verletzt. Neue Festnahmen zielten auch auf Tibeter, die in Verbindung zu ihnen standen. Der Restaurantbesitzer, der einen der beiden beschäftigt hatte, und seine Familie seien festgenommen worden, berichtete ICT.

Pilger von auswärts werden abgeschoben

In früheren unbestätigten Berichten war vergangene Woche schon von einer Festnahmewelle die Rede. Verdächtigte Bewohner von Lhasa würden in zwei Haftanstalten festgehalten, während Pilger von auswärts meist abgeschoben würden. ICT-Geschäftsführer Kai Müller forderte die "unverzügliche" Freilassung der Festgenommenen.

Aus Anlass des Sagadawa-Festes wurden auch Hotels geräumt. Es ist einer der höchsten tibetischen Feiertage, mit dem der Geburt, des Todes und der Erleuchtung Buddhas gedacht wird. "Alle mussten heute Morgen das Hotel verlassen", sagte ein Hotelmitarbeiter der dpa. Für zwei bis drei Tage könnten keine Gäste mehr aufgenommen werden.

Ein Tourist berichtete, Gäste hätten auch Hotels nahe dem Potala Palast verlassen müssen. "Alle Jugendherbergen dürfen niemanden aufnehmen", sagte er. "Die Lage ist angespannt." Auch andere Hotels bestätigten, dass sie Gäste abweisen müssten. In Beiträgen in Twitter ähnlichen sozialen Netzwerken in China berichteten chinesische Touristen von der Umzugsaktion. Wie viele Touristen und Hotels betroffen waren, blieb unklar.

DPA / DPA