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Protest gegen China: Zwei Tibeter zünden sich selbst an

Die Proteste kommen nach Hause: Erstmals gab es demonstrative Selbstverbrennungen in Tibets Hauptstadt Lhasa. Die chinesische Zentralregierung ist alarmiert.

In Lhasa, der Hauptstadt von Tibet, haben sich zwei Menschen selbst verbrannt, um gegen die chinesische Herrschaft über das tibetische Volk zu demonstrieren. Auf dem Barkor genannten Pilgerweg um den berühmten Jokhang Tempel im Herzen der tibetischen Hauptstadt übergossen sich die beiden Tibeter am Sonntag mit Benzin und zündeten sich an. Einer der beiden sei ums Leben gekommen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Der andere habe verletzt überlebt und liege in stabilem Zustand im Krankenhaus.

Als Reaktion wurden die Sicherheitsmaßnahmen in Lhasa verschärft. Wegen eines wichtigen buddhistischen Festes ist die tibetische Hauptstadt voller Pilger.

In der seit 2009 andauernden Serie von Selbstverbrennungen war es das erste Mal, dass sich Tibeter direkt in der tibetischen Hauptstadt angezündet haben. Es ist auch erst die zweite Selbstverbrennung in der Autonomen Region Tibet selbst. Seit 2009 sind 35 Fälle in China bekannt geworden, in denen Tibeter sich selbst angezündet haben. Mehr als 20 sind dabei ums Leben gekommen. 34 Selbstverbrennungen waren in tibetisch bewohnten Gebieten in den chinesischen Provinzen Sichuan, Qinghai oder Gansu.

China vermutet Drahtzieher im Ausland

Exiltibeter sehen in den Selbstverbrennungen einen Akt der Verzweiflung über die besonders seit den Unruhen 2008 verschärfte Unterdrückung der Tibeter. Chinas Regierung weist die Vorwürfe aber zurück und kritisiert vielmehr separatistische Bestrebungen dahinter.

"Es ist eine Fortsetzung der Selbstverbrennungen in anderen tibetischen Gebieten, und all diese Taten zielen darauf ab, Tibet von China abzutrennen", sagte der hohe chinesische Funktionär Hao Peng vom Rechtskomitee der Partei in Tibet laut Xinhua. Die Staatsagentur schrieb, in vielen Fällen seien vorher Fotos der Akteure an "separatistische Kräfte im Ausland" geschickt worden, was darauf hindeute, dass die Protestaktionen "sorgfältig geplant sind".

Nach den neuen Selbstverbrennungen waren die Straßen in Lhasa voll mit Polizei und paramilitärischen Kräften, berichtete der amerikanische Sender Radio Free Asia (RFA). "Die Lage ist sehr angespannt", wurde eine exiltibetische Quelle zitiert.

Seit über 60 Jahren besetzt

Besonders um den Jokhang Tempel und den Potala Palast, der früheren Residenz des im Exil lebenden Dalai Lamas, gab es strenge Kontrollen, wie der US-Sender berichtete. "Jeder, der auf das Hauptgelände des Potala geht, wird durchsucht, und die Spannungen sind sehr groß", sagte eine RFA-Quelle in Lhasa.

Die Selbstanzündungen sind ein symbolischer Protest gegen die chinesische Herrschaft. China hält Tibet seit dem Jahr 1951 besetzt und kontrolliert die autonome Region sowie die anliegenden Provinzen, in denen ebenfalls zahlreiche Tibeter leben, mit harter Hand.

Die Tibeter klagen über ihre soziale und kulturelle Marginalisierung durch die ethnischen Han-Chinesen, die systematisch in ihren Heimatregionen angesiedelt werden. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, lebt im nordindischen Dharamsala im Exil.

ono/DPA/AFP / DPA